Dienstag, 21. Dezember 2010

Eine Kuschelpartie: Dalla-Dalla fahren

Eigentlich ist dieser Eintrag schon längst überfällig und am letzten Wochenende auf dem Heimweg von Iringa nach Mafinga wurde dann auch klar, jetzt ist der passende Zeitpunkt um diesen Eintrag zu schreiben.
ein kleineres, noch unterbesetztes Dalla

Das Dalla-Dalla ist das Nahverkehrsmittel überhaupt in Tansania. Dallas gibt es in den verschiedensten Formen, von kleinen „Neunsitzern“ bishin zu schon größeren „Bullis“, mit vielleicht 30 Sitzplätzen. Das Reisen mit ihnen ist meistens günstig. In Dar es Salaam z.B. kommt man zu allen wichtigen Orten für 0,12€ bis 0,25€, Schüler kommen oft gar mit 0,05€ davon. Hier bei uns in Mafinga kostet die 75km lange Fahrt bis Iringa 1,25€. Für gewöhnlich rechne ich hier die Preise eigentlich nicht mehr um und so eine Fahrt ist auch für uns schon eine Investition, aber wenn man sich die Preise mal wieder so vor Augen führt ist es schon erstaunlich.

Aber da nun auch hier die Benzinpreise an den Weltmarkt angepasst sind muss, wenn der Fahrpreis schon nicht so hoch ist, die Quantität den Gewinn einfahren und so werden die Dallas bis zum bersten gefüllt. Wenn wir z.B. hier in Mafinga in ein Dalla steigen wollen und sehen, dass die Sitzplätze noch nicht besetzt sind, so können wir gemütlich noch die vielen Stände begutachten und mit den Verkäufern schnacken, bevor wir dann ins Dalla steigen, denn bevor das Dalla nicht voll ist, wird auch nicht losgefahren. Der Busstendi in Mafinga ist auch schon für sich ein interessanter Ort, wenn auch oft nervig. Hier fahren den ganzen Tag über die großen Überlandbusse ein und aus. Dabei wird den Fahrgästen durchs Fenster und noch beim Fahren eigentlich so alles angeboten, was man sich nicht vorstellen kann. Von Radios, Kartoffeln, elektrischen Fliegenklatschen, Tee bis hin zu Socken und Unterhosen. Natürlich auch allerlei Leckereien, wie geröstete Maiskolben, Erdnüssen, Backwaren. Man wird als Fußgänger aber auch sofort versucht in einen der Busse oder dallas zu stecken und wenn es geht soll dabei natürlich auch noch ein höherer Preis verlangt werden. Dabei sind die Fahrgastfänger oft sehr penetrant und rauben ein wenig die Ruhe.

Wenn man dann im dalla sitzt sind die Fahrten meist sehr interessant. In einem normalgefüllten dalla sitzt in einer Reihe immer eine Person mehr als eigentlich hineinpasst. Wenn man dann noch eine der berüchtigten BigMamas in seiner Reihe erwischt, wird es mitunter schon sehr eng. Aber man gewöhnt sich an alles und so ist es dann eigentlich recht kuschelig. Mittlerweile habe ich mir auch schon die tansanische Reisehaltung angewöhnt und bin oft schon nach 10min im tiefen Dämmerzustand. Aber natürlich ist es nicht so, dass nur Menschen in einem Dalla Platz fänden, nein auch jede Menge Gepäck, im Kofferraum, auf dem Schoß, unter den Bänken, auf dem Dach, oder vorne am Scheibenwischer festgebunden. Der Kofferraum bleibt meist sowieso einen Spalt auf und wird mit einem Band am Scheibenwischer zugeschnürrt, weil entweder der Verschluß kaputt ist, einfach zu viel Gepäck drin ist oder beides. Witzig ist es auch immer, wenn sich auf einmal etwas unter seinem Sitz bewegt und ein Huhn plötzlich seinen Kopf aus einer Plastiktüte herrausstreckt, oder gar ausbricht und das halbe Dalla hinterher. Auch eine Ziege habe ich schon im Dalla entdeckt.

