Dienstag, 12. Oktober 2010

Kuzima Moto - Die Feuerprobe

zu Deutsch: Feuer löschen. Witziger weise habe ich diese Vokabel noch gestern Nachmittag in unserer täglichen Kiswahili Einheit gelernt. Sie war auf einer der vielen Vokabellisten, die wir mitgebracht haben und die jetzt so langsam alle ins Gedächtnis überwandern sollen. Ich dachte noch diese Vokabel ist bestimmt einer der weniger wichtigen Vokabeln. Getäuscht!


Gestern Abend sitzen Raphael und ich nichtsahnend draußen auf unser Dach, ein Platz den unsere Vorgänger uns als After-Work Platz empfohlen haben, um dort unsere unregelmäßige "aktuelle Stunde" abzuhalten, die wir dafür nutzen unsere Gedanken zu teilen und offen Kritik und Verbesserungsvorschläge zu äußern. Es ist so gegen 9 Uhr und wir schauen in den schönsten Sternenhimmel, ich habe sogar meine Kamera mit hochgenommen, um den ein oder anderen schönen Schnappschuss zu machen. Doch in eine Richtung war es komischerweise noch nicht dunkel. Ein kurzes Grübeln über die Himmelsrichtungen zeigt, dass es schon ungefähr Westen oder Nordwesten sein könnte, aber dass man die Reste des Sonnenlichtes noch um diese Zeit sieht schien uns sehr unwahrscheinlich. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass Rauch hochsteigt und durch die Bäume sind sogar Flammen zu sehen. Es brennt! Schon fast nichts Besonderes mehr. Andauernd läuft man hier an schwarzen Landstücken vorbei und sowieso sind wir an den Geruch von Feuer mittlerweile gewöhnt, schließlich wird Feuer täglich zum Kochen oder zur Müllentsorgen auf tansanische Art genutzt. Aber diesmal ist es wirklich nah, vielleicht 200-300m Luftlinie und so klein scheint es auch nicht zu sein. Ehe der Entschluss steht sich das mal näher anzuschauen läutete auch schon die Kirchenglocke der Schule. Gottesdienst um diese Zeit ist eher ungewöhnlich und so ist gleich klar es war der Feueralarm. Schnell ist helle Aufregung auf dem Schulgelände und die Schüler marschierten in Richtung Feuer und wir sitzen auf unserem Dach, als Zuschauer. Noch.


Das Feuer noch von Weitem
Eine 500m lange Feuerwand
Natürlich ist jetzt unsere Neugierde geweckt. Ein bisschen bedenken habe ich schon, schließlich können wir das Feuer von unserem Dach aus sehen. Wir kraxeln vom Dach schnappen schnell noch zwei Taschenlampen und folgen dem Pulk. Wir müssen nicht weit gehen um die Ausmaße zu sehen. Eine Feuerwand von bestimmt 500m frießt sich durch das trockene Grasland und hat auch schon ein großes Stück an Land in schwarze Ebene verwandelt. Die Schüler bewaffnen sich mit ausgeriessenen kleinen Bäumen oder Stöckern und fangen an auf das Feuer einzuschlagen. Die Lehrer koordinieren und sogar Mr. Maseleka ist mit einem Baum ausgestattet ganz vorne mit dabei. Da ich ja auch noch die Kamera dabei habe kann ich auch schnell noch ein paar Bilder machen, bevor ich mich dann selber mit einem großen Stock bewaffne. Der Wind treibt das Feuer glücklicherweise von unserer Schule weg. Nichtsdestotrotz macht er uns teils echt zu schaffen. So lange er bläst können wir nur den Rückzug vom Feuer antreten. Sobald aber mal eine kleine Flaute ist rennen wir mit vielleicht 30 Leuten gleichzeitig unter Schlachtrufen auf das Feuer los und preschten so schnell drauf ein, wie wir nur können, um schnell wieder zu weichen, wenn der Wind wieder auffrischt. Dadurch verkürzen wir die Feuerwand immer weiter, bis wir das Feuer am Ende besiegen. Um ca. 1:00 ist die Löschaktion beendet. Eine Fläche von schätzungsweise über einem Quadratkilometer ist eingeebnet. Trotzdem hatten wir paradoxer Weise Spaß an der Löschaktion und auch die Schüler haben sich teilweise gefreut, andere versteckten sich im Gras um sich zu drücken oder sind gar nicht erst gekommen. Ich war noch skeptisch, ob das Feuer denn jetzt wirklich endgültig ausblieb, aber auch froh von der kräftezehrenden Aktion ins Bett zu kommen, zumal ich zuvor schon am Training teilgenommen habe, dessen Tempo ich noch nicht ganz teilen kann. Aber bis zum nächsten Morgen haben wir nichts mehr gehört.


Heute Morgen kämpften wir uns dann aus dem Bett und frühstückten. Die Kirche haben wir heute ausnahmsweise sausen lassen. Wir wollten schon zur Arbeit gehen, da erklang wieder die Glocke. Wieder stampften wir alle zusammen zum Feuer, heute aber wirklich alle. Das Feuer hatte sich doch nochmal wieder entfacht. Diesmal aber lange nicht so groß wie gestern. Und es war echt witzig zu sehen, wie vielleicht 70 Leute gleichzeitig auf die kleine Feuerwand eindreschen. In Nullkommanix war das Feuer aus. Wir schritten nochmal die gesamte Fläche ab um sicher zu gehen und haben seitdem nichts mehr vom Feuer gehört. Darüber hinaus ist heute dann aber auch nicht mehr viel passiert. Der Schulbetrieb war weitgehend lahmgelegt und es wurde sich erholt. So haben wir heute Morgen zusammen mit Nyambulapi noch E-Mails bearbeitet, heute Nachmittag bin ich dann beim Vokabeln lernen eingeschlafen, beim dem Part des Tages, wo ich gestern das erste Mal in Kontakt mit "kuzima moto - Feuer löschen" gekommen bin. Eine Vokabel, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde.


Es heißt nächste Woche kommt der Regen. "Der Regen wird regnen", so die Ausdrucksweise. Dann hat sich das mit den Bränden erst mal wieder erledigt. Als ich heute Abend nochmal alleine über das schwarze Feld gelaufen bin und auch nochmal ein Foto geschossen habe war die Atmosphäre schon echt beeindruckend. Auf dem Rückweg habe ich schon das nächste kleinere Feuer gesehen. Diesmal aber nicht auf dem Schulgelände, zumindest hoffe ich das, denn jetzt bin ich erst mal müde und möchte heute früh ins Bett gehen. Es hat wohl auch nicht mehr viel gefehlt und die Armee von einer nahen Kaserne wäre ausgerückt um uns ebenfalls mit Stöckern bewaffnet bei den Löscharbeiten zu unterstützen. Das hätte ich doch ganz gerne gesehen. Im Nachhinein mache ich mir aber jetzt nicht so große Sorgen, dass uns hier was passieren kann, denn das Feuer hat nur das Grasland niedergebrannt. Die Bäume sind stehen geblieben. Und da das Schulgelände von vielen Bäumen umrandet ist, die allesamt noch schön grün sind und zwischen denen kein Gras steht kommt das Feuer wohl so schnell nicht zu uns.

Den Sternenhimmel habe ich auch noch versucht einzufangen. In seiner vollen Schönheit ist dies aber wohl unmöglich. Außerdem gibt's ein paar neue Fotos in meinem Mafinga-Fotoalbum.


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