Sonntag, 12. Juni 2011

Es ist soweit...

...der Basti schreibt mal wieder aus Tansania. Ich komme blogmäßig zwar noch aus der „HALBZEIT“-Pause, doch bin ich praktisch schon in der Endphase. Viel ist passiert in den drei Monaten, doch hatte ich nie diesen „Aha-das-muss-ich-jetzt-berichten“-Effekt, wie vielleicht noch im ersten halbem Jahr. Der Alltag hat sich eingeschlichen. Alles was neu war ist vertraut geworden und die Tage waren meist ausgefüllt, sodass mir die Idee eines Blogeintrags zu selten kam und wenn, dann fehlte mir das Thema. Noch verbleiben genau zwei Monate in dem Land, das ich lieb gewonnen habe, dann wartet wieder das alte, neue Leben auf mich, das ich schon fast ein wenig fürchte, aber auf das ich mich auch riesig freue. Heute will ich aber nochmal kurz von meiner letzten Reise mit vielen Fotos berichten. In den letzten drei Monaten habe ich nämlich auch meinen kompletten Jahresurlaub verbraten. Im April war ich unterwegs mit Freundin und Familie und habe versucht möglichst viele Eindrücke zu teilen. Heute schreibe ich aber von meiner letzten Reise Ende Mai.


Mein Plan war es in 2 Wochen Resturlaub Ostafrika zu bereisen und zudem hatte mich schon seit langem der Wunsch gepackt mal wieder ein Flugzeug zu besteigen. Ein Segelflugzeug war nun nicht aufzutreiben, so wurde letztendlich auf einen Motor zurückgegriffen. Lange geplant und erspart ging es so Ende Mai endlich los. Nachdem ich mit dem Bus Dar es Salaam erreicht hatte ging es am nächsten Morgen zusammen mit Lenny zum Flughafen um eine Cessna zu besteigen und einen ausgiebigen Flug über Sansibar, Tanga, Arusha, Serengeti bis Mwanza (siehe Karte) genießen zu können. Ich habe dann auch gleich am Anfang den Co-Piloten-Sessel abestaubt, sodass ich auf meine Kosten kam und endlich mal wieder einen schönen Flug genießen konnte, auch wenn mit störenden Motorgeräuschen. Bei den ganzen Zwischenlandungen wurden immer wieder Passagiere ein- und ausgeladen und ich freute mich jedes Mal über Start und Landung. Aus der Luft haben wir die beschäftigte Metropole Dar es Salaam, sowie die Traumstrände Sansibars beobachten können. Weiter ging es vorbei am höchsten Berg Afrikas, dem Kilimanjaro, Vulkanen, dem Ngorongoro Krater mit der höchsten Wildtierdichte Afrikas. In der Serengeti haben wir dann im Tiefflug die weltbekannte Wanderung der Zebras, Büffel und Antilopen beobachten können, die sich über Kilometer in Ameisenstraßen durch die Serengeti reihten, bis dann irgendwann der größte afrikanische See Lake Victoria vor uns auftauchte und wir in Mwanza landeten (Bilder siehe Dia-Show).


In Mwanza stieß Kornelius zu uns und wir haben dann am gleichen Abend noch einen Containerschiff erwischt, dessen Mannschaft bereit war uns gegen ein kleines Fahrtgeld mit bis nach Kampala zu nehmen. In mehr als 30 Stunden und mit nur einem funktionierendem Motor haben wir den Victoria See überquert. Kabinen gab es für uns nicht, sodass wir draußen auf Matratzen unterm klaren Sternenhimmel geschlafen haben. Es gab viel Zeit mit den Seebären, die sich schon morgens zum Schichtwechsel den Billigschnaps kippten, Geschichten zu erzählen, die Reise zu planen, Wäsche zu waschen und mit den vier anderen Mitreisenden aus Chile, Rumänien und Uganda Erfahrungen auszutauschen. Am Ende nach einem genialen Einparkmanöver (ala ich fahr eichfach gegen die Wand dann steh ich) war ich dann aber doch froh in Kampala zu sein und nachdem die Einreise dann auch recht einfach abgewickelt war, wurden die Taschen noch im Hostel abgeliefert, bevor es auf Sightseeingtour ging. Am Abend haben wir dann Raphael und Maresa getroffen, die auch gerade unterwegs waren und haben für den nächsten Tag eine Raftigtour auf dem Nil geplant.



