Dienstag, 18. Januar 2011

Vom Zwischenseminar...

Allein das Wort Zwischenseminar hat bei mir schon so etwas wie Halbzeitstimmung geweckt, wobei es ja eigentlich noch gar nicht so weit ist. Noch mehr als 7 Monate standen vor uns, als wir uns am 4. Januar in Bagamoyo trafen. Getroffen haben wir uns, noch 15 verbliebenden Freiwilligen (leider ist zwischenzeitlich eine Freiwillige wieder nach Deutschland geflogen) zusammen mit Tanja, die als Seminarleiterin extra aus Deutschland angereist kam. Für eine knappe Woche schauten wir zurück auf unsere bereits in Tansania verbrachte Zeit, auf bereits Erlebtes und gewannen dabei Abstand von der Arbeit, sowie Anregungen und Ideen um anschließend mit Volldampf in die (fast) zweite Hälfte zu starten.


Das Seminar war eine Runde Sache, auch, da wir den Seminarplan großteils selber mit dem Austausch unserer Wünsche, Fragen, Erfahrungen und Problemen gestalten konnten. Dabei kam es, wie für unsere Gruppe üblich, oft zu langen, konstruktiven, sowie unterhaltsamen Diskussionen über Themen wie Nachhaltigkeit, dem Sinn von erneuerbaren Energien gerade in Tansania, oder über den Sinn und die Verantwortung im Zusammenhang mit Entwicklungszusammenarbeit ganz allgemein. Üblicherweise gab es für solche und viele anderen Diskussionen auch kein Seminarschluss und es wurde des Öfteren spät. Tanja hat dabei darauf geachtet, dass wir unseren eigenen Seminarplan auch einhalten und zudem Methoden und Aufwachspiele nach langen Nächten eingebracht, die das Ganze auflockerten und interessanter gestalteten.

Es blieb aber auch noch Zeit die Stadt Bagamoyo, sowie seinen langen Strand zu erkunden, Fußball zu spielen und etwas über die lange Geschichte zu lernen. Bagamoyo war nämlich der Anlaufpunkt der deutschen Kolonialbestrebungen des damaligen Deutsch-Ostafrikas, washlab auch heute noch einige Kolonialbauten, wie eine große Kirche, oder die Boma, das damalige Verwaltungsgebäude, anzuschauen sind. Außer der Kirche steht in Bagamoyo am Strand auch das erste Kreuz Ostafrikas, was auf die Missionierung damals hindeutet (was nicht bedeutet, dass es heute in Tansania keine Missionare mehr gäbe). Bagamoyo heißt darüber hinasu so viel wie schmeiß dein Herz weg, da es vormals auch der Verladeplatz von Sklaven war, da Bagamoyo das Ende einer Sklavenroute war, die am Tanganykasee begann. Die Sklaven wurden ihrerzeit oftmals erst nach Sansibar überschifft, bevors sie dann meistens in der arabischen Welt ihre Zeit als Leibeigenen fristeten. Zusammengefasst ist Bagamoyo also ein sehr geschichtsträchtiger Ort.

Leider wurde das Seminar aber auch noch von einem Zwischenfall überschattet. Eines Abends auf dem Rückweg aus der Stadt wurde Tanja in Mitten unserer Gruppe überfallen. Zwei Männer hatten es dabei auf ihre Tasche und ihr Handy abgesehen, mit dem sie gerade telefonierte. Die Männer gingen dabei sehr brutal vor und verschwanden anschließend blitzschnell im Dunkeln, ohne, dass sie jemand fassen konnte. Soetwas muss man wohl in Tansania, wie in Deutschland immer gewahr sein. Man darf daraus nur auf gar keinen Fall verallgemeinern. Schlechte Menschen gibt es nun mal leider überall.

Nichtsdestotrotz haben wir uns von diesem Schreck nicht abhalten lassen unser Seminar als eine gelungene Sache zu beenden. In mir hat der Austausch noch einmal neue Motivation und Ideen freigesetzt und ich schaue nun vorraus auf eine erfolgreiche Zeit in Mafinga.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Weihnachten und Sylvester – Mafinga und Sansibar

Nach längerer Blogabstinenz gibt es jetzt mal wieder einiges nachzuholen. Denn erst seit gestern bin ich wieder in Mafinga. In der Zwischenzeit sind Weihnachten in Mafinga, Sylvester auf Sansibar und unser Zwischenseminar in Bagamoyo vorbeigezogen. Da bleibt euch an dieser Stelle  noch nachträglich zu wünschen, dass ihr alle Weihnachten und Sylvester im deutschen Schneechaos gut verlebt habt und ein frohes neues Jahr! Damit es nicht zu viel wird berichte ich jetzt erst mal von Weihnachten in Mafinga und Sylvester auf Sansibar, bevor ich dann beim nächsten Mal vom Zwischenseminar berichte...

