Dienstag, 30. November 2010

Village Präsentation die Erste

Wie beim Bau der Windräder haben wir auch für die Verbreitung dieser und anderer Produkte unseres Departments große Ziele. 10 sogenannte Village-Presentations (Dorf Präsentationen) sollen in unserem Jahr durchgeführt werden. Dafür haben wir extra einen Plan aufgestellt und letzte Woche stand endlich die erste Präsentation an. Was so eine Village-Presentation (im Weiteren kurz: VP) überhaupt ist, welchem Zweck sie genau dienen soll und wie unsere erste abgelaufen ist möchte ich jetzt erklären.

Etwas verallgemeinert gesagt stellen wir bei einer VP in Dörfern, die für gewöhnlich keine Aussicht auf einen Anschluss an das Stromnetz haben,  Möglichkeiten der unabhängigen Elektrifizierung vor. Das heißt hauptsächlich Möglichkeiten der Nutzung von Solarenergie und jetzt beginnend auch vermehrt von Windenergie. Darüber hinaus werden aber auch Öfen ausgestellt, die dabei helfen den Holzbedarf drastisch zu senken, da für gewöhnlich immer noch das klassische Dreisteinfeuer zum Kochen verwendet wird, bei dem einfach ein Topf auf drei Steine gestellt wird unter dem dann das Feuer brennt. Dabei geht die meiste Wärme einfach verloren. Natürlich stellen wir die Sachen nicht nur vor, sondern versuchen sie auch zu verkaufen.

Unsere Ziele dabei sind wie schon gesagt vielfältig. Zum einen ist natürlich der Gedanke des Klimaschutzes allgegenwärtig in unserer Arbeit, wozu die Verbreitung von erneuerbaren Energieformen beiträgt. Aber in der Realität fehlt oft das Bewusstsein für Klimaschutz, weshalb wir versuchen auch bei den VP dieses Bewusstsein zu schaffen. Aber selbst wenn es vorhanden ist, lässt der große Anschaffungspreis einer Solaranlage den Idealismus doch schnell schrumpfen, was wir ja auch zu gut kennen.  Das tolle ist für die Menschen, dass sie Strom in Regionen bekommen können, in denen trotz Ausbau des Stromnetzes auf Jahre klar ist, dass sie keinen Anschluss bekommen werden. Gerade, sobald es heißt man kann auch einen Fernseher betreiben, sind die meisten Leute hin und weg. Außerdem ist natürlich auch immer unser Ziel das Renewable Energy Department unserer Schule mal in Schwung zu bringen und kleine Gewinne einzutreiben, damit hier die Motivation steigt und wir auf diesem Wege die Verbreitung sauberer Energieformen vorantreiben können.


Aber nun zu unserer ersten VP: Letzte Woche Samstag sind wir zusammen mit dem RE-Lehrer Erick, Mr. Maseleka, drei Schülern und einer ganze Menge Gepäck in ein kleines Dorf gefahren. 2 Stunden haben wir uns dafür auf Sandpisten immer weiter von der Hauptstraße entfernt. 2 Stunden immer weiter weg von einem Zugang zu Strom. Angekommen wurde erstmal auf einen Mann gewartet, der uns dann empfangen hat und wir duften uns noch ins Gästebuch des Dorfes eintragen. Ob der Mann so was wie ein Bürgermeister ist weiß ich aber nicht. Anschließend haben wir uns dann noch ein wenig gestärkt, bevor wir dann angefangen haben erstmal alles aufzubauen. Schon beim Aufbau waren wir von vielen Menschen umringt, die uns interessiert zugesehen haben. Zu meiner Überraschung war ihnen Photovoltaik aber schon vertraut. Und wir haben im Dorf auch zwei Dächer gesichtet, die schon mit einem Modul ausgestattet waren. Aufgebaut haben wir ein Art Präsentationshaus, auf dem oben das Panel liegt, dass dann mit Laderegler und Batterien verbunden ist, wie es in der Praxis Anwendung findet. Dazu dann noch ein paar Verbraucher, wie Lampen, ein Radio, ein Rasierer, um zu zeigen, dass es funktioniert und was alles möglich ist. Außerdem haben wir vier Öfen aus unserer Palette der feuersparenden Öfen aufgebaut. An einem kleinen Windrad zur Präsentation bauen wir momentan noch, aber das soll dann auch bald mit zu den Präsentationen.

Bei der eigentlichen Präsentation haben Raphael und ich dann aber vorerst eine passive Rolle eingenommen. Wir haben zwar schon Vorstellung davon, wie so eine Präsentation vonstatten gehen soll, aber wir wollten erst mal beobachten, wie die alten Hasen ihr Handwerk beherrschen. Und Mr. Maseleka hat das zusammen mit Erick dann auch super gemacht, soweit wir das beurteilen können. Gegenfragen an das Publikum haben gezeigt, dass Holz sparen wirklich wichtig ist, da die Vorräte in der Umgebung des Dorfes schon sehr erschöpft seien und so wurde sehr interessiert auf die Öfen geschaut. Trotzdem wurde keiner verkauft. Knackpunkt bei den Solarprodukten war meistens der Preis.  Der Preis für ein richtiges Solarsystem übersteigt bei weitem die Möglichkeiten der meisten Dorfbewohner, die nur von Feldwirtschaft leben. So kam es auch, dass wenn die Preise genannt wurden das Interesse schnell nachließ. Problematisch ist gerade, dass erst ein großes System als wirklicher Gewinn gesehen wird, weil man damit einen Fernseher betreiben kann. Der Ersatz der Öllampen im Haus hingegen wird nicht wirklich als notwendig anerkannt, da die schon seit Jahren ihre Arbeit verrichten. Trotzdem ist Solarlicht rein rechnerisch günstiger und zudem sicherer, da es immer wieder zu Bränden durch die Kerosinlampen kommt. Ich denke diesen Punkt zu erklären sollte die Aufgabe bei der nächsten Präsentation sein. Außerdem waren viele an den kleinen Solarmodulen zum Laden von Handys interessiert. Leider hatten wir nur eins mit zum Vorführen. Da müssen wir beim nächsten Mal auch auf jeden Fall nachlegen.


Die nächste Präsentation ist auch schon für übermorgen angesetzt. Dann  wollen wir uns mal ein wenig mehr einsetzen und auch mal ein Produkt verkaufen!

Montag, 15. November 2010

Der Einbruch

Am Mittwoch gab es noch einen Vorfall, der Olivias Besuch ein wenig überschattet hat. Bei uns wurde eingebrochen und ein Laptop entwendet. Das ganze muss ein gut geplanter Coup gewesen sein. Abends saß ich Zuhause im Wohnzimmer und habe noch am Laptop eine E-Mail zum Magneten-Kredit geschrieben, als mal wieder die Feuerglocke geklingelt hat. Ich habe noch schnell meine Klamotten gewechselt, den Laptop zugeklappt und bin dann zusammen mit Raphael ausgerückt zum Feuer. Die Tür nach hinten habe ich noch geprüft ob sie verschlossen ist und danach hat Raphael auch die Vordertür abgeschlossen. Beim Feuer angekommen konnten wir auch schon wieder umdrehen. Es war nur ein sehr kleines Feuer und schnell gelöscht. Auf dem Rückweg haben wir uns dann noch ein wenig verquatscht. Zuhause war erst nichts auffällig. Die Tür war verschlossen. Also haben wir sie aufgeschlossen. Sofort ist mir aber ins Auge gefallen, dass der Laptop nicht mehr da war, wo wir ihn verlassen hatten. Oder hatten wir ihn doch wo anders hingetan? Schnell alles abgesucht. Keine Spur. Er war gestohlen worden. Alles andere war aber noch da. Alle Türen verschlossen. Fenster ohne Spuren. Ein blitzsauberer Einbruch. Das Feuer ein Trick? Mein Zimmer schließe ich immer ab, aber das von Raphael stand auf. Sein Laptop auf dem Bett. Nichts angerührt. Es musste jemand mit einem Schlüssel gewesen sein. Schnell Hepi, unsere Haushälterin angerufen, ob sie ihren Schlüssel hat. Auch der war da. Danach wurde Nyambulapi angerufen, der auch sofort kam. Er rief Mr. Maseleka an, der ein paar Minuten danach auch vor der Tür stand. Alle ein wenig ratlos, aber sicher, dass es einer der Schüler gewesen sein musste. Sie wollten alle Namen der Schüler wissen, die irgendwann bei uns waren.