Es ging dann schon früh morgens nach Jinja, dem Ort an dem der Nil aus dem Victoria See tritt. Nach einem kleinen Frühstück und Sicherheitseinweisung ging es für uns fünf ins Schlauchboot den Nil herunter. Mit Grade 5, war dies schon der anspruchsvollste Parcour, den man mit einem Schlauchboot bezwingen kann und nur eine Stufe unter dem absolutem Maximum. Und so hatten wir auf der rund 30 Km langen Tour auch absolut unseren Spaß. Ich weiß schon gar nicht mehr so genau wie oft ich aus dem Boot geschleudert wurde und unter Wassermassen begraben wurde, bevor mich die Rettungsweste wieder nach oben geschleudert hat, auf jeden Fall hatte ich jedes Mal meinen Spaß. Dazu kommt noch die unsagbar schöne Natur rund um den Nil, der noch viele Tausend Kilometer zurücklegen muss, bevor er irgendwann in Ägypten ankommt. Zur Abrundung des Tages haben wir uns dann auch noch im freien Fall im Bungee-Sprung dem Nil entgegen gestürzt. Ein besonderes Erlebnis und ein rundum gelungener Tag, den man am Abend im Bett spürte.


Nach einem weiterem Tag Kampala ging es dann im Nachtbus wieder in der alten Dreiergruppe nach Ruanda, genauer nach Kigali. Ruanda und Kigali haben mich dabei nachhaltig beeindruckt. Ruanda ist ein sehr sauberes und augenscheinlich gut organisiertes Land. Alles ist auf Fortschritt ausgerichtet. An allen Ecken wird gebaut. Es gilt als absolut sicher bei Tag und bei Nacht und die Menschen sind anders als in Tansania stolz auf ihr kleines Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte Afrikas, bei kaum Bodenschätzen. Geführt wird das kleine Land von Präsident Kagame, der seid dem schrecklichem Genozid 1994 die Macht hält und überall seine Finger drin haben zu scheint. Korruption steht unter harter Strafe und scheint es praktisch nicht zu geben. Die Geschichte des Genozids 1994 haben wir im beeindruckenden Genozidmuseum in Kigali genauer kennengelernt. Über eine Millionen Menschen sind in diesem kleinen Land auf die unmöglichsten Arten abgeschlachtet worden und alles unter den Augen der Weltöffentlichkeit und der UN. Nachdem ich das Museum verlassen habe hatte ich genug für den Tag. Es zeigte die Menschheit hat aus der Nazizeit noch nicht gelernt und Genozide sind bis heute noch möglich. Selbst in Europa während der Balkankrise oder im Vietnam haben Genozide noch in jüngerer Geschichte unglaublich viele Opfer gefordert. Das Museum ist ein beeindruckendes Mahnmal, aus dem man lernen muss.


Am späten Abend ging es dann weiter an die Kongolesische Grenze nach Gisenyi an den Kivu-See zu anderen Freiwilligen des DED. Dort haben wir in einem wunderschönen Haus direkt am See ein wenig relaxt, das Championsleague-Finale geschaut und den Sieg Barcelonas gefeiert, sowie ein wenig die in einen kongolesischen Teil (genannt Goma) und einen ruandischen Teil aufgespaltene Stadt angeschaut. In den Kongo konnten wir dabei leider nicht.


Als letztes Ziel stand Kigoma auf unserem "Plan". Kigoma, auch als Endstation bezeichnet, ist eine ruhige Stadt endlich wieder auf tansanischer Seite am Tanganiykasee und war ein schöner Endpunkt unserer Reise. Von Kigoma aus sind wir zu dem nur mit einem Boot erreichbarem Gombe Stream Nationalpark gefahren, in dem es Schimpansen gibt, die sich bei unserem Besuch leider nicht zeigten. Aber damit muss man natürlich rechnen schließlich handelt es sich nicht um einen Zoo. Die Natur und Abgeschiedenheit war dafür umso beeindruckender. Und das kristallklare Wasser des tiefsten Sees Afrikas lud beim Sonnenuntergang im Kongo zum Baden ein. Zu guter Letzt hatten wir noch einen interessanten Tag mit vielen Gesprächen beim Besuch anderer Freiwilliger an der burundischen Grenze, die dort als Krankenschwestern arbeiten. Der Gegenbesuch ist schon vereinbart. Nach 33 Stunden Busfahrt bei 2 Stunden anhalten zum Schlafen im Bus war ich dann aber auch wieder froh in meinem Mafinga und in meinem Bett zu sein.

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