Weihnachten haben wir zusammen mit einigen anderen Freiwilligen in Mafinga verbracht (mehr Bilder gibt es rechts auf meinem Blog). Bevor die 9 Freiwilligen am 23. in Mafinga ankamen gab es für Raphael und mich aber noch einiges zu tun. So hatten wir die zwei Wochen vor Weihnachten durchgängig (inkl. der alltäglichen Arbeit) fast 12 Stunden am Tag gearbeitet und fielen somit abends immer ziemlich müde ins Bett. Umso froher waren wir dann, als noch in letzter Sekunde alles geschafft war und wir verdient in unseren Urlaub gehen konnten. Weihnachten haben wir dann auch sehr weihnachtlich verbracht. Wir haben uns einen Weihnachtsbaum geschlagen, Kekse gebacken, Pipi Langstrumpf geschaut, Bescherung gefeiert und der Kirchenbesuch durfte bei uns an der Schule natürlich auch nicht fehlen. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Am ersten Weihnachtstag haben wir Hühner geschlachtet und auf unserem eigens dafür gebauten Grill gegrillt. Selbst die legendäre Kälte Mafingas ließ uns nicht im Stich und so haben wir auch immer fleißig den Kamin befeuert und so ziemlich alle wärmeverwöhnten Besucher haben sich als Erinnerung an Mafinga auch einen Schnupfen mitgenommen. Insgesamt fühlte sich gerade Heiligabend schon sehr weihnachtlich an, was ich vorher nicht ganz so gedacht hätte. Nachdem wir Weihnachten also gut zusammen verbracht hatten haben wir gemeinsam noch einen Ausflug nach Iringa gemacht, bevor es dann am 28. auf die Reise nach Sansibar ging.

Auf der Busfahrt nach Dar es Salaam, von wo aus wir dann die Fähre genommen haben, ist der Mafingaexpress auch wieder seinen Ruf gerecht geworden. Und wir kamen in Dar es Salaam mit gut 6-7 Stunden Verspätung an. Gerechterweise muss man aber sagen, dass es nicht nur am Bus lag. Zwar war die Besatzung die gesamte Fahrt damit beschäftigt Kühlwasser nachzukippen, doch erst wurden wir von einem brennenden Tanklaster aufgehalten, der halb auf der Straße stand und erst über Stunden ausbrennen musste, bevor wir weiterfahren konnten. Wir saßen in sicherer Entfernung und haben Karten gespielt, als sich der Laster mit einer filmreifen Explosion verabschiedet hat. Verletzt hat sich dabei glücklicherweise niemand und es traute sich auch erst mal niemand mehr sich am brennenden Laster vorbeizuschleichen. Aber selbst als wir dann irgendwann an der Unglücksstelle vorbei waren mussten wir in Morogoro noch einen neuen Bus suchen, weil unser nicht mehr weiter wollte. Insgesamt kamen wir dann aber doch sicher in der Dar es Salaamer Rush-hour=Stillstand an und nachdem wir auch noch die geschafft hatten waren wir dann gegen Mitternacht im Mwengehaus, bevor wir dann am nächsten Morgen die Fähre nach Sansibar  genommen haben, wo wir dann auch für alles entschädigt wurden.

Sansibar ist wirklich eine traumhaft schöne Insel (mehr Bilder gibt es rechts auf meinem Blog). Angekommen wurden wir auch gleich von Said, dem Gastvater eines anderen Freiwilligen abgeholt, der für uns extra seine Familie ausquartiert hatte, damit wir bei ihm leben konnten. Zudem hat er uns auch noch ein dalla-dalla bereitgestellt, das wir nutzen konnten um gemeinsam die Insel zu erkunden. Das haben wir dann auch genutzt und waren auf einer Schnorcheltour durch Korallenriffe, im Jouzani Forest, dem letzen Stück
Regenwald in dem wir Affen beobachtet haben und auf einer Spicetour, denn für seine Gewürzvielfalt ist Sansibar bekannt. Natürlich ließen wir uns auch die Traumstrände mit Palmen, weißem Sand und türkisem Wasser nicht entgehen. Beeindruckend fand ich auch Stonetown mit seinen engen Gassen und vielen arabischen und kolonialen Bauten, direkt am Wasser gelegen. Trotzdem ist Sansibar eine Insel der Gegensätze, denn sobald man aufs Land kommt ist nichts mehr zu sehen von dem großen Tourismus in Stonetown und an den Tourismusstränden. Wahrscheinlich nicht umsonst heißt es, dass Sansibar ärmer ist als das Festland.

Für mich persönlich war Sansibar auch besonders interessant, da es kulturell nochmal ganz anders geprägt ist. Über 99% der Bevölkerung sind Muslime und zudem hat Sansibar eine ganz andere Geschichte als das Festland. Nicht zuletzt deshalb gibt es auch ein großes Bestreben eigenständig zu sein. Denn de facto gehört Sansibar zu Tansania, ist aber in sehr vielen Bereichen souverän. Auch politisch hat Sansibar wohl eine Einzelstellung. Denn soweit ich weiß hat Sansibar als einzige Demokratie der Welt seit den letzten Wahlen keine Opposition mehr. Denn die beiden großen Parteien CCM und CUF wurden per Volksentscheid dazu verpflichtet eine Koalition einzugehen. Kulturell finde ich das Leben in einer islamischen Gesellschaft sehr reizvoll und beneide darum und um das gute Essen auch ein wenig die Freiwilligen Vorort.

Sylvester haben wir aber auf einer richtigen Touristenfeier in Kendwa verbracht, wobei sich auch einige Sansibaries und Tansanier unter die Menge gemischt hatten. Wir hatten auf jeden Fall richtig Spaß und sind auch erst mit Sonnenaufgang nach einer Badeeinheit wieder aufgebrochen. Anfangs kam mir die Feier aber noch etwas befremdlich vor. Diese Art der freien Bekleidung und des Alkoholkonsums war ich einfach nicht mehr gewohnt. Und so ging es anfangs auch vielen anderen von uns. Wir haben auch schon gesagt, dass bevor wir wieder nach Deutschland fliegen wir wohl nochmal dort vorbeischauen müssten um den Kulturschock in Deutschland zu minimieren. Vielleicht wirklich keine schlechte Idee. Am 4. Januar haben wir uns dann aber auch schon mit der ersten Fähre wieder auf den Weg zum Festland gemacht, denn schon am Mittag ging das Zwischenseminar los, aber dazu mehr im nächsten Eintrag...