Samstag, 13. November 2010

Von Erfolgen und Erlebnissen

Und wieder gibt es viel zu berichten. Nachdem ich dachte wir könnten hier tatsächlich in eine Art Alltag verfallen muss ich das jetzt revidieren. In Kurzform: Wir haben es endlich geschafft die Zusage für den Magneten-Kredit zu erwirken, außerdem hatten wir einen 3-tägigen Besuch von unserer Koordinatorin aus Dar es Salaam, bei dem mir nochmal einige Dinge klar geworden sind und nicht zuletzt möchte ich noch wie versprochen von der Abschlussfeier der Schüler berichten. Leider gibt es aber auch erstmals schlechte Nachrichten, denn in unser Haus wurde eingebrochen.


Ich fange mal chronologisch an: Die Abschlussfeier der Schüler. Mittlerweile ist die Feier schon fast 2 Wochen her. Schon Tage vorher fingen die Schüler mit den Vorbereitungen für die Feier an. Der Unterricht wurde komplett ausgesetzt. Es wurden Pfähle eingegraben über die Tücher gespannt wurden, sodass eine große abgeschattete Sitzfläche entstand. Außerdem wurde eine Bühne geschmückt. Kleine Bananenpflanzen wurden aufgestellt, die komplette Schule bis auf das Letzte gesäubert. Dafür wurden Dutzende kleine Brände gelegt um das Gras oder Müll zu verbrennen und die Beete wurden mal wieder auf Vordermann gebracht.

Am Tag der Feier habe ich zusammen mit Raphael und ein paar anderen Schüler die Aufgabe der Empfangsdamen übernommen. Wir haben alle eintreffenden Gäste abgefangen, denn die durften sich erst einmal im Gästebuch verewigen bevor wir ihnen einen Platz zugewiesen haben. So richtig kam ich aber gar nicht zu meiner Aufgabe, denn ich hatte einen Fehler gemacht: Ich hatte meine Kamera mitgenommen und war die meiste Zeit damit beschäftigt irgendwen abzulichten. So wurde ich auch zum persönlichen Fotografen einiger Schüler, die alles auf meiner SD-Karte festgehalten sehen wollten. Am Ende des Tages hatte ich so 400 Fotos zusammen. Ich habe daraus gelernt meine Kamera lieber wieder Zuhause unter Verschluss zu lassen, aber ihr profitiert dafür jetzt umso mehr davon. Rechts seht ihr einige Fotos in einer Diashow durchlaufen (nur auf meinem Blog).

Aber nun zum eigentlichen Ablauf. Etwa 25 Schüler feierten ihren Abschluss. Anfangs liefen sie ein, wobei getanzt und gesungen wurde. Dann gab es erst einmal einen ausgiebigen Gottesdienst, schließlich sind wir an einer kirchlichen Schule
und der Bischof war auch mit von der Partie. Zwischendurch performte ein extra eingeladener Chor immer mal wieder eins ihrer Stücke (Playback versteht sich). Eine große Musikanlage war natürlich auch aufgebaut. Dann holten sich die Schüler noch alle ihren Segen ab. Im Anschluss an den Gottesdienst konnten sich die Angehörigen ein Bild davon machen, was ihre Söhne und Töchter denn alles gebaut haben in ihrer Ausbildung. Vor der Schule war eine kleine Präsentationsfläche aufgebaut worden. Danach kam dann der formelle Teil und alle nahmen wieder Platz. Viele Ehrengäste waren geladen, die alle noch eine lange Rede zum Besten gaben bevor dann die Zertifikate verteilt wurden. Insgesamt eine sehr langatmige Veranstaltung. Danach gab es für alle Pilau, DAS Gericht für Feierlichkeiten in Tansania. Wirklich lecker. Reis mit aller Art Gewürzen und Gemüse und je nach Belieben noch mit Fleisch- und Fischbeilagen. Raphael und mir kam die Ehre zu Teil zusammen mit den Ehrengästen am Ehrentisch zu speisen. Da gab es dann sogar Hühnchen und Fleisch zum Pilau. Noch ein wenig Shakehands mit allen Beteiligten, ich meine wann schüttelt man schon mal einem echten Bischof die Hand und hält einen kurzen Plausch? Außerdem gab es noch Limonade für alle Beteiligten. Ich habe mich gefragt, warum für sowas Geld vorhanden ist, für dringend benötigtes Material in der Werkstatt aber nicht? Die Frage lasse ich mal im Raum stehen und auch ansonsten lasse ich jetzt mal die Bilder sprechen.


In der Woche darauf hat Mr. Maseleka, nachdem er aus dem Krankenhaus zurückgekehrt ist der Kreditsache nochmal Nachdruck verliehen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn Nyambulapi hatte andere Dinge zu tun und das Ganze ein wenig aus den Augen verloren. Wir haben zwar immer wieder versucht ihn zu erinnern und unsere Hilfe angeboten, aber es kam nicht dazu die letzen Anforderungen für den Kredit noch zu bearbeiten und außerdem fehlten wichtige Informationen zu Interessenten, die bei Mr. Maseleka lagerten und der war nun mal einige Zeit nicht da.

