Mittwoch, 16. Februar 2011

Workaholic oder Faulpelz?

Das muss der geneigte Leser sich im Moment wohl fragen, wo ich mich doch schon seit einem Monat nicht mehr gemeldet habe. Zur Beruhigung ein schlechtes Gewissen ist Vorhanden. Und wahrscheinlich ist es momentan tatsächlich eine Mischung aus beidem, denn tatsächlich haben wir im letzten Monat seitdem wir vom Zwischenseminar  zurückgekehrt sind viel gemacht und in Bewegung gesetzt. Trotzdem wäre aber auch bestimmt Zeit gewesen sich mal hinzusetzen und ein paar Zeilen mit Bildern der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber irgendwas besseres findet man doch immer. Man könnte ja noch den Garten umgraben, den Schweinestall ausmisten... Aber genug der Laberei jetzt an die Fakten:

Wir kamen zurück und hier an der Schule war noch ziemlich tote Hose. Alle Schüler waren noch in den Ferien und auch Maseleka hatte sich Urlaub genommen. Die Werkstatt war also eigentlich meistens zu. Das haben wir genutzt um in der Werkstatt intensiv zu arbeiten und haben unsere Präsentationswindturbine fertiggestellt. Die Daten in aller Kürze: 1,8m Umfang und eine Maximalleistung von 350W. Die Turbine soll nur zu Präsentationszwecken dienen, deshalb ist es auch die kleinste Variante, die wir hier bauen. Wenn wir also in die Dörfer fahren, nehmen wir kurzerhand die Rotorblätter ab, packen einen kleinen zusammensteckbaren Turm ein, den wir extra dafür gebaut haben und los geht’s zusammen mit dem ganzen anderen Solar- und Ofenequipment. Außerdem ist jetzt ein richtiger etwas 9 Meter hoher Turm hier an der Schule geplant, auf dem dann die Turbine zwischen den Präsentationen stehen soll, an dem die Schüler üben können und der für Käufer als Demoobjekt stehen soll.

Dann trudelten auch die Schüler so langsam wieder ein. Am ersten Schultag waren ca. 10 Schüler aus allen Jahrgängen anwesend. Der Rest ließ und lässt sich noch Zeit – bis heute. Aber trotzdem haben wir uns schon einer neuen Aufgabe gestellt. Die Schule hat nämlich einen extremen Lehrermangel und so kommt es, dass einige Fächer einfach nicht unterrichtet werden können. Und so ist es momentan auch mit Englisch, Mathe und Physik. Deshalb hat uns der Academic Master, der die Ausbildung plant, schon realativ früh angesprochen ob wir nicht ein wenig aushelfen könnten. Anfangs kam es für uns schon gar nicht in Frage, da unser Kiswahili noch nicht ausreichend war, außerdem wollten wir natürlich auch keine Lehrkräfte überflüßig machen. Im Endeffekt haben wir uns jetzt aber dafür entschieden, da wir so schließlich den Schülern helfen können und darum sollte es gehen. So gebe ich nun einmal die Woche ein wenig Nachhilfe (Unterricht dürfen wir laut weltwärts-Regeln nicht geben) in Mathe und Physik für den ersten und den zweiten Jahrgang. Jeweils 1-1,5 Stunden pro Fach und Jahrgang. Das ist für mich schon eine ganz neue Erfahrung und ich habe erfahren dürfen, dass es ganz schön anstrengend sein kann. Nach meinen 3 Stunden, die ich dann hintereinander gemacht habe bin ich meistens erschöpfter als nach einem Tag in der Werkstatt. Trotzdem macht es Spaß, auch wenn die Unterschiede zwischen den Schülern enorm sind. Einige beherrschen nur spärlich die Grundrechenarten, andere haben keine Probleme mit Wuzeln, Potenzen oder linearen Gleichungssystemen. Grund dafür ist mit Sicherheit, dass ein Teil der Schüler nur die Grundschule besucht hat, die hier allerdings 7 Jahre geht, da nur diese kostenlos ist. Viele der Schüler haben aber schon etwas wie einen Realschulabschluss absolviert, wobei auch bei denjenigen die Unterschiede noch groß sind. Der Plan ist jetzt auf jedenfall den ersten und zweiten Jahrgang zusammenzulegen und dann nach Können in zwei neue Gruppen zu trennen.

