Sonntag, 31. Juli 2011

Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Unzählige wertvolle Erfahrungen, unvergessliche Erlebnisse und spannende Geschichten, tansanische Kultur zusammen mit etwas Ugali, eine neue Sprache... Doch was lasse ich hier? Natürlich Freunde, Bekannte, mein neues Zuhause. Aber was lasse ich hier von MIR? Und was kommt auf mich zu?

Tatsächlich fange ich heute an meine Tasche zu packen. Nicht mal mehr eine Woche bleibt mir, bis ich nächstes Wochenende nach Dar es Salaam fahre. Raphael hat diese Woche schon die Zelte abgebrochen um noch ein wenig mit seiner Familie zu reisen. Für mich bleiben noch Unmengen an Arbeit zurück, die ich heute mal versucht habe auf eine TODO-Liste zu fassen. Als das DIN-A4 Blatt voll war hatte ich keine Lust mehr weiterzuschreiben. Für heute steht Schreibarbeit auf dem Plan. Doch bei der ganzen Arbeit bleibt die gedankliche Verarbeitung von dem was momentan passiert, von dem was passiert ist und von dem was vor mir liegt ganz verloren, deshalb will ich heute mal versuchen etwas davon auf meinen Blog zu verfrachten und versuche drei Fragen in Kurzform zu beantworten ohne mich dabei auf mein altes paar Turnschuhe zu beziehen.

1. Frage: Was nehme ich mit?
Ich nehme viele neue Fähigkeiten mit, die ich auch beim Namen nennen kann. Ich bin einer neuen Sprache mächtig geworden, die für mich der Schlüssel zu Land und Leute war und mich wahrscheinlich ewig an die Verbundenheit erinnern wird. Ich habe viele handwerkliche Fähigkeiten dazugewonnen. Ich kann schweißen, diverse Metallarbeiten ausführen, habe Grundlagen der Elektrotechnik gelernt, kann autarke Windanlagen bauen, div. Solarsysteme berechnen, bauen, installieren, habe meine Fähigkeiten als Lehrer und in Präsentationen verbessert, kann Hühner, Kaninchen und Schweine schlachten, Feuer machen, eine Papaya schneiden, mit den Händen essen...
Aber viel wertvoller sind die Dinge, die ich nicht so richtig beim Namen benennen kann und die dieses Jahr auf eine gewisse Weise zum lehrreichsten Jahr meines bisherigen Lebens gemacht haben. Lehrreich aber einmal auf eine ganz andere, unschulische Art. In keinem anderen Jahr meines Lebens habe ich so viele menschlichen Dinge lernen und erfahren können wie in diesem Jahr. Ob menschlich jetzt das richtige Wort ist weiß ich nicht, aber das was ich meine ist einfach mal etwas ganz anderes als das, was man in der Schule oder in einem Buch lernen kann und unbezahlbar. Es geht um das Leben und ich glaube über das habe ich in diesem Jahr viel gelernt. Doch natürlich habe ich auch erfahren, dass „Lernen“ immer ein Prozess mit Höhen und Tiefen ist, denn auch die gab es gewiss in diesem Jahr und haben zum Erfolg beigetragen.
Ich habe eine andere Lebensweise kennengelernt, ein anderes Miteinander, eine andere Art des Arbeitens, der Familie, der Freizeit, des öffentlichen Lebens, ohne jetzt hier irgendeine Art der Wertung einzubringen und ich habe viele dieser Dinge, die keine Dinge sind auch ausprobieren können.
Viele dieser (Un-)Dinge werden mir wahrscheinlich erst klar, wenn ich zurück in Deutschland bin. Andere entdecke ich vielleicht nie und reisen unentdeckt im Gepäck mit mir, werden mich aber doch für den Rest meines Lebens mit einem gewissem Gewicht begleiten. Gewiss ist aber jetzt schon, dass ich zurückkommen werde und das Alte mit neuen Augen sehen werde. Vieles vermeintlich „deutsche/westliche“ hinterfrage ich schon jetzt immer kritischer. Ich hoffe ich falle nicht einfach zurück in das alte Leben und ein gesundes Maß an Kritik bleibt mir erhalten. Diese kurzen Röcke gehen auf jeden Fall überhaupt nicht ;-)