Das gestaltet sich aber schwierig. Nicht, dass wir so viele Leute zu uns einladen würden, aber es kommt schon mal öfters jemand vorbei. Zudem empfängt auch Hepi Gäste bei uns. Nyambulapi meint es wäre einfach unseren Schlüssel nachzumachen. Ein Stück Seife zum Abdruck machen reicht. Außerdem sei auch unser Schlüssel nicht mehr das Original, sondern nachgemacht und ich muss auch zugeben es ist ein einfaches Fabrikat, das man wahrscheinlich mit einer Feile aus einem Stück Blech in 10min herstellen kann. Ob wir den Dieb finden, mag ich zu bezweifeln. Seltsam ist auch, dass der Dieb danach die Tür wieder abgeschlossen haben muss. Trotzdem sind die Schlösser jetzt auch ausgetauscht. Vorher war in der Haustür das gleiche billige Schloss verbaut wie in der Toilette. Zudem schon seit Jahren. Wer weiß wie oft schon irgendwelche Schlüssel verloren wurden, oder durch die verschiedensten Hände gegangen sind. Auch jetzt in der Renovierungsaktion vor unserer Ankunft, die von den Schülern durchgeführt wurde… Wir haben jetzt in jedem Fall ein Verbot Leute in unserem Haus zu empfangen. Es soll auch keiner den neuen Schlüssel bekommen außer mir und Raphael und ich werde auch weiterhin mein Zimmer abschließen. Der Laptop gehört der DTP und war für die Arbeit gedacht. Raphael und ich haben auch noch eigene Laptops dabei, sodass wir wenigstens weiterhin Zugriff zu Internet etc. haben. Ich bin auch froh, dass ich an dem Morgen noch den Arbeitsplan abgeschickt habe. Sonst wäre jetzt alles weg und die Kreditfrage immer noch nicht geklärt. Bleibt das blöde Gefühl, dass wir uns nicht sicher sind, ob der Dieb wirklich durch die Tür gekommen ist und, dass es jemand von den Schülern sein kann, mit denen wir jeden Tag umgeben sind. Wichtig nur, dass jetzt kein Generalverdacht entsteht.

Ich freu mich auch schon auf den nächsten Feueralarm, nur dass ich dann Zuhause bleibe, das Licht ausmache und warte. Ein bisschen müssen wir vielleicht auch die Schuld bei uns suchen, ohne jetzt den Dieb zu schützen. Der Laptop stand meistens im Wohnzimmer und kann dementsprechende Begierden geweckt haben. Gelegenheit macht Diebe. Ein Grund, warum mein Laptop bisher immer in meinem Zimmer geblieben ist und wohl auch bleiben wird. Da wir mittlerweile viele Schüler gut kennen wird aktuell auch eine Jagd nach den Dieb/en gemacht. Die Schüler sind auch überzeugt, dass es einer der Ihrigen sein muss und Diebe werden überhaupt nicht gerne gesehen. Auf der Rückfahrt von unserem Matema-Wochenende bin ich auch schon Zeuge davon geworden, wie schnell sich ein Mob um einen Dieb bildet und der Dieb auf brutalste Art und Weise zusammengeschlagen wird. Dass der Dieb dabei stirbt ist nicht selten. Selbstjustiz ist ein probates Mittel, wo auf die Polizei oftmals als korrupt gilt und wo für sein Hab und Gut so hart gearbeitet werden muss. Weiterhin ist mit dem Laptop so erst einmal nicht viel anzufangen. Der Akku ist komplett defekt und das Netzteil wurde bei uns gelassen. Zeichen für Unwissenheit, oder große Hast!?

Weiterhin kann ich jetzt auch ein wenig verstehen, warum sich die Leute hier oft so verschanzen. Alle Fenster haben Gitter eingebaut und in Dar es Salaam stehen um die meisten Häuser hohe Mauern, die oben mit Glasscherben oder sogar Stromzäunen bestückt sind. Die Leute sperren sich von ihrer Außenwelt ab, um ihr Eigentum zu schützen. Dies ist tatsächlich etwas worauf ich gerne verzichten kann.

Trotzdem hatten wir Glück im Unglück, dass nur der eine Laptop weggekommen ist. Unsere Dokumente sind noch da und auch die anderen Wertsachen sind  unberührt. Ich hoffe nur in Zukunft werden wir nicht nochmal in Kontakt mit so einem Vorfall kommen, zudem denke ich, dass wir nicht vielmehr machen können als unsere Türen gut abzuschließen. Zumindest haben jetzt die meisten Schüler und Lehrer ein wachsames Auge auf uns und unser Haus...
P.S.: Heute Abend hat es das erste Mal geregnet, seitdem wir in Mafinga sind. Leider ist damit jetzt auch unser Strom weg. Nichtsdestotrotz habe ich mich riesig gefreut. Ich frage mich, ob man sich in Deutschland im Moment wohl auch so über Regen freuen kann. In der Werkstatt habe ich heute schon meine kelien meteorologischen Kenntnisse spielen lassen und gesagt, dass es bald regnen wird. Daraufhin hat mich eben mit einsetzendem Regeneine SMS ereilt, dass ich eine Zauberer bin. Mal schauen was ich mit meinen neugewonnen Zauberkräften noch anstellen kann. Ich schick euch noch ein Bild von unserem Abendessen im Solarlampenlicht.

Samstag, 13. November 2010

Von Erfolgen und Erlebnissen

Und wieder gibt es viel zu berichten. Nachdem ich dachte wir könnten hier tatsächlich in eine Art Alltag verfallen muss ich das jetzt revidieren. In Kurzform: Wir haben es endlich geschafft die Zusage für den Magneten-Kredit zu erwirken, außerdem hatten wir einen 3-tägigen Besuch von unserer Koordinatorin aus Dar es Salaam, bei dem mir nochmal einige Dinge klar geworden sind und nicht zuletzt möchte ich noch wie versprochen von der Abschlussfeier der Schüler berichten. Leider gibt es aber auch erstmals schlechte Nachrichten, denn in unser Haus wurde eingebrochen.


Ich fange mal chronologisch an: Die Abschlussfeier der Schüler. Mittlerweile ist die Feier schon fast 2 Wochen her. Schon Tage vorher fingen die Schüler mit den Vorbereitungen für die Feier an. Der Unterricht wurde komplett ausgesetzt. Es wurden Pfähle eingegraben über die Tücher gespannt wurden, sodass eine große abgeschattete Sitzfläche entstand. Außerdem wurde eine Bühne geschmückt. Kleine Bananenpflanzen wurden aufgestellt, die komplette Schule bis auf das Letzte gesäubert. Dafür wurden Dutzende kleine Brände gelegt um das Gras oder Müll zu verbrennen und die Beete wurden mal wieder auf Vordermann gebracht.

Am Tag der Feier habe ich zusammen mit Raphael und ein paar anderen Schüler die Aufgabe der Empfangsdamen übernommen. Wir haben alle eintreffenden Gäste abgefangen, denn die durften sich erst einmal im Gästebuch verewigen bevor wir ihnen einen Platz zugewiesen haben. So richtig kam ich aber gar nicht zu meiner Aufgabe, denn ich hatte einen Fehler gemacht: Ich hatte meine Kamera mitgenommen und war die meiste Zeit damit beschäftigt irgendwen abzulichten. So wurde ich auch zum persönlichen Fotografen einiger Schüler, die alles auf meiner SD-Karte festgehalten sehen wollten. Am Ende des Tages hatte ich so 400 Fotos zusammen. Ich habe daraus gelernt meine Kamera lieber wieder Zuhause unter Verschluss zu lassen, aber ihr profitiert dafür jetzt umso mehr davon. Rechts seht ihr einige Fotos in einer Diashow durchlaufen (nur auf meinem Blog).

Aber nun zum eigentlichen Ablauf. Etwa 25 Schüler feierten ihren Abschluss. Anfangs liefen sie ein, wobei getanzt und gesungen wurde. Dann gab es erst einmal einen ausgiebigen Gottesdienst, schließlich sind wir an einer kirchlichen Schule
und der Bischof war auch mit von der Partie. Zwischendurch performte ein extra eingeladener Chor immer mal wieder eins ihrer Stücke (Playback versteht sich). Eine große Musikanlage war natürlich auch aufgebaut. Dann holten sich die Schüler noch alle ihren Segen ab. Im Anschluss an den Gottesdienst konnten sich die Angehörigen ein Bild davon machen, was ihre Söhne und Töchter denn alles gebaut haben in ihrer Ausbildung. Vor der Schule war eine kleine Präsentationsfläche aufgebaut worden. Danach kam dann der formelle Teil und alle nahmen wieder Platz. Viele Ehrengäste waren geladen, die alle noch eine lange Rede zum Besten gaben bevor dann die Zertifikate verteilt wurden. Insgesamt eine sehr langatmige Veranstaltung. Danach gab es für alle Pilau, DAS Gericht für Feierlichkeiten in Tansania. Wirklich lecker. Reis mit aller Art Gewürzen und Gemüse und je nach Belieben noch mit Fleisch- und Fischbeilagen. Raphael und mir kam die Ehre zu Teil zusammen mit den Ehrengästen am Ehrentisch zu speisen. Da gab es dann sogar Hühnchen und Fleisch zum Pilau. Noch ein wenig Shakehands mit allen Beteiligten, ich meine wann schüttelt man schon mal einem echten Bischof die Hand und hält einen kurzen Plausch? Außerdem gab es noch Limonade für alle Beteiligten. Ich habe mich gefragt, warum für sowas Geld vorhanden ist, für dringend benötigtes Material in der Werkstatt aber nicht? Die Frage lasse ich mal im Raum stehen und auch ansonsten lasse ich jetzt mal die Bilder sprechen.


