Sonntag, 24. Oktober 2010

Lebenszeichen

Ja, ich lebe noch. 2 Monate bin ich jetzt in Tansania – einen habe ich in Dar es Salaam verbracht, den zweiten in Mafinga. Die Dinge werden gewohnter, die Arbeit geordneter, ich merke ein Alltag zieht ein und die Zeit verfliegt. Gar nicht so einfach da noch Material für regelmäßige Blogberichte zu finden. Nicht das mir hier nicht mit vielen Dingen konfrontiert wäre, die alle einzeln einen Bericht Wert wären, aber mein Blick darauf hat sich schon geändert. Ich bin nicht mehr der aussenstehende Zuschauer, der die Dinge beobachtet, sondern mittlerweile immer mehr Teilnehmer. Ob beim Fußballtraining, bei der Arbeit, im Chor, beim Essen mit den Schülern, ich bin dabei, führe Gespräche, auch wenn noch immer in gebrochenen Kiswahili, aber ich werde verstanden und ich verstehe viel. Viele Dinge sind so schnell zur Normalität geworden, dass ich gar nicht richtig darüber schreiben kann. Am Anfang meines Aufenthalts hatte ich immer schon viele Dinge im Kopf, die mir ungewöhnlich erschienen und die ich teilen wollte. Jetzt muss ich mich erst hinsetzen und überlegen, was könnte die Leute daheim interessieren. Zudem bin ich natürlich mittlerweile auch ganz anders eingebunden und finde viel seltener die Zeit mich mal hinzusetzen. Da will noch die Unterwäsche gewaschen werden, denn die Socken sind mittlerweile echt unansehlich, oder der Nachbar kommt vorbei und man trinkt eine Tasse Tee. Die Schweine haben hunger und wollen gefüttert werden und das Training hat auch schon angefangen. Na gut, Stress gibt es hier nun auch nicht, aber man nimmt sich halt die Zeit für einen kleinen Plausch, einen Tee, etc...

Deshalb habe ich mir gedacht fange ich jetzt nach den ganzen Erlebnissberichten aus der Anfangszeit an auch mal ein paar Informationen zu Tansania zu streuen, schließlich ist den meisten in Deutschland gar nicht so richtig bewusst, was sich hinter dem schönen Namen für ein schönes Land versteckt. Diese Berichte werde ich jetzt immer mal zwischendurch einwerfen. Anfangen werde ich innerhalb dieser Woche mit ein paar Infos zur Politik und meiner Wahrnehmung zur aktuellen Lage so kurz vor der Wahl. Schließlich sind nächsten Sonntag allgemeine Wahlen in Tansania. Auf einen Bericht übers dalla-Fahren dürft ihr euch auch schon freuen. Nichtsdestotrotz werde ich euch aber auch weiterhin mit Dingen aus meinem Leben und über meine Arbeit hier versorgen und damit mache ich jetzt auch mal weiter:

Mein letzter Bericht war über einen Buschbrand hier auf dem Schulgelände. Und gebrannt hat es in den letzten Tagen auch noch des Öfteren, sodass wir mittlerweile geübte Feuerwehrmänner sind. Wir haben 7 Tage die Woche rund um die Uhr Bereitschaftsdienst und rücken immer zu Fuß und in Heerscharen aus, wenn es mal wieder irgendwo brennt. Der Spaß (paradox?) geht dabei aber nie verloren und die Kommandos sind mittlerweile bekannt. Und gelegentlich ernte ich noch immer Spott dafür, dass ich hier Feuer fotografiert habe, eine der normalsten Sachen in dieser Zeit und mittlerweile muss ich auch schon über mich selber lachen, wie ich dahinter eine Sensation vermuten konnte. Trotzdem kam es seitdem nicht wieder zu so einem großen Brand und der Schulbetrieb wurde auch bisher nicht groß dadurch gestört, denn meistens klingelte die Glocke entweder bei Nacht, oder in der Mittagspause.

