Sonntag, 26. Juni 2011

Winteranfang – Zeit zum Abschied nehmen

Während auf der anderen Erdhalbkugel die Leute so langsam wieder in der Grillsaison angekommen sind und sich die Schwimmbäder wieder füllen ist bei uns auf der Südhalbkugel der Winter angebrochen. Naja so richtig Sommer und Winter gibt es hier bei uns in Äquatornähe ja nun nicht, sondern eher Trocken- und Regenzeit. Trotzdem wird mir immer bewusster, dass meine Zeit hier nun ein immer schnelleres Ende findet. Der Regen bleibt nun schon seit mehr als 2 Monaten aus. Die Landschaft ist kahl und nachts wird es wieder so kalt, dass wir das Kaminfeuer anschmeißen und uns davordrängeln. Und so kommt es auch, dass wir schon von vielen Leuten Abschied nehmen müssen. Letzte Woche sind die Schüler in die langen Sommerferien gegangen. Viele der Schüler sind unsere Freunde geworden in diesem Jahr und viele von ihnen werden wir so schnell nicht wiedersehen. So haben wir am letzten Wochenende Abschied gefeiert.

An dem Wochenende gab es gleich zwei Abschiedsfeiern. Eine für unser Erneuerbare Energien Department, unser Arbeitsumfeld des letzten Jahres und eine zweite Abschiedsfeier am Sonntag im Freundeskreis und mit dem Schülerchor. Das Highlight der Feiern war eins unserer Schweine. Schließlich hatten wir extra im letzten September zwei Ferkel gekauft, die für das Abschiedsessen dienen sollten und fleißig gefüttert. So musste jetzt schon das erste Schwein dran glauben. In Deutschland verboten haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen das Schwein bei uns Zuhause mit Verstärkung einiger erfahrener Schüler zu schlachten - dabei waren wir eigentlich die Schüler in diesem Fall. Es ging schon Samstagmorgens los, dass wir dass Schwein fachmännisch zerlegten. Dabei blieb nichts über. Nur Borsten, Hufnägel, Gallen- und Urinblase waren Abfall. Alles andere, wirklich alles andere wurde gekocht und zubereitet – selbst die Knochen. Es gab einen Topf mit Eingeweiden, einen mit dem kleingehacktem Kopf, Würste mit Gehirn und anderen Organen und eine Füßesuppe, die als besondere Delikatesse gilt. Fotos erspare ich an dieser Stelle mal dem supermarktgewöhntem Leser. Natürlich gab es aber auch richtiges Fleisch. Nachdem ich das ganze Jahr kein Schweinefleisch mehr zu Gesicht bekommen hatte (Fleisch ist hier bei uns eine absolute Seltenheit) war ich echt angetan davon, wie lecker Schweinefleisch doch sein kann. Als Extra gab es noch Pommes und Reis mit Soße. Das halbe Schwein haben wir dann noch für den Sonntag an die Seite gelegt.

Am Samstag Abend kamen also alle Schüler des Departments, sowie Mr. Maseleka. Als alle da waren wurde noch kurz gebetet und dann wurde sich aufs Büffet gestürzt. Da hatten wir dann auch einen Fehler gemacht. Wir hatten niemanden, der wie üblich das Essen austeilt, sondern jeder konnte sich einfach nehmen so viel er wollte und so kam dann auch was unvermeidlich war. Die Schüler schaufelten sich die Teller randvoll. Schnell waren die Pommes leer, dann der Reis und auch das Fleisch ging zur Neige, bis am Ende Raphael und ich fast leer ausgingen. Da hatten wir nicht mit dem riesigen Hunger der Schüler gerechnet, die sonst nur Maisbrei mit Bohnen gewöhnt sind. Naja nichtsdestotrotz haben wir unser kleines Stück Fleisch aufgegessen bevor es dann noch etwas förmlich wurde. Der Departmentsprecher übernahm die Regie und übergab das Wort erst an Mr. Maseleka, der unsere Arbeit würdigte und sich bedankte, sowie an einen der Schüler, der auch noch ein paar Worte sagte. Insgesamt war der Abend dann aber früh vorbei und als dann auch die letzten weg waren haben Rapahel und ich uns noch auf den Weg ins Dorf nach Luganga gemacht um noch etwas zu Essen zu bekommen.