In der Woche darauf hat Mr. Maseleka, nachdem er aus dem Krankenhaus zurückgekehrt ist der Kreditsache nochmal Nachdruck verliehen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn Nyambulapi hatte andere Dinge zu tun und das Ganze ein wenig aus den Augen verloren. Wir haben zwar immer wieder versucht ihn zu erinnern und unsere Hilfe angeboten, aber es kam nicht dazu die letzen Anforderungen für den Kredit noch zu bearbeiten und außerdem fehlten wichtige Informationen zu Interessenten, die bei Mr. Maseleka lagerten und der war nun mal einige Zeit nicht da.

Mitte der Woche haben wir die Zusage zum Kredit bekommen und die Bestellung ist von Mr. Maseleka auch schon soweit vorbereitet, dass es jetzt endlich voran gehen kann. Wir haben gemeinsam einen relativ detaillierten Arbeitsplan geschrieben. Noch vor ein paar Wochen dachte ich einen solchen Plan zu verfassen ist reine Fassade, schließlich hatte ich den Eindruck, dass Planen bei der Materialzufuhr etc. praktisch unmöglich ist. Mittlerweile, nachdem wir gesehen haben, dass die Probleme hier nicht im Technischen/Handwerklichen liegen, sondern ganz klar im Organisatorischen bin ich mir aber sicher, dass der Arbeitsplan eine gute Idee ist. Wir versuchen jetzt diese Art des planerischen Denkens und Arbeitens hier in der Praxis. Der Ausgang ist noch unklar. Den Plan wollen wir jetzt ausdrucken und in der Werkstatt aufhängen. In Absprache mit Nyambulapi und Mr. Maseleka haben wir uns darauf geeinigt ein Bonussystem zu installieren. Am Ende eines jeden Monats wird geschaut, ob alle Aufgaben erledigt wurden und wenn dies so ist, wird eine Gewinnbeteiligung ausgeschüttet. Außerdem haben wir im neuen Plan viel mehr die anderen Arbeiten berücksichtig, da die Gewinne daraus essenziell für den Materialkauf sind. Ich bin gespannt auf den Ausgang dieses Experiments!

Die Produktion in der Werkstatt ist mittlerweile auch recht gut angelaufen. Die Schüler sind mittlerweile alle aktiv und Nyambulapi ist ihnen ein guter Anweiser. Erste Dinge wurden verkauft und Material wieder gekauft. Wir bauen auch an einem ersten kleinen Windrad, das Demonstrationszwecken dienen soll. Ende nächster Woche ist die erste Dorf-Präsentation. 10 sind bis Ende nächsten Jahres fest angesetzt. Mr. Maseleka zeigt sogar den Willen noch mehr zu machen und hat unsere Idee eines Promotionsdays am Busstendi in Mafinga positiv aufgefasst und plant ihn noch bis Ende diesen Jahres umzusetzen. Mal sehen was draus wird. Olivia hat uns aber ermutigt in der Hinsicht Druck zu machen, womit ich auch beim nächsten Punkt wäre.


Die letzten drei Tage war Olivia bei uns. Olivia ist unsere tansanische Mama, wie sie gerne sagt. Sie koordiniert unser Jahr von tansanischer Seite und passt auf uns auf und hat immer ein offenes Ohr für uns. Jetzt war sie bei uns, um sich ein Bild davon zu machen was bei uns so vor sich geht. Sie hat uns zu allen möglichen Belangen ausgefragt und Anregungen gegeben. Vorher dachte ich ihr Besuch ist zu früh, schließlich sind wir nach dem Seminar in Dar im Vergleich zu allen anderen Freiwilligen am kürzesten in unserer Einsatzstelle und trotzdem waren wir ihre erste Station. Aber sie hat uns genau die richtigen Anregungen gegeben. Sie hat ein wenig die Sorge, dass wir in der Werkstatt versauern und sie ist berechtigterweise ein großer Fan von Dorf-Präsentationen.  Außerdem hat sie uns die Idee unterbreitet in die umliegenden Schulen zu gehen und über erneuerbare Energien und Umweltschutz zu predigen. Die Sache mit den Dorf-Präsentationen hatten wir zwar auch schon vorher in unseren Arbeitsplan aufgenommen, aber aus den Erfahrungen der letzten Jahre hat sie diesen wohl im Gespräch mit Mr. Maseleka noch einmal richtig Nachdruck verliehen. Was die Dorf-Präsentationen sind kann ich dann hoffentlich Ende nächster Woche nach unserer ersten Präsentation berichten. In Kurzform geht es darum unsere Produkte rund um erneuerbare Energien in den Dörfern zu verbreiten, wo kein Stromanschluss besteht. Mehr dazu hoffentlich nächste Woche nach erfolgreicher Präsentation.

Die Sache mit dem Einbruch in unser Haus packe ich morgen oder übermorgen in einen extra Eintrag. Geschrieben ist er schon. Ich denke aber sonst wird der Eintrag zu lang und zum anderen finde ich es gut, die Erfahrung ein wenig abzulösen von dem Rest, denn es ist bisher eine absolute Einzelerfahrung.


P.S.: In meinem Fotoalbum gibt es auch noch Fotos von einem bereits im Januar aufgestelltem Windrad in einem Nachbardorf namens Ikungus. Ich habe leider völlig versäumt vom Besuch von Roland zu berichten, der vor drei Wochen hier war. Zur Erinnerung: Roland war unser Lehrer in Dar zum Thema Windräder. Mit ihm zusammen sind wir auch nach Ikungus gefahren. Wenn ich es schaffe, dann schreibe ich diese Woche noch einen Eintrag dazu, aber es erwartet uns eine Menge Arbeit…

Samstag, 6. November 2010

Die Wahlergebnisse

Wie versprochen möchte ich euch jetzt auch über die Wahlergebnisse informieren, die erst seit gestern (Freitag) offiziell sind. Die ganze Woche über hingen die Menschen hier an den Radios, um immer die aktuellen Ergebnisse zu erfahren und selbst an den Fernsehgeräten wurde zeitweise von Championsleague auf Wahlergebnisse umgeschaltet. Nach und nach wurden die Wahlergebnisse der insgesamt über 200 Wahlbezirke Tansanias vorgelesen, wobei bei manchen die Ergebnisse schon am Montag da waren und bei anderen, zumeist aus ländlicheren Regionen, erst einige Tage später. Und ich glaube ich kann sagen es tut sich was in Tansania!

Eine Opposition formiert sich. Jakaye Kikwete, der seit 2005 amtierende Präsident ist zwar wie erwartet heute in seine zweite Amtszeit verabschiedet worden und feiert dies natürlich als großen Erfolg, aber nichtsdestotrotz hat er große Verluste hinzunehmen. Er erhielt gerade einmal 61% der Stimmen (Im Vergleich 2005 waren es noch über 80%), hingegen wählten 26% der Wähler den Gegenkandidaten der CHADEMA Wilbrod Slaa. Trotzdem war sein Sieg nicht gefährdet, da wie im letzten Beitrag erwähnt der Präsident im Direktwahlsystem ermittelt wird und somit die meisten Wahlbezirke letztendlich doch an Kikwete gingen. Aber gerade die urbanen Gegenden gingen vermehrt in die Hand von Dr. Slaa. Dazu zählt auch Iringa, die Stadt, die wir am Wahltag aufgesucht haben um Wahlluft zu schnuppern. Mein Eindruck von der Befragung einiger Einheimischen war also gar nicht so falsch. Vielleicht ist das Ergbins aber auch durch die niedrigste Wahlbeteiligung in der tansanischen Geschichte zu erklären. Nur 43% der 20mio. registrierten Wählern haben eine Stimme abgegeben. Dies ist ebenfalls ein Phänomen, dass ich hier gut bei uns beobachten konnte. Vielen Schülern hier z.B. war es nicht möglich zu Wählen, da sie dafür in ihren Heimatort hätten fahren müssen und das ist einfach nicht finanzierbar. Zudem haben sich einige auch noch gar nicht registriert.