Aber warum kommt dieser Eintrag gerade jetzt. Damit wären wir wieder beim Heimweg gestern aus Iringa und dem absolut überfülltesten Dalla mit dem ich je mitgefahren bin. Wir waren schon ein wenig spät dran und so war dies auch schon das letzte Dalla für diesen Tag und wir mussten, wie viele andere Tansanier auch, dieses Kleinstdalla nehmen. Unsere Einkäufe wurden noch schnell auf dem Schoß der glücklichen Frauen auf dem Beifahrersitz vorne, dem Fahrraumboden, sowie den Kofferraum aufgeteilt und schon ging es rein in die Menschenmasse in dem kleinen Gefährt. Das dalla hatte ca. 15 Sitzplätze, aber gut 35 Mitfahrer und es ist auch nicht gerade so, dass die Sitzplätze großzügig proportioniert gewesen wären. Als wir einstigen waren die letzten Sitzplätze schon lange vergeben und wir quetschten uns zusammen mit den anderen Tansanien halb stehend, halb duckend irgendwo mit hinein. Dabei verliert man dann auch schon mal den Bodenkontakt mit den Füßen und schwimmt irgendwo im Fahrgastraum herum. Umfallen kann man ohnehin nicht und so lasse ich mich dann auch gerne einfach fallen um ein wenig vor mir hinzudösen, doch dann kommt ein unidentifizierbarer Ruf von ganz hinten, wir sollten alle mal einen Schritt nach vorne gehen, er würde sonst sterben. Nun Gut, leichte Übertreibung vielleicht, trotzdem ist es leichter gesagt als getan und so tut sich nicht viel, bis das dalla wieder bremst und alle ein wenig nach vorne rutschen. Angehalten ist das dalla, um noch ein paar Leute aufzunehmen, schließlich gibt es eine Grundregel: Voll gibt es nicht. Und so bleibt anschließend halt die Schiebetür auf und ein paar Köpfe bekommen frische Luft. Ohnehin ist eine europäische Körpergröße eher schlecht für diese Art der Fortbewegung. Da habe ich es als eher kleiner Europäer sogar noch besser als Raphael, den Kopf kann ich aber trotzdem nicht gerade machen und auch der Rücken bleibt krumm für gut 1,5 Stunden bis Mafinga. Trotzdem hat mir die Fahrt Spaß gemacht. Wir sind mal wieder mit vielen Menschen ins Gespräch und wortwörtlich Nahe gekommen. Als wir dann ausgestiegen sind haben wir uns aber trotzdem gefreut, dass wir den Kopf wieder gerade machen konnten. Die Beine konnten wir uns dann aber auch noch vertreten auf dem 40 minütigem Heimweg vom Stendi.

Generell liebe ich das Dalla fahren. Am Anfang fand ich es noch echt befremdlich, mittlerweile aber ist es echt eine gemütliche und interessante Art des Reisens, bei der man eigentlich immer mit Leuten ins Gespräch kommt und viel sieht. Außerdem finde ich es auch echt gut einfach zu jeder Tageszeit zum Busstendi gehen zu können und zu wissen da wird schon ein dalla stehen, das mich in die Umgebung bringt. Ob es jetzt in 5 min oder einer halben Stunde losfährt ist dann irgendwie auch egal und darauf kann man sich schließlich auch einstellen.
ein größeres Dalla in voller Pracht


Ansonsten stand bei uns in den letzten beiden Wochen viel Arbeit an. Zum einen gab es in der Werkstatt immer was zu tun, zum anderen mussten wir aber auch viel Zuhause auf unserer kleinen Farm machen und vorbereiten, denn zu Weihnachten stehen uns Gäste ins Haus. 9 andere Freiwillige kommen ins „kalte“ Mafinga um hier zusammen mit uns ein bisschen Weihnachten aufkommen zu lassen. Ich freue mich auch schon richtig, aber bis Donnerstag bleibt noch was zu tun. Die letzte Zeit habe ich meine Arbeitskleidung meist 12 Stunden am Tag getragen, aber mir macht es auch Spaß. Ich lerne viel dabei. Zur Erholung geht es dann nach Weihnachten schließlich auch nach Sansibar um dort Sylvester zu feiern. Darauf freue ich mich auch schon richtig. Wann jetzt mein nächster Eintrag kommt, kann ich momentan noch nicht sagen. Vorsichtshalber wünsche ich deshalb schon mal ein fröhliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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