Sonntag, 31. Juli 2011

Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Unzählige wertvolle Erfahrungen, unvergessliche Erlebnisse und spannende Geschichten, tansanische Kultur zusammen mit etwas Ugali, eine neue Sprache... Doch was lasse ich hier? Natürlich Freunde, Bekannte, mein neues Zuhause. Aber was lasse ich hier von MIR? Und was kommt auf mich zu?

Tatsächlich fange ich heute an meine Tasche zu packen. Nicht mal mehr eine Woche bleibt mir, bis ich nächstes Wochenende nach Dar es Salaam fahre. Raphael hat diese Woche schon die Zelte abgebrochen um noch ein wenig mit seiner Familie zu reisen. Für mich bleiben noch Unmengen an Arbeit zurück, die ich heute mal versucht habe auf eine TODO-Liste zu fassen. Als das DIN-A4 Blatt voll war hatte ich keine Lust mehr weiterzuschreiben. Für heute steht Schreibarbeit auf dem Plan. Doch bei der ganzen Arbeit bleibt die gedankliche Verarbeitung von dem was momentan passiert, von dem was passiert ist und von dem was vor mir liegt ganz verloren, deshalb will ich heute mal versuchen etwas davon auf meinen Blog zu verfrachten und versuche drei Fragen in Kurzform zu beantworten ohne mich dabei auf mein altes paar Turnschuhe zu beziehen.

1. Frage: Was nehme ich mit?
Ich nehme viele neue Fähigkeiten mit, die ich auch beim Namen nennen kann. Ich bin einer neuen Sprache mächtig geworden, die für mich der Schlüssel zu Land und Leute war und mich wahrscheinlich ewig an die Verbundenheit erinnern wird. Ich habe viele handwerkliche Fähigkeiten dazugewonnen. Ich kann schweißen, diverse Metallarbeiten ausführen, habe Grundlagen der Elektrotechnik gelernt, kann autarke Windanlagen bauen, div. Solarsysteme berechnen, bauen, installieren, habe meine Fähigkeiten als Lehrer und in Präsentationen verbessert, kann Hühner, Kaninchen und Schweine schlachten, Feuer machen, eine Papaya schneiden, mit den Händen essen...
Aber viel wertvoller sind die Dinge, die ich nicht so richtig beim Namen benennen kann und die dieses Jahr auf eine gewisse Weise zum lehrreichsten Jahr meines bisherigen Lebens gemacht haben. Lehrreich aber einmal auf eine ganz andere, unschulische Art. In keinem anderen Jahr meines Lebens habe ich so viele menschlichen Dinge lernen und erfahren können wie in diesem Jahr. Ob menschlich jetzt das richtige Wort ist weiß ich nicht, aber das was ich meine ist einfach mal etwas ganz anderes als das, was man in der Schule oder in einem Buch lernen kann und unbezahlbar. Es geht um das Leben und ich glaube über das habe ich in diesem Jahr viel gelernt. Doch natürlich habe ich auch erfahren, dass „Lernen“ immer ein Prozess mit Höhen und Tiefen ist, denn auch die gab es gewiss in diesem Jahr und haben zum Erfolg beigetragen.
Ich habe eine andere Lebensweise kennengelernt, ein anderes Miteinander, eine andere Art des Arbeitens, der Familie, der Freizeit, des öffentlichen Lebens, ohne jetzt hier irgendeine Art der Wertung einzubringen und ich habe viele dieser Dinge, die keine Dinge sind auch ausprobieren können.
Viele dieser (Un-)Dinge werden mir wahrscheinlich erst klar, wenn ich zurück in Deutschland bin. Andere entdecke ich vielleicht nie und reisen unentdeckt im Gepäck mit mir, werden mich aber doch für den Rest meines Lebens mit einem gewissem Gewicht begleiten. Gewiss ist aber jetzt schon, dass ich zurückkommen werde und das Alte mit neuen Augen sehen werde. Vieles vermeintlich „deutsche/westliche“ hinterfrage ich schon jetzt immer kritischer. Ich hoffe ich falle nicht einfach zurück in das alte Leben und ein gesundes Maß an Kritik bleibt mir erhalten. Diese kurzen Röcke gehen auf jeden Fall überhaupt nicht ;-)

2. Frage: Was lasse ich hier?
Diese Frage ist doch um Längen schwerer zu beantworten als die erste, denn dafür müsste ich in die Köpfe der Leute schauen können, mit denen ich hier zu tun hatte und in die Zukunft, denn die Nachhaltigkeit meiner Arbeit zeigt sich erst dann. Natürlich sind auch Dinge entstanden, die man schon jetzt sehen kann. Hier steht ein neues Windrad, dort ein neues Solarsystem. Doch diese Veränderungen haben kaum einen Wert, wenn sie nicht weitergeführt werden. Ich hoffe vielmehr, dass ich einigen Menschen Probleme, neue Gedanken und Alternativen aufzeigen konnte, ohne dabei in irgendeiner Weise etwas aufzudiktieren. Und hier bin ich mir auch ziemlich sicher, dass wir zumindest den ein oder anderen erreichen konnten. Welchen Effekt dies jedoch in sich trägt ist noch einmal eine andere Frage und zeigt sich erst in der Zukunft.
Mal abgesehen von der Arbeit an der Schule ist aber in diesem Jahr unglaublich viel in Richtung Völkerverständigung passiert. Vorurteile gibt es unglaublich viele und sind natürlich. Bei sehr vielen Menschen habe ich durch das Leben in der Gesellschaft diese Vorurteile verringert und abgebaut und wenn dies nur beim Schieben der Schubkarre, bei der Feldarbeit oder bei der Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln passiert ist, was ein Weißer ja nicht macht.
Doch ich denke am Ende muss ich mir bewusst werden, dass ich um einiges mehr mitgenommen habe, als ich hier gelassen habe. Ein Verhalten, das schon unsere Vorfahren zu Kaiserzeiten hegten und auch heute noch an vielen Stellen weitergeführt wird. Trotzdem hinkt der Vergleich natürlich gewaltig, denn bei den Sachen, die ich mitgenommen habe ist es nicht so, dass die Dinge dann hier weg sind sondern sie leben nun doppelt weiter.

3. Frage: Was brauche ich jetzt für die Zukunft?
Nun kommt mit gewaltiger Rasanz ein ganz neuer Lebensabschnitt auf mich zu. Noch habe ich fast 2 Wochen hier in Tansania, aber in nicht einmal drei Wochen werde ich schon an meinem neuen Hochschulort in Delft sein und an den ersten Aktivitäten teilnehmen. Da kann es schon mal etwas mulmig im Bauch werden. Kann ich so schnell in das neue, alte Leben zurückfinden? Mich an die neuen Anforderungen anpassen? Auf was muss ich mich gefasst machen? Zeit für viele Reflexionen bleibt da nicht! Ich denke ich werde für die Anfangszeit viel Disziplin brauchen und 48 Stunden Tage. Schießlich gibt es auch so viele Leute die ich gerne wiedersehen würde und mit denen ich gerne Zeit verbringen würde. Aber ich freue mich bei all dem Stress auf die Zeit die kommt. Denn wieder bedeutet sie viel Neues.

Dienstag, 12. Juli 2011

Globale Erwärmung, Treibhauseffekt, CO2-Emissionen, Ressourcenschwund – ja was denn nu?

All diese Begriffe, denen in Deutschland die Menschen schon überdrüßig werden, sind in Tansania vielen Menschen noch gänzlich unbekannt. Da muss was getan werden, so dachten wir zumindest. Doch wie könnten wir möglichst viele Menschen erreichen und in Sachen Klima aufklären? Gut, da waren ja schon die alten Village Presentations, bei denen aber immer primär die tolle Technik, die unsere Schule anbietet vorgestellt wurde. Dass man damit das Klima schützt, das hatte man vielleicht noch gehört, aber warum und was das Klima überhaupt ist, das wusste man nicht so genau.

Also Aufklärung musste her und wo geht das besser als in den Schulen? Das dachten wir uns und hatten den Plan ein Programm auf die Beine zu stellen, mit dem wir an die umliegenden Schulen gehen. Nach einigem hin und her mit irgendwelchen Büros, die für die Schulen verantwortlich sind und nach komplizierten Terminplanungen mit einer Secondary School war es dann endlich soweit. Wir bekamen zwei Vormittage um knapp 300 Schülern der Luganga Secondary School die Botschaft unseres Freiwilligenjahres mit auf den Weg zu geben.
Geübt hatten wir schon ein wenig mit den Schüler des Erneuerbare Energien Departments bei uns an der Schule, nämlich auch wenn sie den Studiengang hier belegen bedeutete das noch lange nicht, dass die Schüler auch wissen, warum Erneuerbare Energien nötig sind. So sind einige unserer Schüler aus allen Wolken gefallen, als sie über die Folgen des Klimawandels und den Ressourcenschwund aufgeklärt wurden. Plötzlich wurde der Ausbildung noch ein neuer Sinn hinzugefügt.