Am nächsten Morgen wurden wir dann schon wieder gegen Sechs aus dem Bett geschmissen. Jetzt standen die Mädchen vom Schülerchor vor der Tür, die anfangen wollten zu Kochen und für die zweite Feier am Abend alles vorzubereiten. Uns war das nach der ganzen Arbeit am Vortag nur zu Recht und so haben die Mädchen sich um alles gekümmert. Draußen wurde noch ein großes Drei-Stein-Feuer aufgebaut auf dem in einem riesigem Topf Reis gekocht wurde, jetzt in Mengen, die wohl reichen sollten. Auch das Fleisch wurde zubereitet. Wir mussten uns also um nichts kümmern.

Am Abend dann ging es zu einem der Klassenräumen, der zu unserer Überraschung schon aufwändig mit Tüchern geschmückt war. Eine Musikanlage wurde aufgetrieben und Bongo-Flava dröhnte aus den Boxen. Es waren Tische und Stuhlreihen aufgestellt. Es gab einen Plan, wie die Feier abzulaufen hatte, wer wann Danke sagen durfte und welches Lied wann gespielt oder gesungen werden sollte. Natürlich war auch wieder Mr. Maseleka eingeladen, sowie der Pastor und einer der Kirchenältesten. Diese Art der Feiern sind typisch für Tansania. Es gibt oft einen sehr förmlichen Ablauf. So war Matthew, einer unserer Freunde Vorsitzender der Feier und führte an dem Abend immer mit Plan in der Hand durch die Feier. Raphael und ich saßen vorne an einem Tisch nur für uns zwei, genau in der Mitte. Rechts war der Ehrentisch mit Mr. Maseleka und Co. Auf der anderen Seite saßen die beiden Chefs vom Chor und vor uns die geladenen Gäste.

Uns wurde viel geboten. Zwei Schüler haben sich einen Rap ausgedacht. Drei andere eine Tanzanlage. Zwischenduch gab es mal wieder ein Lied vom Chor. Und natürlich mussten die Ehrengäste auch alle noch ein „paar“ Worte zu unserem Abschied loswerden. Dieses Mal haben wir dann auch ein wenig mehr Platz bekommen um uns zu bedanken. Am Ende kam dann das von allen langersehnte Essen und diesmal gab es auch genug für alle. Natürlich haben wir heute auch als erste bekommen und haben so doch noch ein paar schöne und echt leckere Schweinstücke abbekommen. Dann wurde auch noch ein wenig getanzt. Dabei habe ich dann auch versucht die Tanzschritte der anderen nachzumachen, bin aber doch immer wieder gescheitert und aus dem Tritt gekommen.

Insgesamt war es ein schöner Abschied. Vor allem am Sonntag war ich überrascht, was sich die Leute alles haben einfallen lassen und wie formal das Prozedere dann am war. Richtig gut fand ich die Verwertung unseres Schweins, von dem praktisch nichts über geblieben ist. Ich war nach dem Wochenende aber auch ein wenig geschafft. Jetzt kommt die letzte Zeit auf uns zu, die wir wohl so gut wie ohne Schüler verbringen werden. Den ein oder anderen sieht man dann vielleicht aber doch noch. Noch 6 Wochen, dann bin ich schon wieder Zuhause. Ein seltsamer Gedanke.

Sonntag, 12. Juni 2011

Es ist soweit...