Außerdem haben wir auch noch ein ganz anderes Themengebiet betreten. Wir wollen jetzt anfangen eine Art Schulprogramm für umliegende Schulen aufzubauen. Dafür wollen wir in Grund- und Secondary- Schulen gehen um über Klimaschutz, erneuerbare Energien und den Umgang mit Müll zu informieren. Dazu haben wir jetzt über Maseleka schon Kontakt zu einer Grundschule im Nachbardorf aufgenommen. Der Rektor ist begeistert von der Idee und hat auch gleich schon Interesse an einem Windrad angekündigt. Erstmal warten wir jetzt aber auf die Genehmigung der Schulbehörde, bevor es dann weitergeht.

Eine Dorfpräsentation haben wir auch schon wieder durchgeführt seitdem wir zurück sind. Am 2. Februar waren wir in Rungemba einem Dorf, dass nur 20 min mit dem Auto von uns entfernt ist. Dort ist immer am zweiten eines Monats ein großer Wandermarkt für alle umliegenden Dörfer, auf dem man sich Kleidung und alles mögliche andere Nützliche kaufen kann. Die Gelegenheit haben wir genutzt um möglichst vielen Leuten von erneuerbaren Energien zu erzählen. Viele Menschen kamen dadurch (die gut 4-5 Stunden die wir da waren) an unserem Stand vorbei und haben unsere Produkte bewundert und viele Fragen gestellt. Unser Windrad kam dabei auch zum Einsatz und hat für besonderes Interesse gesorgt. Solar ist bereits schon recht bekannt, aber die Möglichkeit aus Wind Strom zu erzeugen ist vielen neu und so konnten wir als Experten und weiße Publikumsmagneten gut aufklären und viele Fragen beantworten. Außerdem haben wir unserer Hühnerbande bei uns Zuhause noch Zuwaschs besorgt. Damit das mit dem regelmäßigen Frühstücksei mal endlich was wird.
Achja und außerdem haben wir momentan noch einen dritten Mzungu in Mafingam, ein Zeitarbeiter. Johannes ist seit Ende Januar bei uns in Mafinga und unterrichtet ein wenig erneuerbare Energien. Johannes studiert Bioenergie und bleibt bis Anfang März und war vor ein paar Jahren auch schon mal ein Jahr in Tansania.

Außerdem haben wir noch einen kleinen Ausflug in die Umgebung gemacht und Mufindi erkundet, so heißt die Region hier. Riesige Teeplantagen mit Affenbanden dazwischen, unglaublich große Nadelholzbestände, eine Papierfabrik, sowie einen wunderschönen See, wie ich ihn mir in Schweden vorstellen würde haben wir dabei gesehen. Hier noch ein paar Bilder im Anschluß.

Aber vorher noch eine kurze Ankündigung. Jetzt bin ich schon fast seit einem halben Jahr in Tansania. Die Zeit rennt. Da ist es mal an der Zeit einen Halbzeitbericht zu schreiben, den sollt ihr jetzt bald bekommen. Außerdem steht ein großer Termin ins Haus. Am 20. Februar sollen endlich die sehentlich erwarteten Magneten mit dem Schiff in Dar es Salaam ankommen, mit denen wir dann hoffentlich endlich richtig in die Produktion der Windturbinen einsteigen können.

Ach und unsere Farm hat wieder Zuwachs bekommen. Ich habe mir einen Stall zusammengenagelt und halte jetzt Kaninchen. 4 Stück für den Anfang mit der Hoffnung, dass es schnell mehr werden. Davon muss ich auch mal schnell Bilder nachreichen. Die Schweine sind ja auch schon was größer geworden. Seid gegrüßt.





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