Aber nun zurück zu unserem Schulprogramm. Wir hatten nun nicht wirklich viel Zeit um ausgiebig auf jedes einzelne Thema einzugehen. Trotzdem war es uns wichtig einen möglichst großen Überblick über die Themen zu geben. So teilten wir unser Programm in zwei Bereiche. Der eine war zum Klimawandel mit seinen Folgen, sowie zum Treibhauseffekt und die Rolle des CO2. Der zweite Bereich war zum Thema Energien und Ressourcen und speziell die Aufgabe von erneuerbaren Energien, wofür wir extra unser Solar und Windpräsentationssystem mitgebracht haben. Besonders sind wir dabei immer auf die Rolle jedes einzelnen Schülers eingegangen und haben zum Beispiel die Abholzung in Tansania zum Thema gemacht und die Fragestellung, wie jeder einzelne etwas an der Situation verändern kann. Wichtig war es uns in allen Fragen immer so anschaulich wie möglich zu erklrären und deutlich zu machen, dass wir alle in einem Boot sitzen.
Damit die Inhalte möglichst gut überkamen haben wir die Gruppen soweit geteilt wie es eben möglich war, sodass wir jeweils 2 Gruppen parallel am ersten und am zweiten Tag unterrichtet haben. 

Als näheres Beispiel bot sich der Kilimanjaro immer gut an, denn auch auf dem Kilimanjaro wird das Eis jedes Jahr dünner. Das wussten die meisten. Dazu kamen die Berichte der Alten, die da lauten: „Früher... da war es viel kälter und es regnete viel mehr“. Jaja, früher war alles besser, das kennen wir ja auch. Aber diese Aussagen zeigten, dass an diesem Klimawandel doch was dran sein muss und die Schüler begannen sich ihre Gedanken zu machen und gut zuzuhören.

Nach dem Unterricht konnte man dann auch auf dem Pausenplatz hören: „Ich werd meinen Alten überzeugen, dass wir uns ein Solarsystem holen.“ Ob es dazu wirklich kommt mag ich bezweifeln. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir in den wenigen Stunden, in denen wir zusammen waren neue Gedankengänge eröffnet haben und für eine Problematik sensibilisiert haben, über die vorher praktisch noch nicht nachgedacht wurde. Eine großer Erfolg! Ein tolles Programm. Nur schade, dass wir erst so spät damit angefangen sind. An Schulen in der Umgebung mangelt es nicht und erst recht nicht an Menschen, die immer noch rumlaufen und keine Ahnung haben, warum der Regen bald nicht mehr reichen könnte um die Ernte einzufahren. Nur verrückt, dass die Menschen hier an der Misere eigentlich so wenig anteil haben, aber wir Klimasünder trotzdem herkommen und etwas von Ressourcenschonung erzählen wollen. Trotzdem geht es uns alle was an und ich hoffe, dass unsere Nachfolger das Programm in irgendeiner Form aufnehmen können. Denn Raphael fährt am Donnerstag und für mich bleibt noch einiges zu tun, bis ich in einem Monat um diese Uhrzeit wieder im alten Bünde bin.

Sonntag, 26. Juni 2011

Winteranfang – Zeit zum Abschied nehmen

Während auf der anderen Erdhalbkugel die Leute so langsam wieder in der Grillsaison angekommen sind und sich die Schwimmbäder wieder füllen ist bei uns auf der Südhalbkugel der Winter angebrochen. Naja so richtig Sommer und Winter gibt es hier bei uns in Äquatornähe ja nun nicht, sondern eher Trocken- und Regenzeit. Trotzdem wird mir immer bewusster, dass meine Zeit hier nun ein immer schnelleres Ende findet. Der Regen bleibt nun schon seit mehr als 2 Monaten aus. Die Landschaft ist kahl und nachts wird es wieder so kalt, dass wir das Kaminfeuer anschmeißen und uns davordrängeln. Und so kommt es auch, dass wir schon von vielen Leuten Abschied nehmen müssen. Letzte Woche sind die Schüler in die langen Sommerferien gegangen. Viele der Schüler sind unsere Freunde geworden in diesem Jahr und viele von ihnen werden wir so schnell nicht wiedersehen. So haben wir am letzten Wochenende Abschied gefeiert.

An dem Wochenende gab es gleich zwei Abschiedsfeiern. Eine für unser Erneuerbare Energien Department, unser Arbeitsumfeld des letzten Jahres und eine zweite Abschiedsfeier am Sonntag im Freundeskreis und mit dem Schülerchor. Das Highlight der Feiern war eins unserer Schweine. Schließlich hatten wir extra im letzten September zwei Ferkel gekauft, die für das Abschiedsessen dienen sollten und fleißig gefüttert. So musste jetzt schon das erste Schwein dran glauben. In Deutschland verboten haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen das Schwein bei uns Zuhause mit Verstärkung einiger erfahrener Schüler zu schlachten - dabei waren wir eigentlich die Schüler in diesem Fall. Es ging schon Samstagmorgens los, dass wir dass Schwein fachmännisch zerlegten. Dabei blieb nichts über. Nur Borsten, Hufnägel, Gallen- und Urinblase waren Abfall. Alles andere, wirklich alles andere wurde gekocht und zubereitet – selbst die Knochen. Es gab einen Topf mit Eingeweiden, einen mit dem kleingehacktem Kopf, Würste mit Gehirn und anderen Organen und eine Füßesuppe, die als besondere Delikatesse gilt. Fotos erspare ich an dieser Stelle mal dem supermarktgewöhntem Leser. Natürlich gab es aber auch richtiges Fleisch. Nachdem ich das ganze Jahr kein Schweinefleisch mehr zu Gesicht bekommen hatte (Fleisch ist hier bei uns eine absolute Seltenheit) war ich echt angetan davon, wie lecker Schweinefleisch doch sein kann. Als Extra gab es noch Pommes und Reis mit Soße. Das halbe Schwein haben wir dann noch für den Sonntag an die Seite gelegt.

Am Samstag Abend kamen also alle Schüler des Departments, sowie Mr. Maseleka. Als alle da waren wurde noch kurz gebetet und dann wurde sich aufs Büffet gestürzt. Da hatten wir dann auch einen Fehler gemacht. Wir hatten niemanden, der wie üblich das Essen austeilt, sondern jeder konnte sich einfach nehmen so viel er wollte und so kam dann auch was unvermeidlich war. Die Schüler schaufelten sich die Teller randvoll. Schnell waren die Pommes leer, dann der Reis und auch das Fleisch ging zur Neige, bis am Ende Raphael und ich fast leer ausgingen. Da hatten wir nicht mit dem riesigen Hunger der Schüler gerechnet, die sonst nur Maisbrei mit Bohnen gewöhnt sind. Naja nichtsdestotrotz haben wir unser kleines Stück Fleisch aufgegessen bevor es dann noch etwas förmlich wurde. Der Departmentsprecher übernahm die Regie und übergab das Wort erst an Mr. Maseleka, der unsere Arbeit würdigte und sich bedankte, sowie an einen der Schüler, der auch noch ein paar Worte sagte. Insgesamt war der Abend dann aber früh vorbei und als dann auch die letzten weg waren haben Rapahel und ich uns noch auf den Weg ins Dorf nach Luganga gemacht um noch etwas zu Essen zu bekommen.

Am nächsten Morgen wurden wir dann schon wieder gegen Sechs aus dem Bett geschmissen. Jetzt standen die Mädchen vom Schülerchor vor der Tür, die anfangen wollten zu Kochen und für die zweite Feier am Abend alles vorzubereiten. Uns war das nach der ganzen Arbeit am Vortag nur zu Recht und so haben die Mädchen sich um alles gekümmert. Draußen wurde noch ein großes Drei-Stein-Feuer aufgebaut auf dem in einem riesigem Topf Reis gekocht wurde, jetzt in Mengen, die wohl reichen sollten. Auch das Fleisch wurde zubereitet. Wir mussten uns also um nichts kümmern.

Am Abend dann ging es zu einem der Klassenräumen, der zu unserer Überraschung schon aufwändig mit Tüchern geschmückt war. Eine Musikanlage wurde aufgetrieben und Bongo-Flava dröhnte aus den Boxen. Es waren Tische und Stuhlreihen aufgestellt. Es gab einen Plan, wie die Feier abzulaufen hatte, wer wann Danke sagen durfte und welches Lied wann gespielt oder gesungen werden sollte. Natürlich war auch wieder Mr. Maseleka eingeladen, sowie der Pastor und einer der Kirchenältesten. Diese Art der Feiern sind typisch für Tansania. Es gibt oft einen sehr förmlichen Ablauf. So war Matthew, einer unserer Freunde Vorsitzender der Feier und führte an dem Abend immer mit Plan in der Hand durch die Feier. Raphael und ich saßen vorne an einem Tisch nur für uns zwei, genau in der Mitte. Rechts war der Ehrentisch mit Mr. Maseleka und Co. Auf der anderen Seite saßen die beiden Chefs vom Chor und vor uns die geladenen Gäste.

Uns wurde viel geboten. Zwei Schüler haben sich einen Rap ausgedacht. Drei andere eine Tanzanlage. Zwischenduch gab es mal wieder ein Lied vom Chor. Und natürlich mussten die Ehrengäste auch alle noch ein „paar“ Worte zu unserem Abschied loswerden. Dieses Mal haben wir dann auch ein wenig mehr Platz bekommen um uns zu bedanken. Am Ende kam dann das von allen langersehnte Essen und diesmal gab es auch genug für alle. Natürlich haben wir heute auch als erste bekommen und haben so doch noch ein paar schöne und echt leckere Schweinstücke abbekommen. Dann wurde auch noch ein wenig getanzt. Dabei habe ich dann auch versucht die Tanzschritte der anderen nachzumachen, bin aber doch immer wieder gescheitert und aus dem Tritt gekommen.

Insgesamt war es ein schöner Abschied. Vor allem am Sonntag war ich überrascht, was sich die Leute alles haben einfallen lassen und wie formal das Prozedere dann am war. Richtig gut fand ich die Verwertung unseres Schweins, von dem praktisch nichts über geblieben ist. Ich war nach dem Wochenende aber auch ein wenig geschafft. Jetzt kommt die letzte Zeit auf uns zu, die wir wohl so gut wie ohne Schüler verbringen werden. Den ein oder anderen sieht man dann vielleicht aber doch noch. Noch 6 Wochen, dann bin ich schon wieder Zuhause. Ein seltsamer Gedanke.

Sonntag, 12. Juni 2011

Es ist soweit...

...der Basti schreibt mal wieder aus Tansania. Ich komme blogmäßig zwar noch aus der „HALBZEIT“-Pause, doch bin ich praktisch schon in der Endphase. Viel ist passiert in den drei Monaten, doch hatte ich nie diesen „Aha-das-muss-ich-jetzt-berichten“-Effekt, wie vielleicht noch im ersten halbem Jahr. Der Alltag hat sich eingeschlichen. Alles was neu war ist vertraut geworden und die Tage waren meist ausgefüllt, sodass mir die Idee eines Blogeintrags zu selten kam und wenn, dann fehlte mir das Thema. Noch verbleiben genau zwei Monate in dem Land, das ich lieb gewonnen habe, dann wartet wieder das alte, neue Leben auf mich, das ich schon fast ein wenig fürchte, aber auf das ich mich auch riesig freue. Heute will ich aber nochmal kurz von meiner letzten Reise mit vielen Fotos berichten. In den letzten drei Monaten habe ich nämlich auch meinen kompletten Jahresurlaub verbraten. Im April war ich unterwegs mit Freundin und Familie und habe versucht möglichst viele Eindrücke zu teilen. Heute schreibe ich aber von meiner letzten Reise Ende Mai.


Mein Plan war es in 2 Wochen Resturlaub Ostafrika zu bereisen und zudem hatte mich schon seit langem der Wunsch gepackt mal wieder ein Flugzeug zu besteigen. Ein Segelflugzeug war nun nicht aufzutreiben, so wurde letztendlich auf einen Motor zurückgegriffen. Lange geplant und erspart ging es so Ende Mai endlich los. Nachdem ich mit dem Bus Dar es Salaam erreicht hatte ging es am nächsten Morgen zusammen mit Lenny zum Flughafen um eine Cessna zu besteigen und einen ausgiebigen Flug über Sansibar, Tanga, Arusha, Serengeti bis Mwanza (siehe Karte) genießen zu können. Ich habe dann auch gleich am Anfang den Co-Piloten-Sessel abestaubt, sodass ich auf meine Kosten kam und endlich mal wieder einen schönen Flug genießen konnte, auch wenn mit störenden Motorgeräuschen. Bei den ganzen Zwischenlandungen wurden immer wieder Passagiere ein- und ausgeladen und ich freute mich jedes Mal über Start und Landung. Aus der Luft haben wir die beschäftigte Metropole Dar es Salaam, sowie die Traumstrände Sansibars beobachten können. Weiter ging es vorbei am höchsten Berg Afrikas, dem Kilimanjaro, Vulkanen, dem Ngorongoro Krater mit der höchsten Wildtierdichte Afrikas. In der Serengeti haben wir dann im Tiefflug die weltbekannte Wanderung der Zebras, Büffel und Antilopen beobachten können, die sich über Kilometer in Ameisenstraßen durch die Serengeti reihten, bis dann irgendwann der größte afrikanische See Lake Victoria vor uns auftauchte und wir in Mwanza landeten (Bilder siehe Dia-Show).


In Mwanza stieß Kornelius zu uns und wir haben dann am gleichen Abend noch einen Containerschiff erwischt, dessen Mannschaft bereit war uns gegen ein kleines Fahrtgeld mit bis nach Kampala zu nehmen. In mehr als 30 Stunden und mit nur einem funktionierendem Motor haben wir den Victoria See überquert. Kabinen gab es für uns nicht, sodass wir draußen auf Matratzen unterm klaren Sternenhimmel geschlafen haben. Es gab viel Zeit mit den Seebären, die sich schon morgens zum Schichtwechsel den Billigschnaps kippten, Geschichten zu erzählen, die Reise zu planen, Wäsche zu waschen und mit den vier anderen Mitreisenden aus Chile, Rumänien und Uganda Erfahrungen auszutauschen. Am Ende nach einem genialen Einparkmanöver (ala ich fahr eichfach gegen die Wand dann steh ich) war ich dann aber doch froh in Kampala zu sein und nachdem die Einreise dann auch recht einfach abgewickelt war, wurden die Taschen noch im Hostel abgeliefert, bevor es auf Sightseeingtour ging. Am Abend haben wir dann Raphael und Maresa getroffen, die auch gerade unterwegs waren und haben für den nächsten Tag eine Raftigtour auf dem Nil geplant.



Es ging dann schon früh morgens nach Jinja, dem Ort an dem der Nil aus dem Victoria See tritt. Nach einem kleinen Frühstück und Sicherheitseinweisung ging es für uns fünf ins Schlauchboot den Nil herunter. Mit Grade 5, war dies schon der anspruchsvollste Parcour, den man mit einem Schlauchboot bezwingen kann und nur eine Stufe unter dem absolutem Maximum. Und so hatten wir auf der rund 30 Km langen Tour auch absolut unseren Spaß. Ich weiß schon gar nicht mehr so genau wie oft ich aus dem Boot geschleudert wurde und unter Wassermassen begraben wurde, bevor mich die Rettungsweste wieder nach oben geschleudert hat, auf jeden Fall hatte ich jedes Mal meinen Spaß. Dazu kommt noch die unsagbar schöne Natur rund um den Nil, der noch viele Tausend Kilometer zurücklegen muss, bevor er irgendwann in Ägypten ankommt. Zur Abrundung des Tages haben wir uns dann auch noch im freien Fall im Bungee-Sprung dem Nil entgegen gestürzt. Ein besonderes Erlebnis und ein rundum gelungener Tag, den man am Abend im Bett spürte.


Nach einem weiterem Tag Kampala ging es dann im Nachtbus wieder in der alten Dreiergruppe nach Ruanda, genauer nach Kigali. Ruanda und Kigali haben mich dabei nachhaltig beeindruckt. Ruanda ist ein sehr sauberes und augenscheinlich gut organisiertes Land. Alles ist auf Fortschritt ausgerichtet. An allen Ecken wird gebaut. Es gilt als absolut sicher bei Tag und bei Nacht und die Menschen sind anders als in Tansania stolz auf ihr kleines Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte Afrikas, bei kaum Bodenschätzen. Geführt wird das kleine Land von Präsident Kagame, der seid dem schrecklichem Genozid 1994 die Macht hält und überall seine Finger drin haben zu scheint. Korruption steht unter harter Strafe und scheint es praktisch nicht zu geben. Die Geschichte des Genozids 1994 haben wir im beeindruckenden Genozidmuseum in Kigali genauer kennengelernt. Über eine Millionen Menschen sind in diesem kleinen Land auf die unmöglichsten Arten abgeschlachtet worden und alles unter den Augen der Weltöffentlichkeit und der UN. Nachdem ich das Museum verlassen habe hatte ich genug für den Tag. Es zeigte die Menschheit hat aus der Nazizeit noch nicht gelernt und Genozide sind bis heute noch möglich. Selbst in Europa während der Balkankrise oder im Vietnam haben Genozide noch in jüngerer Geschichte unglaublich viele Opfer gefordert. Das Museum ist ein beeindruckendes Mahnmal, aus dem man lernen muss.


Am späten Abend ging es dann weiter an die Kongolesische Grenze nach Gisenyi an den Kivu-See zu anderen Freiwilligen des DED. Dort haben wir in einem wunderschönen Haus direkt am See ein wenig relaxt, das Championsleague-Finale geschaut und den Sieg Barcelonas gefeiert, sowie ein wenig die in einen kongolesischen Teil (genannt Goma) und einen ruandischen Teil aufgespaltene Stadt angeschaut. In den Kongo konnten wir dabei leider nicht.


Als letztes Ziel stand Kigoma auf unserem "Plan". Kigoma, auch als Endstation bezeichnet, ist eine ruhige Stadt endlich wieder auf tansanischer Seite am Tanganiykasee und war ein schöner Endpunkt unserer Reise. Von Kigoma aus sind wir zu dem nur mit einem Boot erreichbarem Gombe Stream Nationalpark gefahren, in dem es Schimpansen gibt, die sich bei unserem Besuch leider nicht zeigten. Aber damit muss man natürlich rechnen schließlich handelt es sich nicht um einen Zoo. Die Natur und Abgeschiedenheit war dafür umso beeindruckender. Und das kristallklare Wasser des tiefsten Sees Afrikas lud beim Sonnenuntergang im Kongo zum Baden ein. Zu guter Letzt hatten wir noch einen interessanten Tag mit vielen Gesprächen beim Besuch anderer Freiwilliger an der burundischen Grenze, die dort als Krankenschwestern arbeiten. Der Gegenbesuch ist schon vereinbart. Nach 33 Stunden Busfahrt bei 2 Stunden anhalten zum Schlafen im Bus war ich dann aber auch wieder froh in meinem Mafinga und in meinem Bett zu sein.

Donnerstag, 10. März 2011

HALBZEIT!

Eigentlich bin ich über die Anfangsphase der zweiten Hälfte schon wieder hinweg, dennoch möchte ich an dieser Stelle mal etwas resümieren. Und mit dem Resümee möchte ich versuchen kritisch, realistisch und möglichst reflektiert das Geschaffte und Erlebte zusammenzufassen und teilweise für mich zu bewerten, sowie anstehende Aufgaben und Unternehmungen anzukündigen. Dabei will ich diesmal auch ein größeres Augenmerk auf die Arbeit richten, denn wie ihr wahrscheinlich bemerkt habt, habe ich gerade in letzter Zeit doch meistens von Freizeitaktivitäten berichtet. Das liegt daran, dass es sich davon einfacher berichten lässt, denn die Erfahrungen sind meist gut und es gibt die passenden Bilder dazu. Gerade bei der Arbeit sind die Zusammenhänge meist komplex und langwirrig, warum was, wie läuft ist nur schwer so zu erklären, dass eventuelle Vorurteile nicht bestärkt oder gar geschaffen werden und nicht selten entzieht es sich auch einfach meinem Vorstellungsvermögen, welche Gedanken und Gründe hinter einzelnen Gegebenheiten stecken. Ich denke da stecken dann auch einfach Kulturunterschiede, die man in einem halben Jahr nicht verstehen kann, wer weiß ob überhaupt irgendwann!? Aber ich schweife ab. Da ich gemerkt habe, dass es doch viel zu schreiben gibt, mach ich aus meinem Halbzeitbericht eine Triologie, die trotzdem noch drei lange Teile beinhalten wird. Also nur etwas für wirklich interessierte. Heute starte ich mit:

Arbeit, Arbeit...

Achtung: Da ich hier auch vermehrt eigenen Bewertungen schreibe möchte ich nochmal auf die Subjektivität meiner Einträge verweisen. Alles was ich schreibe ist das was ich wahrnehme und darüber denke. Jemand anders könnte es ganz anders sehen. Deshalb auf keinen Fall als allgemeingültig ansehen!

Wo beginn ich bei der Arbeit? Die Seminare und Kurse, dich ich vor Beginn meines Aufenthalts genossen habe lasse ich an dieser Stelle mal weg und starte mit unserem Seminar zum Windradbau in Dar es Salaam in meinem ersten Tansaniamonat:

Das Seminar Anfang September letzen Jahres, das wir zusammen mit unserem Chef Willfried Nyambulapi und dem Techniker Jonathan Kisukuli besucht haben, hat uns für unsere Arbeit in Mafinga schon jetzt sehr geholfen. Nach den drei Wochen waren wir bereits in der Lage Windturbinen zu konstruieren und haben darüber hinaus viele theoretische Grundlagen, sowie Kontakte mitnehmen können.

Auf der anderen Seite habe ich aber schon hier gemerkt, dass unsere Stellung und unsere Arbeit in Tansania eine andere sein würde, als wie ich es aus Deutschland gewohnt war. In unseren Kleingruppen beim Seminar, zwischen Ingenieuren und Handwerkern, kam uns von Anfang an eine Leiterrolle zuteil, die wir gar nicht tragen wollten. Zum einen war ich schließlich wie alle anderen auch beim Seminar um selbst den Bau zu LERNEN und zum Anderen war es nie meine Absicht die Kolonialrolle des bestimmenden und allwissenden Weißen zu übernehmen. So stand ich schon in meiner zweiten Woche in Tansania vor einem kleinen Dilemma, denn oftmals fiel es mir wirklich leichter die englische Anleitung zu verstehen und zudem wurde von mir erwartet, dass ich etwas sage, oder zumindest absegne, bevor es dann ans Werk gehen konnte. Zum Teil habe ich mich mit der Angabe „Ich habe gerade keine Ahnung was zu machen ist“ versucht aus der Affäre zu ziehen, aber zu oft fehlte es mir einfach an Geduld abzuwarten, bis ich bei einer Entscheidung übergangen werde und so habe ich oft doch gesagt „Lasst es uns so machen.“

Warum oftmals dieses Bild vom allwissenden, reichen, fleißigen, ein wenig überspitzt gesagt, unfehlbaren Weißen besteht finde ich ist eine gute und berechtigte Frage, die mich seit meiner zweiten Woche beschäftigt. Denn dieses Bild habe ich bisher sehr oft wiedergefunden und hat meiner Meinung und Erfahrung nach einen großen Einfluss auf das Selbstbewusstsein vieler Tansanier. Die Gründe dafür sind mit Sicherheit vielfältig und nicht einfach auf den Punkt zubringen. Die Anfänge liegen bestimmt auch schon in der Kolonialzeit, aber ich möchte mich auf das Heute beschränken, denn daran ist noch am ehesten was zu ändern.

(Achtung, jetzt kommt MEINE teilweise verallgemeinerte Erfahrung, Einschätzung, Meinung)


Wenn ich mir das Auftreten vieler Weißer hier anschaue fällt doch meistens auf, dass es doch einerseits die Touristen sind, die mit viel Geld nach Tansania kommen, mit einem großen Auto oder gar Flugzeug ein paar Nationalparks abklappern um dann auf Sansibar auszuspannen, die das Bild vermitteln, dass man weiß sein muss um soviel Geld haben zu können, schließlich kann sich ein Tansanier das niemals leisten. Oder eben auf der anderen Seite sind es sogenannte Missionare, Experten oder Entwicklungshelfer, die schon mit dem Selbsverständnis kommen, dass sie, die gut gebildeten und aus der „ersten Welt“ kommenden, den armen Tansaniern helfen müssen, Geschenke machen und Lehrer, Pastoren oder Ärzte sind.

Was für ein Bild muss dann hier hängen bleiben? Das Bild, dass die Wazungu alle mehr auf dem Kasten haben als die Tansanier, schließlich sieht man nie Bettler oder arme Weiße, zudem hört man gibt es da drüben sogar Geld, wenn man nicht arbeitet. Die gezogene Konsequenz, die ich nun schon oft gehört habe und immer wieder lange Diskussionen mit sich bringt ist ganz einfach: Die Hautfarbe ist schuld. Eine wie ich finde verheerende Erkenntnis, denn wenn man sich mit dieser gezogenen Konsequenz einfach seinem „Schicksal“ ergibt kann es kein heraus geben. Es entsteht eine Nehmerhaltung, kein Ansporn bzw. geradezu Angst davor in den Wettbewerb zu treten, schließlich hat man als Tansanier sowieso keine Chance, denn man hat die falschen Gene. Ein Teufelskreis, in dem man sich auch ausruhen kann und mit dem man sich gut entschuldigen kann. Das Schicksal hat geurteilt, ich bin schwarz, ich kann nichts tun. Dass diese Erkenntnis falsch ist brauche ich an dieser Stelle glaube ich nicht sagen und es gibt glücklicherweise auch genügend Gegenbeispiele, die mich daran immer wieder erinnern und die es gilt in ihrer Vorbildrolle zu stärken. Ein Thema, dass mich immer wieder wütend macht. An dieser Stelle glaube ich greift das System weltwärtsKiswahili. Ein Geben und Nehmen. Natürlich nicht immer, aber doch oft, so hoffe ich zumindest. Leider gibt es auch die puren Abenteurer und Partyfreiwilligen, die viel kaputt machen können. Aber jetzt kehre ich wieder zurück zum Seminar...

Ingesamt denke ich, dass das Seminar Raphael und mir viel gebracht hat und wir viel mitnehmen konnten. Jedoch denke ich, dass viele (nicht alle) tansanische Teilnehmer aufgrund der Sprachbarriere (das Seminar war komplett auf Englisch) nicht das nötige Know-How mitnehmen konnten um jetzt selbstständig Windturbinen zu bauen. Das finde ich sehr schade, zumal alle sehr fähige Handwerker waren, soweit ich das einschätzen kann. Auch von W. Nyambulapi und J. Kisukuli fiel die Ausbeute wohl eher durchschnittlich aus. W.Nyambulapi war auch schon vorher in der Lage die Windräder zu bauen und konnte vielleicht noch ein paar Anregungen mitnehmen. J. Kisukuli, so denke ich, konnte von der Theorie nicht viel mitnehmen, da es am Englischen fehlt, aber dafür handwerklich einiges ausprobieren und lernen. Zum selbstständigen Bau reicht es aber nicht.

Nach dem Seminar, in der Anfangszeit in Mafinga haben wir versucht uns einzuleben und nicht gleich irgendetwas aus dem Boden zu stampfen. Wir haben an den täglichen Arbeiten in der Werkstatt teilgenommen. Dabei haben wir viel mit Metall gearbeitet und das Schweißen gelernt. In der Anfangszeit haben wir so einige Solartankheater gebaut, die zu Wassererhitzung dienen. Die Arbeiten in der Werkstatt machen mir bis heute riesen Spaß und ich konnte für mich schon viel dabei lernen. Trotzdem steht immer die Frage im Raum, inwieweit man durch sein Mitwirken Arbeitsplätze gefährdet oder wegnimmt. In der Anfangszeit stellte sich diese Frage noch weniger, schließlich waren wir erst mehr Last als Hilfe, doch mehr und mehr arbeiteten wir selbstständig und übernahmen Arbeiten, sodass sich die Frage nach der Richtigkeit immer mehr stellte. Unsere Antwort darauf etwas später.

Dazu aber erstmal die Situation im Erneuerbare Energien (RE) Department: Es sind momentan drei Leute angestellt. Zum einen ist das Willfried Nyambulapi als jahrelanger und erfahrener Techniker und frischgebackener Leiter. Außerdem Erick Lugala, ebenfalls erfahrener Techniker und seit letztem Jahr Lehrer für EE. Und zu guter Letzt Jonathan Kisukuli, der ebenfalls als begabter Techniker für anfallende Arbeiten da ist. Außerdem ist der Rektor Mr. Maseleka als ehemaliger Leiter immer noch in viele Dinge involviert und unterrichtet auch. Alle drei Angestellten haben bereits hier am Department gelernt. Nun ist die Situation so, dass die Beteiligung in der Werkstatt durchaus oft zu wünschen übrig lässt. In der Anfangszeit war es J. Kisukuli, mit dem wir jeden Tag in der Werkstatt waren. Die anderen haben sich nur selten blicken lassen. Da wir aber noch nicht so sehr in den Abläufen waren haben wir uns dabei noch nicht so viel gedacht. Dann als Kisukuli im November in eine lange Auszeit zum Feld bestellen und wie er sagte Kinder erziehen ging, waren wir plötzlich alleine in der Werkstatt und haben Produktionsaufgaben komplett übernommen. Mehr und mehr wurde uns klar, dass wir von dem Geld, dass durch den Verkauf der Produkte reinkam, die Löhne der anderen drei bezahlt würden und wir deren Arbeiten übernehmen.

Die wirklichen Gründe für die bis heute oft schwache Beteiligung in der Werkstatt sind mir immer noch schleierhaft. Es kamen Begründungen, wie dass die Löhne nicht bezahlt werden konnten (Wovon auch?), die organisatorischen Strukturen in der Schule keine richtige Arbeit zuließen u.Ä., die die Motivation stark drückten. Es wurde oftmals also das eigene Feld in der Arbeitszeit bestellt oder anderes gemacht um sein Auskommen zu sichern. Das finde ich ist irgendwo auch zu verstehen, wenn es wirklich mal 1-2 Monate kein Geld von der Schule gibt, trotzdem sollte doch die Motivation sein das Department zu stärken um im Endeffekt die Löhne zahlen zu können, so denke ich zumindest. Manchmal glaube ich aber auch nach Berichten von vorigen Jahrgängen, dass die Bemühungen der letzten Jahre einfach zu oft nicht ausreichend belohnt wurden, sodass man einfach kein Vertrauen mehr hat. Die Begründung, dass der Fleißige oft für die Faulen arbeitet und nachher selber nichts mehr hat kann ich auch verstehen. Wie gesagt, das sind alles Mutmaßungen, die wirklichen Gründe oder Bestätigungen für meine Vermutungen werde ich wohl nicht mehr bekommen.
Es ist aber nun nicht so, dass nur wir arbeiten würden. Erik Lugala z.B. kümmert sich mittlerweile wirklich gut um die praktischen Belange der Schüler und beschäftigt und schult gut und auch Nyambulapi kümmert sich als Leiter um Budgets, Kunden und hat ab und zu mal ein Auge auf die Arbeiten in der Werkstatt.

Nun aber zurück zu der Frage, wie wir uns verhalten wollen. Nehmen wir nun Arbeitsplätze? Vielleicht. Aber deshalb haben wir uns mittlerweile aus der Standardproduktion von Öfen und Solartankheatern komplett zurückgezogen, auch wenn wir dafür gerne eingeplant werden. Wir haben uns in der Werkstatt voll und ganz auf die Windräder spezialisiert und versuchen hier etwas anzutreiben, denn aus Eigeninitiative passiert momentan in die Richtung leider nicht viel. Doch bevor wir uns nur hinsetzen haben wir uns gesagt: Hängen wir uns lieber ein wenig mehr dahinter und versuchen somit die anderen Techniker und Schüler mit ins Boot zu nehmen. Ob der Weg richtig ist wissen wir nicht und werden wir vielleicht in ein paar Jahren sehen, wenn wir wissen was aus den Windrädern geworden ist, ob unsere Arbeit nachhaltig war, denn das sollte das Ziel sein. Eigentlich ist die Zielgabe Eigeninitiative von Tansaniern zu unterstützen, aber wenn keine kommt - abwarten!? Das wäre die Alternative, die teilweise auch schon in der Vergangenheit gefahren wurde. Die Rückmeldung heute geht von Faullenzern bishin zu Streitigkeiten. Diese Aussagen über Vorgänger haben ihnen in ihren Bestrebungen bestimmt nicht geholfen und wir sehen, dass das Warten auf Eigeninitiative bis heute auch noch wenig Früchte getragen hat. Also versuchen wir es auf einem anderen Weg. Ein Experiment. Der Ausgang ist ungewiss. Vielleicht sind die Folgen sogar negativ und führen in größere Nehmerhaltung, vielleicht ist es von uns nur Aktionismus. Aber wir denken uns auch, wenn unsere Arbeit vielleicht schon nicht der Schule hilft, dann doch bitte zumindest bei den Schülern und denjenigen, die in den Dörfern dann von einem Windrad mit Strom versorgt werden, oder generell bei der Verbreitung und Bekanntmachung von erneuerbaren Energien. Wie gesagt die Richtigkeit, wenn es soetwas überhaupt gibt, ist auch für uns fraglich. Für uns ist es aber momentan logisch der beste Weg.

Im Zusammenhang mit den Windrädern steht auch die nicht enden wollende Geschichte der Magneten, um die sich schon die vorigen Jahrgänge vergeblich gekümmert haben und um die wir uns jetzt auch schon seit Beginn kümmern. Wir haben eine Großbestellung in China aufgegeben, die endlich letztes Wochenende in Dar es Salaam angekommen sein soll. Nun muss das Schiff noch entladen und das Paket freigegeben werden, dann können wir es hoffentlich endlich in Empfang nehmen. Wenn es dann noch die richtigen Magneten sind erhoffe ich mir einen neuen Schub für die Windradproduktion, die jetzt dringend auf die Magneten wartet, die schon für Anfang Januar eingeplant waren und zum Generatorenbau notwendig sind.

Außerdem haben wir erreicht, dass wir endlich einen richtigen Windradturm an einem zentralen Ort der Schule bauen. Die Fundamente sind jetzt fertig gegossen. Der Turm soll überwiegend Vorführunszwecken dienen und weniger der Stromerzeugung und darüber hinaus den Schüern zur Übung helfen. Zwischen den Village Presentations soll hier die Vorführturbine laufen.

Ein kleines Windrad zu Vorführungszwecken ist auch bereits im Einsatz und sorgt immer für viel Publikum. Ein zweites zum Verkauf wartet nun auf die Magneten um es fertigzustellen.

Wie ihr seht können wir unsere Arbeit sehr frei einteilen. Wir sind praktisch fast komplett dafür verantwortlich was wir tun. Wenn wir nichts tun würden würde das wahrscheinlich auch gehen. Unsere Stellung an der Schule als Freiwillige ist schon eine ganz besondere. So wird uns nur selten eine Bitte ausgeschlagen. Alle sind sehr Hilfsbereit und auch beim Thema Geld für Materialien kommen wir meistens an unser Ziel, wenn auch oft mit Verzögerung.

Nun sind die Windräder aber nicht unsere einzige Aufgabe. Wir haben es uns auch zum Ziel gesetzt mehr und mehr aus der Werkstatt herauszukommen und so sind wir zum Beispiel angefangen den Schülern in Englisch und Physik zu helfen, weil es dafür momentan keine Lehrer gibt. Dafür gehen mittlerweile pro Woche zwei Vormittage plus Vor- und Nachbereitung drauf. Das Lernen mit den Schülern macht mir viel Spaß und es wird auch immer effektiver, da man sich aneinander gewöhnt. Auch hier besteht die Gefahr, dass ein Problem erstmal herausgeschoben wird, schließlich gibt es auch jetzt noch keine Lehrer für die beiden Fächer und wir decken den Mangel zumindest vorerst. Auf der anderen Seite können wir so den Schülern helfen und darum geht es und momentan vorrangig.



Außerdem ist eine andere große Aufgabe die Präsentation von erneuerbaren Energien und unseren Produkten in abgelegegen Dörfern ohne Strom, die sogenannten Village Presentations (kurz VP). Dafür haben wir am Anfang des Jahres einen Plan aufgestellt mit 10 Präsentationen, der bisher auch soweit erfüllt wurde. Darauf bin ich schon sehr stolz, denn gerade in der Vergangenheit haperte es aus verschiedenen Gründen oft an der Ausführung. Die VPs machen immer viel Spaß, da man vielen interessierten Menschen eine tolle Sache näher bringen kann und in Kontakt kommt. Ich bin davon überzeugt, dass die VPs, auch wenn bisher dabei noch nicht viel verkauft wurde, viele positive Auswirkungen haben. Von Bekanntmachung der Technologien, über Umweltbewusstsein stärken bishin zur Völkerverständigung. Bei der letzten VP haben wir auch endlich einen festen Interessenten für ein Windrad gefunden. Mehr darüber findet ihr in einem anderen Eintrag zu dem Thema.

Soviel nun zum aktuellen Stand. Wir haben uns aber auch noch viel für die Restzeit vorgenommen:

Zum einen wollen wir eine Art Schulprogramm starten und an umliegende Grund- und weiterführende Schulen gehen um von Klimaschutz, Umweltverschmutzung, Umgang mit Müll und erneuerbaren Energien zu reden. Dafür warten wir momentan auf die Antwort der Schulbehörde. Kontakte zu Schulen sind geknüpft.

Weiter planen wir noch einen großen Aktionstag in Mafinga selber um die Schule und unsere Produkte zu promoten und mal richtig an die Öffentlichkeit zu gehen.

Außerdem gibt es einen Showroom, in Mafinga, um den es immer noch einiges hin und her gibt und für den die Zuständigkeiten sehr schlecht geregelt sind. Den zu stärken und der Öffentlichkeit näher zu bringen wäre mit Sicherheit auch ein gutes Ziel, das aber auch schon seit Jahren von Freiwilligen nicht erreicht wurde.

Neu hinzu gekommen ist die Idee ein Seminar für ehemalige RE-Absolventen zu machen. Das Ganze ist jetzt für Juni angesetzt und bedeutet noch eine Menge Arbeit. Eventuell wollen wir das Seminar auch mit einem Kurs für Windräder verbinden.

Eine richtige Windradproduktion anzuregen ist auch weiterhin unser großes Ziel. Dafür hoffen wir dann, dass die Magneten ein Schub geben, denn die mussten bisher oft als Ausrede herhalten.


So jetzt habe ich aber wirklich viel geschrieben und bestimmt noch viel vergessen. Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass alles hier meine persönlichen Erfahrungen und Meinungen sind und auf keinen Fall verallgemeinert werden sollten.

Beim nächsten Teil meiner Trilogie geht es dann weiter mit meinem after-work Leben in Mafinga.

Dienstag, 22. Februar 2011

Bergfest auf Mt. Rungwe

Am 19. August letzten Jahres habe ich das letzte Mal deutschen Boden berührt, danach ging es für mich los nach Tansania, wo neue Erfahrungen auf mich warten sollten und wo ich jetzt schon ziemlich genau ein halbes Jahr lebe. Doch bevor ich jetzt anfange ein Halbzeitresümee zu ziehen will ich erstmal berichten, wie ich mein Bergfest verbracht habe und verschiebe das mit dem Resümee auf den nächsten Eintrag.

Am letzten Wochenende haben wir uns nämlich aufgemacht nach Tukuyu um mal wieder eins unserer mittlerweile etablierten „Süd-Connection-Treffen“ mit den Kyela-Freiwilligen (kurz Kyelaboys) Jan und Jonas abzuhalten. Zur Erinnerung in der Vergangenheit waren wir schon zusammen am Lake Nyasa und im Ruaha Nationalpark. Diesmal war aber Tukuyu dran. Tukuyu ist laut Reiseführer der regenreichste Ort Tansanias und liegt sehr weit im Süden, schon fast wieder am Lake Nyasa (Malawisee sagen nur Touris). Die Vegetation hier ist sehr anders als bei uns. Es stehen unzählige Bananestauden rum und es ist alles unglaublich grün. Außerdem wird sehr viel Tee angebaut, aber das gibt es ja nun bei uns auch.


Wir haben es uns auf jeden Fall mal wieder richtig gut gehen lassen und ein super Hotel bezogen, dass uns sogar mit einer HEIßEN! Dusche versorgen konnte. Da stand ich dann auch erstmal unverhältnismäßig lange drunter, zumal ich unter einem richtigen Strahl stand. Jetzt fragt man sich vielleicht: Heiße Dusche in Afrika? JA! Gerade bei uns in Mafinga, aber auch in Tukuyu, dass mit 1500m auch noch relativ hoch liegt ist die Luft gar nicht so warm und da freut man sich über so einen Luxus schon mal doppelt. Aber eigentlich lockte uns ja die Umgebung von Tukuyu mit einigen echt schönen Naturhighlights.


Für den Samstag (19.08. also genau ein halbes Jahr nach Abreise) haben wir uns den Mt. Rungwe ausgesucht. Mit 2960m war das schon ein schöner Berg und sollte mit einer Tagestour zu erklimmen sein. Dann haben wir uns auch schon am Morgen mit einem Guide in Mitten von Tee- und Avokado- Plantagen aufgemacht. Als dann die Felder aufhörten ging es in einen richtigen Regenwald, wie man ihn sich vorstellt. Mit riesigen Bäumen, Lianen, seltsam anmutenden Pflanzen, Affen, abenteurlichen Wegen, viel Feuchtigkeit und einem Bachlauf mit kristallklarem kaltem Bergwasser, das für eine leckere Erfrischung gut war. Je höher wir kamen, desto mehr veränderte sich die Vegetation. Irgendwann liefen wir durch einen Bambuswald immer einem kleinen Weg entlang, andere Menschen haben wir an diesem Tag nicht getroffen. Der Bambuswald lichtete sich dann auch und die Landschaft wurde Heideähnlich. Mit der Höhe veränderte sich aber nicht nur die Vegetation, sondern der Pfad wurde auch immer steiler und der Gang beschwerlicher. Da hatte ich die Besteigung vorher doch ein wenig unterschätzt. Zusammen mit meinem Durchfall ging es zeitweise echt schleppend voran. Aber am Ende haben wir dann auch die Heidelandschaft durchbrochen und haben nach ca. 4,5 Stunden den Gipfel erreicht und nach Guideangaben ca. 1300 Höhenmeter erklommen. Beim Aufstieg deutete sich schon an, dass uns oben ein grandioser Ausblick erwarten sollte, leider waren aber die Wolken rund um den Berg zugezogen, sodass uns der freie Blick aufs Tal verwehrt blieb. Mir blieb aber das schöne Gefühl den Berg bestiegen zu haben und hier oben mein persönliches Bergfest zu haben. Außerdem gingen wir noch zu einer Kraterkante, denn der Berg war früher mal ein Vulkan. Der Ausblick in den alten Krater war wirklich beeindruckend. Den Abstieg machten wir dann im Schnelltempo und ich wunderte mich, wie viel Steigung wir doch zurückgelegt hatten und wie schnell die Vegetationsstufen wieder an mir vorbeizogen. Am Ende waren wir froh wieder im Hotel zu sein und haben uns ein gutes Essen gegönnt. Danach fielen nachdem wir 2600 Höhenmeter an einem Tag hinter uns gebracht haben auch alle müde in ihre Betten. Den Berg habe ich übrigens mit meinen neuen Wandertstiefeln erklommen, die ich hier auf dem second-hand Markt für gut 15€ gekauft habe. Die Schuhe sind noch super in Schuss und nach Internetrecherche neu gut 200€ wert. Verrückt, was die Europäer alles so wegschmeißen.


Am Sonntag musste es dann auch schon wieder nach Hause gehen. Vorher stand aber noch die „daraja la mungu“ (Die Brücke Gottes) und der „cooking pot“ auf dem Programm. Beide Sehenswürdigkeiten lagen an einem Fluß, der auch am Mt. Rungwe entspringtm in einem alten Lavabett und waren idyllisch gelegen und entspannt auch nach der Vortagestour anzusehen. Der cooking pot ist im Prinzip ein rundes Loch in dem ein Fluß brodelnd und tosend verschwindet um zwei Meter weiter aus dem Boden wieder aufzusprudeln. Das war wirklich ein interessanter Ort und beeindruckend, wie die ganzen Wassermassen sich ihren Weg bahnten.


Die daraja la mungu ist eine natürliche Steinbrücke über den Fluß, hinter der auch noch ein kleiner Wasserfall abfällt. Auch ein sehr schöner beeindruckender und entspannender Ort!


Anschließend haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht und sind am Sonntag Abend wieder in Mafinga angekommen. Es war mal wieder ein sehr schöner Ausflug und beeindruckend was die Natur Tansanias alles zu bieten hat. Ein wahrlich passender Ort für das Bergfest. Den Halbzeitbericht gibt es dann im nächsten Eintrag.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Workaholic oder Faulpelz?