So haben Rapha und ich arbeitstechnisch in den letzten eineinhalb Wochen auch richtig was geschafft. Im Moment sind wir nachdem wir vormals den Nachmittag zum Kiswahili lernen genutzt haben auf Nachfrage der Fundis Vollzeit in der Werkstatt beschäftigt und arbeiten an den Solartankheatern. Mittlerweile sind uns die Maße und Handgriffe bekannt und die letzten 2 Tage haben wir alleine einen Heater fertiggestellt, da Kisukuli im Moment auf Familienbesuch ist und die anderen fundis und Schüler im Moment nicht in der Werkstatt arbeiten. Für uns ist das im Moment eine schöne Beschäftigung und wir können dabei viel lernen und zeigen, dass wir was können. Generell ist die Sinnhaftigkeit dahinter aber schwer zu begründen. Die Solartankheater müssen fertiggestellt werden, da der Platz in der Werkstatt und das Geld für den Bau der Windgeneratoren benötigt wird. Andererseits können die tansanische Fundis diese Arbeit auch ausführen. Warum also Arbeit, oder sogar Arbeitsplätze wegnehmen. Das wäre das letzte was wir wollen. Außerdem würde ich mir manchmal ein wenig mehr Engagement vor allem von Nyambulapi wünschen. Kisukuli arbeitet treu an den Heatern, auch wenn mit Augenmaß und Erick, der dritte Handwerker (und mittlerweile Lehrer) im Bunde, baut zusammen mit den Schülern eine Biogasanlage. Nyambulapi hat auch viele andere Dinge zu tun, aber trotzdem könnte er sich ruhig öfter in der Werkstatt blicken lassen.

Wir denken uns trotzdem für den Moment ist der Bau der Heater noch eine Art Eingewöhnungsphase und gehört zur Vorbereitung auf den Windradbau. Das Geld für die Magneten ist mittlerweile auf deutscher Seite verfügbar, aber es hapert immer noch an Auflagen. Es gibt neue Fragen, die noch nach Antworten suchen, was sich wiederum schwierig gestaltet, weil Mr. Maseleka mittlerweile seit einer guten Woche weg ist und auch noch nicht abzusehen ist, wann er zurückkommt. Er ist aber der einzige, der über die Kontaktdaten zu Interessenten aus der Vergangenheit verfügt, die es jetzt zu reaktivieren gilt. Da die Kommunikation sinnvollerweise größtenteils über Nyambulapi läuft, erfahren wir wenn überhaupt immer erst mit Verzögerung von Neuerungen und bis eine E-Mail beantwortet ist dauert es dann schonmal einige Tage. Trotzdem geht das ganze langsam seinen Weg. Wie realistisch das Endziel dabei bleibt ist mir aber im Moment unklar. Dafür gibt es noch zu viele offene Fragen und die finanzielle Situation lässt ebenfalls nicht den kleinsten Sprung zu. Im Moment zum Beispiel können wir in der Werkstatt nicht richtig arbeiten, weil keine Schweißelektroden mehr vorhanden sind, ohne die der Bau der Heater unmöglich ist. Unser Department hat kein Geld dafür. Nyambulapi hat jetzt bei der Schulverwaltung nach Geld gefragt. Bisher gibt es noch keine Antwort...

Rapha und ich uns eine Auszeit gegönnt und sind runtergefahren an den Lake Nyasa (Malawi See sollte man nicht sagen). Donnerstag war nämlich nationaler Feiertag und Freitag haben wir uns frei genommen. Wieder eine unvergesslich schöne Erfahrung. Wir haben uns in Kyela mit den beiden anderen Freiwilligen des südlichen Tansanias getroffen und sind gemeinsam in das verschlafene Örtchen Matema gefahren. Dort haben wir mal richtig entspannt und die Möglichkeit genutzt ausgiebig Doppelkopf zu spielen. Das aufregendste an dem Wochenende waren wohl die Fahrten inkl. neuem Dalla-Rekord: 19 Erwachsene in einem 9-Sitzer. Viele Fotos sind nicht entstanden. Hier ein kleiner Vorgeschmack. Für mehr möchte ich auf den Blog von Jan (obwohl Herforder) verweisen. (http://jankristen.blogspot.com/2010/10/matema-zum-zweiten.html) Generell eine gute Idee sich mal die Blogs von meinen Mitfreiwilligen anzuschauen. Zuweilen mindestens genauso interessant wie meiner.

So dann Feierabend für heute. Heute waren wir mit dem Chor in einer anderen Kirche an der anderen Seite der Stadt. Ganz schön viel Lauferei, aber wie jeder Schritt hier wieder mal lohnenswert. Auch wenn ich ehrlichgesagt nicht so aktiv im Chor bin. Wahrscheinlich ist das auch besser so. Rapha ist dafür umso regelmäßiger dabei. Ich ziehe da lieber den Fußball vor, wo dieses Wochenende die Saison begonnen hat. Aber mit der Hand heißt es erstmal wieder warten, das lernt man aber auch schnell. Ihr sollt aber nicht wieder so lange warten und hört bald wieder was von mir... Grüßt mir die erste Heimat!

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