2. Frage: Was lasse ich hier?
Diese Frage ist doch um Längen schwerer zu beantworten als die erste, denn dafür müsste ich in die Köpfe der Leute schauen können, mit denen ich hier zu tun hatte und in die Zukunft, denn die Nachhaltigkeit meiner Arbeit zeigt sich erst dann. Natürlich sind auch Dinge entstanden, die man schon jetzt sehen kann. Hier steht ein neues Windrad, dort ein neues Solarsystem. Doch diese Veränderungen haben kaum einen Wert, wenn sie nicht weitergeführt werden. Ich hoffe vielmehr, dass ich einigen Menschen Probleme, neue Gedanken und Alternativen aufzeigen konnte, ohne dabei in irgendeiner Weise etwas aufzudiktieren. Und hier bin ich mir auch ziemlich sicher, dass wir zumindest den ein oder anderen erreichen konnten. Welchen Effekt dies jedoch in sich trägt ist noch einmal eine andere Frage und zeigt sich erst in der Zukunft.
Mal abgesehen von der Arbeit an der Schule ist aber in diesem Jahr unglaublich viel in Richtung Völkerverständigung passiert. Vorurteile gibt es unglaublich viele und sind natürlich. Bei sehr vielen Menschen habe ich durch das Leben in der Gesellschaft diese Vorurteile verringert und abgebaut und wenn dies nur beim Schieben der Schubkarre, bei der Feldarbeit oder bei der Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln passiert ist, was ein Weißer ja nicht macht.
Doch ich denke am Ende muss ich mir bewusst werden, dass ich um einiges mehr mitgenommen habe, als ich hier gelassen habe. Ein Verhalten, das schon unsere Vorfahren zu Kaiserzeiten hegten und auch heute noch an vielen Stellen weitergeführt wird. Trotzdem hinkt der Vergleich natürlich gewaltig, denn bei den Sachen, die ich mitgenommen habe ist es nicht so, dass die Dinge dann hier weg sind sondern sie leben nun doppelt weiter.

3. Frage: Was brauche ich jetzt für die Zukunft?
Nun kommt mit gewaltiger Rasanz ein ganz neuer Lebensabschnitt auf mich zu. Noch habe ich fast 2 Wochen hier in Tansania, aber in nicht einmal drei Wochen werde ich schon an meinem neuen Hochschulort in Delft sein und an den ersten Aktivitäten teilnehmen. Da kann es schon mal etwas mulmig im Bauch werden. Kann ich so schnell in das neue, alte Leben zurückfinden? Mich an die neuen Anforderungen anpassen? Auf was muss ich mich gefasst machen? Zeit für viele Reflexionen bleibt da nicht! Ich denke ich werde für die Anfangszeit viel Disziplin brauchen und 48 Stunden Tage. Schießlich gibt es auch so viele Leute die ich gerne wiedersehen würde und mit denen ich gerne Zeit verbringen würde. Aber ich freue mich bei all dem Stress auf die Zeit die kommt. Denn wieder bedeutet sie viel Neues.

1 Kommentar:

  1. Hallo Bastian! :)
    ich bin eben auf deinen Blog gestoßen, als ich ein bischen nach
    Freiwilligendiensten mit weltwärts geguckt habe.
    Ich mache nächstes Jahr Abi und möchte danach gerne ins Ausland gehen
    (wahrscheinlich auch über weltwärts) und bin momentan auf der Suche nach einer
    Entsendeorganisation.
    Da wollte ich dich nur mal fragen, wie deine Erfahrungen so waren und ob du
    DTP weiterempfehlen kannst.
    Hattest du eine gute Vorbereitung und Ansprechpartner, die sich um dich
    gekümmert haben?
    Und wie war das mit der Sprache(n)? Du hast doch bestimmt noch eine Landessprache neu lernen müssen,oder?
    Ich war letztes Jahr als Austauschschülerin in Brasilien und habe da
    Portugiesisch auch ohne Vorkenntnisse schnell gelernt, aber wenn man zum
    Arbeiten in ein Land geht, ist das ja nochmal anders, als wenn man jeden Tag
    in der Schule Zeit zum Sprache lernen hat...
    Wäre super nett, wenn du meine Fragen beantworten würdest ;)
    Viele Grüße und weiterhin alles Gute, Elena

    wäre super, wenn du über das kontaktfeld in meinem blog anworten würdest ;)
    www.elenainbrasilien.jimdo.de

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