Das muss der geneigte Leser sich im Moment wohl fragen, wo ich mich doch schon seit einem Monat nicht mehr gemeldet habe. Zur Beruhigung ein schlechtes Gewissen ist Vorhanden. Und wahrscheinlich ist es momentan tatsächlich eine Mischung aus beidem, denn tatsächlich haben wir im letzten Monat seitdem wir vom Zwischenseminar  zurückgekehrt sind viel gemacht und in Bewegung gesetzt. Trotzdem wäre aber auch bestimmt Zeit gewesen sich mal hinzusetzen und ein paar Zeilen mit Bildern der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber irgendwas besseres findet man doch immer. Man könnte ja noch den Garten umgraben, den Schweinestall ausmisten... Aber genug der Laberei jetzt an die Fakten:

Wir kamen zurück und hier an der Schule war noch ziemlich tote Hose. Alle Schüler waren noch in den Ferien und auch Maseleka hatte sich Urlaub genommen. Die Werkstatt war also eigentlich meistens zu. Das haben wir genutzt um in der Werkstatt intensiv zu arbeiten und haben unsere Präsentationswindturbine fertiggestellt. Die Daten in aller Kürze: 1,8m Umfang und eine Maximalleistung von 350W. Die Turbine soll nur zu Präsentationszwecken dienen, deshalb ist es auch die kleinste Variante, die wir hier bauen. Wenn wir also in die Dörfer fahren, nehmen wir kurzerhand die Rotorblätter ab, packen einen kleinen zusammensteckbaren Turm ein, den wir extra dafür gebaut haben und los geht’s zusammen mit dem ganzen anderen Solar- und Ofenequipment. Außerdem ist jetzt ein richtiger etwas 9 Meter hoher Turm hier an der Schule geplant, auf dem dann die Turbine zwischen den Präsentationen stehen soll, an dem die Schüler üben können und der für Käufer als Demoobjekt stehen soll.

Dann trudelten auch die Schüler so langsam wieder ein. Am ersten Schultag waren ca. 10 Schüler aus allen Jahrgängen anwesend. Der Rest ließ und lässt sich noch Zeit – bis heute. Aber trotzdem haben wir uns schon einer neuen Aufgabe gestellt. Die Schule hat nämlich einen extremen Lehrermangel und so kommt es, dass einige Fächer einfach nicht unterrichtet werden können. Und so ist es momentan auch mit Englisch, Mathe und Physik. Deshalb hat uns der Academic Master, der die Ausbildung plant, schon realativ früh angesprochen ob wir nicht ein wenig aushelfen könnten. Anfangs kam es für uns schon gar nicht in Frage, da unser Kiswahili noch nicht ausreichend war, außerdem wollten wir natürlich auch keine Lehrkräfte überflüßig machen. Im Endeffekt haben wir uns jetzt aber dafür entschieden, da wir so schließlich den Schülern helfen können und darum sollte es gehen. So gebe ich nun einmal die Woche ein wenig Nachhilfe (Unterricht dürfen wir laut weltwärts-Regeln nicht geben) in Mathe und Physik für den ersten und den zweiten Jahrgang. Jeweils 1-1,5 Stunden pro Fach und Jahrgang. Das ist für mich schon eine ganz neue Erfahrung und ich habe erfahren dürfen, dass es ganz schön anstrengend sein kann. Nach meinen 3 Stunden, die ich dann hintereinander gemacht habe bin ich meistens erschöpfter als nach einem Tag in der Werkstatt. Trotzdem macht es Spaß, auch wenn die Unterschiede zwischen den Schülern enorm sind. Einige beherrschen nur spärlich die Grundrechenarten, andere haben keine Probleme mit Wuzeln, Potenzen oder linearen Gleichungssystemen. Grund dafür ist mit Sicherheit, dass ein Teil der Schüler nur die Grundschule besucht hat, die hier allerdings 7 Jahre geht, da nur diese kostenlos ist. Viele der Schüler haben aber schon etwas wie einen Realschulabschluss absolviert, wobei auch bei denjenigen die Unterschiede noch groß sind. Der Plan ist jetzt auf jedenfall den ersten und zweiten Jahrgang zusammenzulegen und dann nach Können in zwei neue Gruppen zu trennen.

Außerdem haben wir auch noch ein ganz anderes Themengebiet betreten. Wir wollen jetzt anfangen eine Art Schulprogramm für umliegende Schulen aufzubauen. Dafür wollen wir in Grund- und Secondary- Schulen gehen um über Klimaschutz, erneuerbare Energien und den Umgang mit Müll zu informieren. Dazu haben wir jetzt über Maseleka schon Kontakt zu einer Grundschule im Nachbardorf aufgenommen. Der Rektor ist begeistert von der Idee und hat auch gleich schon Interesse an einem Windrad angekündigt. Erstmal warten wir jetzt aber auf die Genehmigung der Schulbehörde, bevor es dann weitergeht.

Eine Dorfpräsentation haben wir auch schon wieder durchgeführt seitdem wir zurück sind. Am 2. Februar waren wir in Rungemba einem Dorf, dass nur 20 min mit dem Auto von uns entfernt ist. Dort ist immer am zweiten eines Monats ein großer Wandermarkt für alle umliegenden Dörfer, auf dem man sich Kleidung und alles mögliche andere Nützliche kaufen kann. Die Gelegenheit haben wir genutzt um möglichst vielen Leuten von erneuerbaren Energien zu erzählen. Viele Menschen kamen dadurch (die gut 4-5 Stunden die wir da waren) an unserem Stand vorbei und haben unsere Produkte bewundert und viele Fragen gestellt. Unser Windrad kam dabei auch zum Einsatz und hat für besonderes Interesse gesorgt. Solar ist bereits schon recht bekannt, aber die Möglichkeit aus Wind Strom zu erzeugen ist vielen neu und so konnten wir als Experten und weiße Publikumsmagneten gut aufklären und viele Fragen beantworten. Außerdem haben wir unserer Hühnerbande bei uns Zuhause noch Zuwaschs besorgt. Damit das mit dem regelmäßigen Frühstücksei mal endlich was wird.
Achja und außerdem haben wir momentan noch einen dritten Mzungu in Mafingam, ein Zeitarbeiter. Johannes ist seit Ende Januar bei uns in Mafinga und unterrichtet ein wenig erneuerbare Energien. Johannes studiert Bioenergie und bleibt bis Anfang März und war vor ein paar Jahren auch schon mal ein Jahr in Tansania.

Außerdem haben wir noch einen kleinen Ausflug in die Umgebung gemacht und Mufindi erkundet, so heißt die Region hier. Riesige Teeplantagen mit Affenbanden dazwischen, unglaublich große Nadelholzbestände, eine Papierfabrik, sowie einen wunderschönen See, wie ich ihn mir in Schweden vorstellen würde haben wir dabei gesehen. Hier noch ein paar Bilder im Anschluß.

Aber vorher noch eine kurze Ankündigung. Jetzt bin ich schon fast seit einem halben Jahr in Tansania. Die Zeit rennt. Da ist es mal an der Zeit einen Halbzeitbericht zu schreiben, den sollt ihr jetzt bald bekommen. Außerdem steht ein großer Termin ins Haus. Am 20. Februar sollen endlich die sehentlich erwarteten Magneten mit dem Schiff in Dar es Salaam ankommen, mit denen wir dann hoffentlich endlich richtig in die Produktion der Windturbinen einsteigen können.

Ach und unsere Farm hat wieder Zuwachs bekommen. Ich habe mir einen Stall zusammengenagelt und halte jetzt Kaninchen. 4 Stück für den Anfang mit der Hoffnung, dass es schnell mehr werden. Davon muss ich auch mal schnell Bilder nachreichen. Die Schweine sind ja auch schon was größer geworden. Seid gegrüßt.





Dienstag, 18. Januar 2011

Vom Zwischenseminar...

Allein das Wort Zwischenseminar hat bei mir schon so etwas wie Halbzeitstimmung geweckt, wobei es ja eigentlich noch gar nicht so weit ist. Noch mehr als 7 Monate standen vor uns, als wir uns am 4. Januar in Bagamoyo trafen. Getroffen haben wir uns, noch 15 verbliebenden Freiwilligen (leider ist zwischenzeitlich eine Freiwillige wieder nach Deutschland geflogen) zusammen mit Tanja, die als Seminarleiterin extra aus Deutschland angereist kam. Für eine knappe Woche schauten wir zurück auf unsere bereits in Tansania verbrachte Zeit, auf bereits Erlebtes und gewannen dabei Abstand von der Arbeit, sowie Anregungen und Ideen um anschließend mit Volldampf in die (fast) zweite Hälfte zu starten.


Das Seminar war eine Runde Sache, auch, da wir den Seminarplan großteils selber mit dem Austausch unserer Wünsche, Fragen, Erfahrungen und Problemen gestalten konnten. Dabei kam es, wie für unsere Gruppe üblich, oft zu langen, konstruktiven, sowie unterhaltsamen Diskussionen über Themen wie Nachhaltigkeit, dem Sinn von erneuerbaren Energien gerade in Tansania, oder über den Sinn und die Verantwortung im Zusammenhang mit Entwicklungszusammenarbeit ganz allgemein. Üblicherweise gab es für solche und viele anderen Diskussionen auch kein Seminarschluss und es wurde des Öfteren spät. Tanja hat dabei darauf geachtet, dass wir unseren eigenen Seminarplan auch einhalten und zudem Methoden und Aufwachspiele nach langen Nächten eingebracht, die das Ganze auflockerten und interessanter gestalteten.

Es blieb aber auch noch Zeit die Stadt Bagamoyo, sowie seinen langen Strand zu erkunden, Fußball zu spielen und etwas über die lange Geschichte zu lernen. Bagamoyo war nämlich der Anlaufpunkt der deutschen Kolonialbestrebungen des damaligen Deutsch-Ostafrikas, washlab auch heute noch einige Kolonialbauten, wie eine große Kirche, oder die Boma, das damalige Verwaltungsgebäude, anzuschauen sind. Außer der Kirche steht in Bagamoyo am Strand auch das erste Kreuz Ostafrikas, was auf die Missionierung damals hindeutet (was nicht bedeutet, dass es heute in Tansania keine Missionare mehr gäbe). Bagamoyo heißt darüber hinasu so viel wie schmeiß dein Herz weg, da es vormals auch der Verladeplatz von Sklaven war, da Bagamoyo das Ende einer Sklavenroute war, die am Tanganykasee begann. Die Sklaven wurden ihrerzeit oftmals erst nach Sansibar überschifft, bevors sie dann meistens in der arabischen Welt ihre Zeit als Leibeigenen fristeten. Zusammengefasst ist Bagamoyo also ein sehr geschichtsträchtiger Ort.

Leider wurde das Seminar aber auch noch von einem Zwischenfall überschattet. Eines Abends auf dem Rückweg aus der Stadt wurde Tanja in Mitten unserer Gruppe überfallen. Zwei Männer hatten es dabei auf ihre Tasche und ihr Handy abgesehen, mit dem sie gerade telefonierte. Die Männer gingen dabei sehr brutal vor und verschwanden anschließend blitzschnell im Dunkeln, ohne, dass sie jemand fassen konnte. Soetwas muss man wohl in Tansania, wie in Deutschland immer gewahr sein. Man darf daraus nur auf gar keinen Fall verallgemeinern. Schlechte Menschen gibt es nun mal leider überall.

Nichtsdestotrotz haben wir uns von diesem Schreck nicht abhalten lassen unser Seminar als eine gelungene Sache zu beenden. In mir hat der Austausch noch einmal neue Motivation und Ideen freigesetzt und ich schaue nun vorraus auf eine erfolgreiche Zeit in Mafinga.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Weihnachten und Sylvester – Mafinga und Sansibar

Nach längerer Blogabstinenz gibt es jetzt mal wieder einiges nachzuholen. Denn erst seit gestern bin ich wieder in Mafinga. In der Zwischenzeit sind Weihnachten in Mafinga, Sylvester auf Sansibar und unser Zwischenseminar in Bagamoyo vorbeigezogen. Da bleibt euch an dieser Stelle  noch nachträglich zu wünschen, dass ihr alle Weihnachten und Sylvester im deutschen Schneechaos gut verlebt habt und ein frohes neues Jahr! Damit es nicht zu viel wird berichte ich jetzt erst mal von Weihnachten in Mafinga und Sylvester auf Sansibar, bevor ich dann beim nächsten Mal vom Zwischenseminar berichte...

Weihnachten haben wir zusammen mit einigen anderen Freiwilligen in Mafinga verbracht (mehr Bilder gibt es rechts auf meinem Blog). Bevor die 9 Freiwilligen am 23. in Mafinga ankamen gab es für Raphael und mich aber noch einiges zu tun. So hatten wir die zwei Wochen vor Weihnachten durchgängig (inkl. der alltäglichen Arbeit) fast 12 Stunden am Tag gearbeitet und fielen somit abends immer ziemlich müde ins Bett. Umso froher waren wir dann, als noch in letzter Sekunde alles geschafft war und wir verdient in unseren Urlaub gehen konnten. Weihnachten haben wir dann auch sehr weihnachtlich verbracht. Wir haben uns einen Weihnachtsbaum geschlagen, Kekse gebacken, Pipi Langstrumpf geschaut, Bescherung gefeiert und der Kirchenbesuch durfte bei uns an der Schule natürlich auch nicht fehlen. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Am ersten Weihnachtstag haben wir Hühner geschlachtet und auf unserem eigens dafür gebauten Grill gegrillt. Selbst die legendäre Kälte Mafingas ließ uns nicht im Stich und so haben wir auch immer fleißig den Kamin befeuert und so ziemlich alle wärmeverwöhnten Besucher haben sich als Erinnerung an Mafinga auch einen Schnupfen mitgenommen. Insgesamt fühlte sich gerade Heiligabend schon sehr weihnachtlich an, was ich vorher nicht ganz so gedacht hätte. Nachdem wir Weihnachten also gut zusammen verbracht hatten haben wir gemeinsam noch einen Ausflug nach Iringa gemacht, bevor es dann am 28. auf die Reise nach Sansibar ging.

Auf der Busfahrt nach Dar es Salaam, von wo aus wir dann die Fähre genommen haben, ist der Mafingaexpress auch wieder seinen Ruf gerecht geworden. Und wir kamen in Dar es Salaam mit gut 6-7 Stunden Verspätung an. Gerechterweise muss man aber sagen, dass es nicht nur am Bus lag. Zwar war die Besatzung die gesamte Fahrt damit beschäftigt Kühlwasser nachzukippen, doch erst wurden wir von einem brennenden Tanklaster aufgehalten, der halb auf der Straße stand und erst über Stunden ausbrennen musste, bevor wir weiterfahren konnten. Wir saßen in sicherer Entfernung und haben Karten gespielt, als sich der Laster mit einer filmreifen Explosion verabschiedet hat. Verletzt hat sich dabei glücklicherweise niemand und es traute sich auch erst mal niemand mehr sich am brennenden Laster vorbeizuschleichen. Aber selbst als wir dann irgendwann an der Unglücksstelle vorbei waren mussten wir in Morogoro noch einen neuen Bus suchen, weil unser nicht mehr weiter wollte. Insgesamt kamen wir dann aber doch sicher in der Dar es Salaamer Rush-hour=Stillstand an und nachdem wir auch noch die geschafft hatten waren wir dann gegen Mitternacht im Mwengehaus, bevor wir dann am nächsten Morgen die Fähre nach Sansibar  genommen haben, wo wir dann auch für alles entschädigt wurden.

Sansibar ist wirklich eine traumhaft schöne Insel (mehr Bilder gibt es rechts auf meinem Blog). Angekommen wurden wir auch gleich von Said, dem Gastvater eines anderen Freiwilligen abgeholt, der für uns extra seine Familie ausquartiert hatte, damit wir bei ihm leben konnten. Zudem hat er uns auch noch ein dalla-dalla bereitgestellt, das wir nutzen konnten um gemeinsam die Insel zu erkunden. Das haben wir dann auch genutzt und waren auf einer Schnorcheltour durch Korallenriffe, im Jouzani Forest, dem letzen Stück
Regenwald in dem wir Affen beobachtet haben und auf einer Spicetour, denn für seine Gewürzvielfalt ist Sansibar bekannt. Natürlich ließen wir uns auch die Traumstrände mit Palmen, weißem Sand und türkisem Wasser nicht entgehen. Beeindruckend fand ich auch Stonetown mit seinen engen Gassen und vielen arabischen und kolonialen Bauten, direkt am Wasser gelegen. Trotzdem ist Sansibar eine Insel der Gegensätze, denn sobald man aufs Land kommt ist nichts mehr zu sehen von dem großen Tourismus in Stonetown und an den Tourismusstränden. Wahrscheinlich nicht umsonst heißt es, dass Sansibar ärmer ist als das Festland.

Für mich persönlich war Sansibar auch besonders interessant, da es kulturell nochmal ganz anders geprägt ist. Über 99% der Bevölkerung sind Muslime und zudem hat Sansibar eine ganz andere Geschichte als das Festland. Nicht zuletzt deshalb gibt es auch ein großes Bestreben eigenständig zu sein. Denn de facto gehört Sansibar zu Tansania, ist aber in sehr vielen Bereichen souverän. Auch politisch hat Sansibar wohl eine Einzelstellung. Denn soweit ich weiß hat Sansibar als einzige Demokratie der Welt seit den letzten Wahlen keine Opposition mehr. Denn die beiden großen Parteien CCM und CUF wurden per Volksentscheid dazu verpflichtet eine Koalition einzugehen. Kulturell finde ich das Leben in einer islamischen Gesellschaft sehr reizvoll und beneide darum und um das gute Essen auch ein wenig die Freiwilligen Vorort.

Sylvester haben wir aber auf einer richtigen Touristenfeier in Kendwa verbracht, wobei sich auch einige Sansibaries und Tansanier unter die Menge gemischt hatten. Wir hatten auf jeden Fall richtig Spaß und sind auch erst mit Sonnenaufgang nach einer Badeeinheit wieder aufgebrochen. Anfangs kam mir die Feier aber noch etwas befremdlich vor. Diese Art der freien Bekleidung und des Alkoholkonsums war ich einfach nicht mehr gewohnt. Und so ging es anfangs auch vielen anderen von uns. Wir haben auch schon gesagt, dass bevor wir wieder nach Deutschland fliegen wir wohl nochmal dort vorbeischauen müssten um den Kulturschock in Deutschland zu minimieren. Vielleicht wirklich keine schlechte Idee. Am 4. Januar haben wir uns dann aber auch schon mit der ersten Fähre wieder auf den Weg zum Festland gemacht, denn schon am Mittag ging das Zwischenseminar los, aber dazu mehr im nächsten Eintrag...