Mafinga ist relativ klar in die Hand von Kikwete gefallen. Noch klarer war dies meistens in den noch ländlicheren Gegenden Tansanias. Für mich ein weiteres Indiz dafür, dass es es die Oppositionsparteien noch schwer haben sich im großen Land Tansania richtig zu formieren. Trotzdem denke ich ist diese Wahl ein riesiger Erfolg für die Opposition. Ich könnte mir vorstellen, dass sie dadurch an Fahrt aufnimmt zumal man bedenken muss, dass dies erst die vierten Wahlen waren, bei denen mehr Parteien als nur die CCM zur Wahl standen, denn erst seit 1995 besteht in Tansania das Mehrparteiensystem.

An dieser Stelle muss ich mich entschuldigen, dass ich nicht so viele Informationen über die Wahlen auf Sansibar liefern kann. Sansibar hat nochmal eine Sonderstellung, da teilautonom und kulturell anders geprägt.
Sansibar ist großteils muslimisch und die stärkste Oppositionspartei dort ist die CUF, die schon in den letzten Jahren immer mit um die Mehrheit gekämpft hat. Vielleicht auch deshalb heißt es, dass es auf Sansibar bei den Wahlen ein wenig anders hergeht und es bei vergangenen Wahlen sogar zu Ausschreitungen kam. Bei diesen Wahlen hat ebenfalls die CCM gewonnen mit nur 4000 Stimmen mehr. Soweit ich weiß blieb es aber ruhig, was vielleicht auch an einer vor der Wahl getroffenen Abstimmung liegt, die besagt dass eine gemeinsame Regierung von CUF und CCM auf Sansibar gebildet wird. Diese Abstimmung hat glaube ich die Brisanz genommen.

Aber es wurde ja nicht nur ein Präsident gewählt, sondern auch das Parlament.
Die Daten die ich dazu haben sind leider noch nicht die endgültigen. Am Dienstag hieß es, dass die CCM 188 der 239 Sitz im Parlament bekommen hat. Weitere 29 gingen an die Opposition auf dem Festland und 22 an die Opposition auf Sansibar.

Insgesamt hören sich für mich die Wahlergebnisse so an, als wenn keine großen Fälschungen vonstatten gegangen sind. Trotzdem bezweifelt der CHADEMA-Kandidat Dr.Slaa das Ergebnis und verweist auf die langen Auszählungen, die mancherorts auch wohl dazu geführt haben sollen, dass sich Jugendliche vor den Büros der Auszählungskommission versammelt haben. Es wird vorgeworfen, dass bei der Auszählung die Ergebnisse zu Gunsten der CCM schöngerechnet wurden und angeblich will man dies auch mit Umfragen direkt nach der Wahl belegen können. Wieviel da aber nun wirklich dran ist kann ich nicht sagen. Als kleine Randnotiz dazu: Von internationalen Beobachtern wird Zufriedenheit über die Wahl geäußert. Die Wahlen in Tansania seien "friedliche, geordnete und gut organisiert" gewesen, sagte Paul East, Chef der Beobachtermission des Commonwealth, mit Ausnahme von "einiger Unregelmäßigkeiten, wie Wähler die nicht finden deren Namen auf der Liste Wähler. "
"Wir beobachteten auch die Zählung, die nach den Regeln durchgeführt wurde. Das ist eine ziemlich gut organisierte Wahl", schloss Herr Osten.

Übrigens ist eins der Hauptziele der neuen (alten) Regierung die Armutsrate bis Ende der Legislaturperiode 2015 von ca. 50% auf 30% zu senken. Also dann mal an die Arbeit...

In der Schule habe ich gelernt, zu einem fundiertem Bericht gehören auch gute und fundierte Quellen:
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,6195348,00.html
http://af.reuters.com/article/topNews/idAFJOE6A505920101106?pageNumber=1&virtualBrandChannel=0
http://www.bloomberg.com/news/2010-11-06/tanzania-s-kikwete-is-sworn-in-for-a-second-presidential-term.html