...der Basti schreibt mal wieder aus Tansania. Ich komme blogmäßig zwar noch aus der „HALBZEIT“-Pause, doch bin ich praktisch schon in der Endphase. Viel ist passiert in den drei Monaten, doch hatte ich nie diesen „Aha-das-muss-ich-jetzt-berichten“-Effekt, wie vielleicht noch im ersten halbem Jahr. Der Alltag hat sich eingeschlichen. Alles was neu war ist vertraut geworden und die Tage waren meist ausgefüllt, sodass mir die Idee eines Blogeintrags zu selten kam und wenn, dann fehlte mir das Thema. Noch verbleiben genau zwei Monate in dem Land, das ich lieb gewonnen habe, dann wartet wieder das alte, neue Leben auf mich, das ich schon fast ein wenig fürchte, aber auf das ich mich auch riesig freue. Heute will ich aber nochmal kurz von meiner letzten Reise mit vielen Fotos berichten. In den letzten drei Monaten habe ich nämlich auch meinen kompletten Jahresurlaub verbraten. Im April war ich unterwegs mit Freundin und Familie und habe versucht möglichst viele Eindrücke zu teilen. Heute schreibe ich aber von meiner letzten Reise Ende Mai.


Mein Plan war es in 2 Wochen Resturlaub Ostafrika zu bereisen und zudem hatte mich schon seit langem der Wunsch gepackt mal wieder ein Flugzeug zu besteigen. Ein Segelflugzeug war nun nicht aufzutreiben, so wurde letztendlich auf einen Motor zurückgegriffen. Lange geplant und erspart ging es so Ende Mai endlich los. Nachdem ich mit dem Bus Dar es Salaam erreicht hatte ging es am nächsten Morgen zusammen mit Lenny zum Flughafen um eine Cessna zu besteigen und einen ausgiebigen Flug über Sansibar, Tanga, Arusha, Serengeti bis Mwanza (siehe Karte) genießen zu können. Ich habe dann auch gleich am Anfang den Co-Piloten-Sessel abestaubt, sodass ich auf meine Kosten kam und endlich mal wieder einen schönen Flug genießen konnte, auch wenn mit störenden Motorgeräuschen. Bei den ganzen Zwischenlandungen wurden immer wieder Passagiere ein- und ausgeladen und ich freute mich jedes Mal über Start und Landung. Aus der Luft haben wir die beschäftigte Metropole Dar es Salaam, sowie die Traumstrände Sansibars beobachten können. Weiter ging es vorbei am höchsten Berg Afrikas, dem Kilimanjaro, Vulkanen, dem Ngorongoro Krater mit der höchsten Wildtierdichte Afrikas. In der Serengeti haben wir dann im Tiefflug die weltbekannte Wanderung der Zebras, Büffel und Antilopen beobachten können, die sich über Kilometer in Ameisenstraßen durch die Serengeti reihten, bis dann irgendwann der größte afrikanische See Lake Victoria vor uns auftauchte und wir in Mwanza landeten (Bilder siehe Dia-Show).


In Mwanza stieß Kornelius zu uns und wir haben dann am gleichen Abend noch einen Containerschiff erwischt, dessen Mannschaft bereit war uns gegen ein kleines Fahrtgeld mit bis nach Kampala zu nehmen. In mehr als 30 Stunden und mit nur einem funktionierendem Motor haben wir den Victoria See überquert. Kabinen gab es für uns nicht, sodass wir draußen auf Matratzen unterm klaren Sternenhimmel geschlafen haben. Es gab viel Zeit mit den Seebären, die sich schon morgens zum Schichtwechsel den Billigschnaps kippten, Geschichten zu erzählen, die Reise zu planen, Wäsche zu waschen und mit den vier anderen Mitreisenden aus Chile, Rumänien und Uganda Erfahrungen auszutauschen. Am Ende nach einem genialen Einparkmanöver (ala ich fahr eichfach gegen die Wand dann steh ich) war ich dann aber doch froh in Kampala zu sein und nachdem die Einreise dann auch recht einfach abgewickelt war, wurden die Taschen noch im Hostel abgeliefert, bevor es auf Sightseeingtour ging. Am Abend haben wir dann Raphael und Maresa getroffen, die auch gerade unterwegs waren und haben für den nächsten Tag eine Raftigtour auf dem Nil geplant.



Es ging dann schon früh morgens nach Jinja, dem Ort an dem der Nil aus dem Victoria See tritt. Nach einem kleinen Frühstück und Sicherheitseinweisung ging es für uns fünf ins Schlauchboot den Nil herunter. Mit Grade 5, war dies schon der anspruchsvollste Parcour, den man mit einem Schlauchboot bezwingen kann und nur eine Stufe unter dem absolutem Maximum. Und so hatten wir auf der rund 30 Km langen Tour auch absolut unseren Spaß. Ich weiß schon gar nicht mehr so genau wie oft ich aus dem Boot geschleudert wurde und unter Wassermassen begraben wurde, bevor mich die Rettungsweste wieder nach oben geschleudert hat, auf jeden Fall hatte ich jedes Mal meinen Spaß. Dazu kommt noch die unsagbar schöne Natur rund um den Nil, der noch viele Tausend Kilometer zurücklegen muss, bevor er irgendwann in Ägypten ankommt. Zur Abrundung des Tages haben wir uns dann auch noch im freien Fall im Bungee-Sprung dem Nil entgegen gestürzt. Ein besonderes Erlebnis und ein rundum gelungener Tag, den man am Abend im Bett spürte.


Nach einem weiterem Tag Kampala ging es dann im Nachtbus wieder in der alten Dreiergruppe nach Ruanda, genauer nach Kigali. Ruanda und Kigali haben mich dabei nachhaltig beeindruckt. Ruanda ist ein sehr sauberes und augenscheinlich gut organisiertes Land. Alles ist auf Fortschritt ausgerichtet. An allen Ecken wird gebaut. Es gilt als absolut sicher bei Tag und bei Nacht und die Menschen sind anders als in Tansania stolz auf ihr kleines Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte Afrikas, bei kaum Bodenschätzen. Geführt wird das kleine Land von Präsident Kagame, der seid dem schrecklichem Genozid 1994 die Macht hält und überall seine Finger drin haben zu scheint. Korruption steht unter harter Strafe und scheint es praktisch nicht zu geben. Die Geschichte des Genozids 1994 haben wir im beeindruckenden Genozidmuseum in Kigali genauer kennengelernt. Über eine Millionen Menschen sind in diesem kleinen Land auf die unmöglichsten Arten abgeschlachtet worden und alles unter den Augen der Weltöffentlichkeit und der UN. Nachdem ich das Museum verlassen habe hatte ich genug für den Tag. Es zeigte die Menschheit hat aus der Nazizeit noch nicht gelernt und Genozide sind bis heute noch möglich. Selbst in Europa während der Balkankrise oder im Vietnam haben Genozide noch in jüngerer Geschichte unglaublich viele Opfer gefordert. Das Museum ist ein beeindruckendes Mahnmal, aus dem man lernen muss.


Am späten Abend ging es dann weiter an die Kongolesische Grenze nach Gisenyi an den Kivu-See zu anderen Freiwilligen des DED. Dort haben wir in einem wunderschönen Haus direkt am See ein wenig relaxt, das Championsleague-Finale geschaut und den Sieg Barcelonas gefeiert, sowie ein wenig die in einen kongolesischen Teil (genannt Goma) und einen ruandischen Teil aufgespaltene Stadt angeschaut. In den Kongo konnten wir dabei leider nicht.


Als letztes Ziel stand Kigoma auf unserem "Plan". Kigoma, auch als Endstation bezeichnet, ist eine ruhige Stadt endlich wieder auf tansanischer Seite am Tanganiykasee und war ein schöner Endpunkt unserer Reise. Von Kigoma aus sind wir zu dem nur mit einem Boot erreichbarem Gombe Stream Nationalpark gefahren, in dem es Schimpansen gibt, die sich bei unserem Besuch leider nicht zeigten. Aber damit muss man natürlich rechnen schließlich handelt es sich nicht um einen Zoo. Die Natur und Abgeschiedenheit war dafür umso beeindruckender. Und das kristallklare Wasser des tiefsten Sees Afrikas lud beim Sonnenuntergang im Kongo zum Baden ein. Zu guter Letzt hatten wir noch einen interessanten Tag mit vielen Gesprächen beim Besuch anderer Freiwilliger an der burundischen Grenze, die dort als Krankenschwestern arbeiten. Der Gegenbesuch ist schon vereinbart. Nach 33 Stunden Busfahrt bei 2 Stunden anhalten zum Schlafen im Bus war ich dann aber auch wieder froh in meinem Mafinga und in meinem Bett zu sein.