Mitte der Woche haben wir die Zusage zum Kredit bekommen und die Bestellung ist von Mr. Maseleka auch schon soweit vorbereitet, dass es jetzt endlich voran gehen kann. Wir haben gemeinsam einen relativ detaillierten Arbeitsplan geschrieben. Noch vor ein paar Wochen dachte ich einen solchen Plan zu verfassen ist reine Fassade, schließlich hatte ich den Eindruck, dass Planen bei der Materialzufuhr etc. praktisch unmöglich ist. Mittlerweile, nachdem wir gesehen haben, dass die Probleme hier nicht im Technischen/Handwerklichen liegen, sondern ganz klar im Organisatorischen bin ich mir aber sicher, dass der Arbeitsplan eine gute Idee ist. Wir versuchen jetzt diese Art des planerischen Denkens und Arbeitens hier in der Praxis. Der Ausgang ist noch unklar. Den Plan wollen wir jetzt ausdrucken und in der Werkstatt aufhängen. In Absprache mit Nyambulapi und Mr. Maseleka haben wir uns darauf geeinigt ein Bonussystem zu installieren. Am Ende eines jeden Monats wird geschaut, ob alle Aufgaben erledigt wurden und wenn dies so ist, wird eine Gewinnbeteiligung ausgeschüttet. Außerdem haben wir im neuen Plan viel mehr die anderen Arbeiten berücksichtig, da die Gewinne daraus essenziell für den Materialkauf sind. Ich bin gespannt auf den Ausgang dieses Experiments!

Die Produktion in der Werkstatt ist mittlerweile auch recht gut angelaufen. Die Schüler sind mittlerweile alle aktiv und Nyambulapi ist ihnen ein guter Anweiser. Erste Dinge wurden verkauft und Material wieder gekauft. Wir bauen auch an einem ersten kleinen Windrad, das Demonstrationszwecken dienen soll. Ende nächster Woche ist die erste Dorf-Präsentation. 10 sind bis Ende nächsten Jahres fest angesetzt. Mr. Maseleka zeigt sogar den Willen noch mehr zu machen und hat unsere Idee eines Promotionsdays am Busstendi in Mafinga positiv aufgefasst und plant ihn noch bis Ende diesen Jahres umzusetzen. Mal sehen was draus wird. Olivia hat uns aber ermutigt in der Hinsicht Druck zu machen, womit ich auch beim nächsten Punkt wäre.


Die letzten drei Tage war Olivia bei uns. Olivia ist unsere tansanische Mama, wie sie gerne sagt. Sie koordiniert unser Jahr von tansanischer Seite und passt auf uns auf und hat immer ein offenes Ohr für uns. Jetzt war sie bei uns, um sich ein Bild davon zu machen was bei uns so vor sich geht. Sie hat uns zu allen möglichen Belangen ausgefragt und Anregungen gegeben. Vorher dachte ich ihr Besuch ist zu früh, schließlich sind wir nach dem Seminar in Dar im Vergleich zu allen anderen Freiwilligen am kürzesten in unserer Einsatzstelle und trotzdem waren wir ihre erste Station. Aber sie hat uns genau die richtigen Anregungen gegeben. Sie hat ein wenig die Sorge, dass wir in der Werkstatt versauern und sie ist berechtigterweise ein großer Fan von Dorf-Präsentationen.  Außerdem hat sie uns die Idee unterbreitet in die umliegenden Schulen zu gehen und über erneuerbare Energien und Umweltschutz zu predigen. Die Sache mit den Dorf-Präsentationen hatten wir zwar auch schon vorher in unseren Arbeitsplan aufgenommen, aber aus den Erfahrungen der letzten Jahre hat sie diesen wohl im Gespräch mit Mr. Maseleka noch einmal richtig Nachdruck verliehen. Was die Dorf-Präsentationen sind kann ich dann hoffentlich Ende nächster Woche nach unserer ersten Präsentation berichten. In Kurzform geht es darum unsere Produkte rund um erneuerbare Energien in den Dörfern zu verbreiten, wo kein Stromanschluss besteht. Mehr dazu hoffentlich nächste Woche nach erfolgreicher Präsentation.

Die Sache mit dem Einbruch in unser Haus packe ich morgen oder übermorgen in einen extra Eintrag. Geschrieben ist er schon. Ich denke aber sonst wird der Eintrag zu lang und zum anderen finde ich es gut, die Erfahrung ein wenig abzulösen von dem Rest, denn es ist bisher eine absolute Einzelerfahrung.


P.S.: In meinem Fotoalbum gibt es auch noch Fotos von einem bereits im Januar aufgestelltem Windrad in einem Nachbardorf namens Ikungus. Ich habe leider völlig versäumt vom Besuch von Roland zu berichten, der vor drei Wochen hier war. Zur Erinnerung: Roland war unser Lehrer in Dar zum Thema Windräder. Mit ihm zusammen sind wir auch nach Ikungus gefahren. Wenn ich es schaffe, dann schreibe ich diese Woche noch einen Eintrag dazu, aber es erwartet uns eine Menge Arbeit…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen