Sonntag, 31. Oktober 2010

Uchaguzi – die Wahl

Heute waren Präsidentschaftswahlen in Tansania. Doch bevor ich euch davon berichte möchte ich mit ein paar Hauptfakten einen kurzen Einblick in das tansanische Politiksystem geben. Danach berichte ich dann vom heutigen Tag und von der Politikkultur, die ich bisher mitbekommen habe.

Erst seit 1964 besteht erst die junge Republik Tansania. Die Politiklandschaft wird sogar schon länger von der CCM, der Partei der Revolution geprägt, denn die Vorgängerpartei gewann  schon die ersten freien Wahlen 1958. Seitdem ist die CCM an der Macht. Sie besitzt im Moment 93% der Parlamentssitze und stellt mit Jakaya Kikwete den Präsidenten. Es besteht aber grundsätzlich ein Mehrparteiensystem mit aktuell 19 verschiedenen Parteien. Die bekanntesten Oppositionsparteien sind die Chadema, die besonders im Inland aktiv ist und die CUF, die auf Sansibar sogar um die Mehrheit kämpft. Die letzten Wahlen wurden von internationalen Beobachtern als frei und gerecht eingestuft. Durch das Direktwahlsystem hat die CCM klare Vorteile und zudem bezieht die CCM einen Großteil ihrer Wahlkampfgelder aus Staatskassen. Korruption ist ein großes Problem bis in die höchsten Ebenen, das immer wieder zu Skandalen führt. Wer mehr Fakten möchte kann mal ein wenig im Internet suchen, oder mal auf Lennys Blog vorbeischauen, der sowas wie der Experte in dem Bereich ist.

Soviel zu den Fakten, nun zu meinen Erfahrungen der letzten zwei Monate dazu. Aus Deutschland sind wir natürlich ein Mehrparteiensystem gewohnt und es besteht schnell die Gefahr Vergleiche mit einem Einparteienstaat wie die DDR zu ziehen. Formal ist es aber nun mal so, dass es jedem hier freisteht welche Partei er wählt. Deshalb stellte sich für mich anfangs die Frage, wie frei Politik, Meinung und Wahl wirklich sind. Zur Meinung glaube ich sagen zu können, dass tatsächlich Freiheit besteht. Ich war überrascht, wie oft, offen und kontrovers schon auf dem Windturbinensemniar in Dar über Politik diskutiert wurde. Jeden Morgen kam das Thema wieder auf den Tisch, dabei haben Chadema- wie CCM-Anhänger meist fair, aber bestimmt diskutiert. Natürlich hat sich nicht jeder beteiligt, sondern meist waren es die Älteren. Wenn ich aber einen der Jüngeren gefragt habe, so hatte jeder seine begründete Meinung dazu. Und es war keineswegs so, wie man vielleicht schnell denkt, dass die Jüngeren sich eher zur Chadema bekannten. Diese Art der Diskussionen habe ich auch hier in Mafinga wiedergefunden, Diskussionen, wie ich sie in Deutschland oft vermisse. Auch zum Thema Pressefreiheit sagte einst die Botschaftsreferentin „die Presse in Tansania ist frei, aber schlecht“. Das „schlecht“ würde ich zwar gerne mit „anders“ tauschen, aber sonst glaube ich das ist richtig. Schließlich liest man fast täglich von Korruptionsskandalen auf allen politischen Ebenen.
 
Also dachte ich mir es muss einen anderen Grund geben für die erdrückende Überlegenheit der CCM, die meiner Demokratievorstellung nach nicht wirklich förderlich sein kann. Schließlich belebt erst Konkurrenz das Geschäft. Auf Nachfragen habe ich die verschiedensten Theorien erfahren und ich denke an allen ist ein bisschen was dran. Welche am Ende den Ausschlag gibt, oder ob es die Mischung macht weiß wahrscheinlich niemand so genau:

Die zwei für mich Einleuchtendsten möchte ich euch kurz nennen. Ein genannter Grund, ist dass die Menschen Angst haben, dass es zu Unruhen kommen könnte, falls die CCM an Macht verliert. Schließlich gilt Tansania als der Ruheanker in Ostafrika mit dem stabilsten politischen System. Logischerweise kann ja auch nicht viel passieren, so lange nur eine Partei die Zügel in der Hand behält. Deshalb klingt die Begründung auch logisch für mich, zumal die Menschen sehr stolz auf ihr friedliches Zusammenleben zwischen den vielen verschiedenen Ethnien und Religionen in Tansania sind und dies auf keinen Fall gefährden wollen. Außerdem wurde mir gesagt, dass die CCM teilweise bewusst propagiert, dass die anderen Parteien, wie die Chadema Unruhe schaffen würden. Da wären wir auch schon beim nächsten möglichen Grund, für die Parteienlandschaft, die Informationspolitik.

Die CCM ist die einzige Partei, die von allen Menschen in Tansania wirklich gekannt wird, denn die CCM besteht schon lange und wird noch immer mit dem Staatsidol Julius Nyerere in Verbindung gebracht, der lange Zeit Präsident war und zudem für die Einheit Tansanias steht. Tansania ist ein riesiges Land und vor allem in den ruralen Gebieten sind die anderen Parteien noch nicht richtig vorgedrungen, da es an Mannschaft und Geld mangelt. Die CCM hingegen ist bekannt und hat die Möglichkeiten beispielsweise über das Radio ihre Botschaften abzusetzen. So kommt es, dass in dörflichen Regionen einfach keiner was mit dem Namen Dr. Slaa, der Gegenkandidat der Chadema, anfangen kann und deshalb lieber die CCM wählen.

Also Gründe wären gefunden, warum die CCM so sehr dominiert. Trotzdem bietet sich mir im Moment ein anderes Bild, womit wir auch schon bei den heutigen Wahlen wären. Hier in unserer Region scheint es, als gäbe es sehr viele Chadema-Anhänger. Einer der größten Verfechter ist Nyambulapi, der heute Morgen gleich der erste im Wahlbüro war um seine Stimme abzugeben. Raphael und ich haben uns heute auch nicht abhalten lassen nach Iringa zu fahren, um mal ein wenig Wahlluft zu schnuppern. Aus Dar es Salaam kamen zwar Warnungen, alle Freiwilligen sollten lieber Zu hause bleiben, schließlich weiß man nie, aber alle die wir hier gefragt haben, haben uns versichert es ist nichts zu befürchten und so sind wir dann auch heute Morgen los. Wir haben überfüllte Wahllokale und seltsame Abläufe erwartet, aber nichts davon vorgefunden. In Iringa angekommen haben wir dann auch das erste Wahllokal gesehen, auch wenn es nur der Busunterstand war. Bewacht wurde das Ganze von zwei Sicherheitsleuten. Es war nicht im Geringsten überfüllt, sondern es herrschte ruhige Betriebsamkeit. Wahlkabinen waren zwar nicht zu sehen, aber die Wähler standen allein an kleinen Tischen. Als wir näher kamen, um uns das mal anzuschauen passte uns der SicherheitsmannIringa gab es wohl über 100 solcher Wahlbüros, was auch die angenehme Menschenanzahl erklären würde und Probleme gibt es keine. Also zogen wir dann auch weiter und konnten in Iringa ganz normal unsere Erledigungen machen, außer dass ein paar Läden mehr zu hatten, aber da es sowieso jeden Laden drei mal gibt kein Problem. Jeder der seine Stimme abgegeben hatte, war an dem schwarz eingefärbten kleinen Finger zu erkennen. Darüber hinaus, gab es aber auch exakte Wählerlisten, wo jeder abgehakt wurde. Bei einem anderen Wahllokal haben wir dann schon nach Wahlschluss angefragt, ob wir mal ein Foto schießen dürften, aber das wurde uns auch nach längerer Diskussion nicht gewährt, da waren die Regeln strikt. Die Wahllokale waren aber auch nicht sehr interessant. Es hingen immer Plakate der UN davor, die erklärten, wie eine Stimme abzugeben ist und dass auch Behinderte zur Wahl gehen sollten. Aber es waren weit und breit keine CCM Flaggen oder Plakate zu sehen, die sonst an jeder Ecke prangern. Mein oberflächlicher Eindruck von der Wahl war also durchaus positiv.

Wieder Zu hause angekommen haben wir mal das Radio eingeschaltet. Erste Hochrechnungen um Punkt 6 wie bei uns gab es zwar noch nicht, aber erste Probleme wurden schon veröffentlicht. So wurde angeblich Tansaniern die Wahl verweigert, weil sie auf den Wählerlisten als tot eingetragen waren. Aus Dar es Salaam oder Sansibar gab es aber keine Unruhen zu berichten, was uns gefreut hat. Insgesamt hätte ich angesichts der seit jahren klaren Verhältnisse nicht gedacht auf eine so aktive politische Kultur zu treffen. Da kann man sich was abschneiden.
 
Jetzt bin ich aber gespannt auf die Ergebnisse. Dass Kikwete Präsident bleibt ist wohl zu erwarten. Ich bin aber gespannt, wie viele Stimmen er eingebüßt hat. Denn mein Meinungsbild ist nicht so eindeutig, wie die Ergebnisse der letzten Wahlen. Aber natürlich ist mein Bild auch sehr regional begrenzt. Laut Nyambulapi sind heute Nacht oder morgen früh erste Hochrechnungen im Radio zu erwarten. Dann weiß ich mehr und ihr werdet natürlich informiert. Außerdem war gestern hier die große Abschlussfeier aller Schüler, die jetzt ihren Abschluss in der Tasche haben. Da gibt es auch noch einiges zu berichten. Ihr dürft euch freuen!

Sonntag, 24. Oktober 2010

Lebenszeichen

Ja, ich lebe noch. 2 Monate bin ich jetzt in Tansania – einen habe ich in Dar es Salaam verbracht, den zweiten in Mafinga. Die Dinge werden gewohnter, die Arbeit geordneter, ich merke ein Alltag zieht ein und die Zeit verfliegt. Gar nicht so einfach da noch Material für regelmäßige Blogberichte zu finden. Nicht das mir hier nicht mit vielen Dingen konfrontiert wäre, die alle einzeln einen Bericht Wert wären, aber mein Blick darauf hat sich schon geändert. Ich bin nicht mehr der aussenstehende Zuschauer, der die Dinge beobachtet, sondern mittlerweile immer mehr Teilnehmer. Ob beim Fußballtraining, bei der Arbeit, im Chor, beim Essen mit den Schülern, ich bin dabei, führe Gespräche, auch wenn noch immer in gebrochenen Kiswahili, aber ich werde verstanden und ich verstehe viel. Viele Dinge sind so schnell zur Normalität geworden, dass ich gar nicht richtig darüber schreiben kann. Am Anfang meines Aufenthalts hatte ich immer schon viele Dinge im Kopf, die mir ungewöhnlich erschienen und die ich teilen wollte. Jetzt muss ich mich erst hinsetzen und überlegen, was könnte die Leute daheim interessieren. Zudem bin ich natürlich mittlerweile auch ganz anders eingebunden und finde viel seltener die Zeit mich mal hinzusetzen. Da will noch die Unterwäsche gewaschen werden, denn die Socken sind mittlerweile echt unansehlich, oder der Nachbar kommt vorbei und man trinkt eine Tasse Tee. Die Schweine haben hunger und wollen gefüttert werden und das Training hat auch schon angefangen. Na gut, Stress gibt es hier nun auch nicht, aber man nimmt sich halt die Zeit für einen kleinen Plausch, einen Tee, etc...

Deshalb habe ich mir gedacht fange ich jetzt nach den ganzen Erlebnissberichten aus der Anfangszeit an auch mal ein paar Informationen zu Tansania zu streuen, schließlich ist den meisten in Deutschland gar nicht so richtig bewusst, was sich hinter dem schönen Namen für ein schönes Land versteckt. Diese Berichte werde ich jetzt immer mal zwischendurch einwerfen. Anfangen werde ich innerhalb dieser Woche mit ein paar Infos zur Politik und meiner Wahrnehmung zur aktuellen Lage so kurz vor der Wahl. Schließlich sind nächsten Sonntag allgemeine Wahlen in Tansania. Auf einen Bericht übers dalla-Fahren dürft ihr euch auch schon freuen. Nichtsdestotrotz werde ich euch aber auch weiterhin mit Dingen aus meinem Leben und über meine Arbeit hier versorgen und damit mache ich jetzt auch mal weiter:

Mein letzter Bericht war über einen Buschbrand hier auf dem Schulgelände. Und gebrannt hat es in den letzten Tagen auch noch des Öfteren, sodass wir mittlerweile geübte Feuerwehrmänner sind. Wir haben 7 Tage die Woche rund um die Uhr Bereitschaftsdienst und rücken immer zu Fuß und in Heerscharen aus, wenn es mal wieder irgendwo brennt. Der Spaß (paradox?) geht dabei aber nie verloren und die Kommandos sind mittlerweile bekannt. Und gelegentlich ernte ich noch immer Spott dafür, dass ich hier Feuer fotografiert habe, eine der normalsten Sachen in dieser Zeit und mittlerweile muss ich auch schon über mich selber lachen, wie ich dahinter eine Sensation vermuten konnte. Trotzdem kam es seitdem nicht wieder zu so einem großen Brand und der Schulbetrieb wurde auch bisher nicht groß dadurch gestört, denn meistens klingelte die Glocke entweder bei Nacht, oder in der Mittagspause.

So haben Rapha und ich arbeitstechnisch in den letzten eineinhalb Wochen auch richtig was geschafft. Im Moment sind wir nachdem wir vormals den Nachmittag zum Kiswahili lernen genutzt haben auf Nachfrage der Fundis Vollzeit in der Werkstatt beschäftigt und arbeiten an den Solartankheatern. Mittlerweile sind uns die Maße und Handgriffe bekannt und die letzten 2 Tage haben wir alleine einen Heater fertiggestellt, da Kisukuli im Moment auf Familienbesuch ist und die anderen fundis und Schüler im Moment nicht in der Werkstatt arbeiten. Für uns ist das im Moment eine schöne Beschäftigung und wir können dabei viel lernen und zeigen, dass wir was können. Generell ist die Sinnhaftigkeit dahinter aber schwer zu begründen. Die Solartankheater müssen fertiggestellt werden, da der Platz in der Werkstatt und das Geld für den Bau der Windgeneratoren benötigt wird. Andererseits können die tansanische Fundis diese Arbeit auch ausführen. Warum also Arbeit, oder sogar Arbeitsplätze wegnehmen. Das wäre das letzte was wir wollen. Außerdem würde ich mir manchmal ein wenig mehr Engagement vor allem von Nyambulapi wünschen. Kisukuli arbeitet treu an den Heatern, auch wenn mit Augenmaß und Erick, der dritte Handwerker (und mittlerweile Lehrer) im Bunde, baut zusammen mit den Schülern eine Biogasanlage. Nyambulapi hat auch viele andere Dinge zu tun, aber trotzdem könnte er sich ruhig öfter in der Werkstatt blicken lassen.

Wir denken uns trotzdem für den Moment ist der Bau der Heater noch eine Art Eingewöhnungsphase und gehört zur Vorbereitung auf den Windradbau. Das Geld für die Magneten ist mittlerweile auf deutscher Seite verfügbar, aber es hapert immer noch an Auflagen. Es gibt neue Fragen, die noch nach Antworten suchen, was sich wiederum schwierig gestaltet, weil Mr. Maseleka mittlerweile seit einer guten Woche weg ist und auch noch nicht abzusehen ist, wann er zurückkommt. Er ist aber der einzige, der über die Kontaktdaten zu Interessenten aus der Vergangenheit verfügt, die es jetzt zu reaktivieren gilt. Da die Kommunikation sinnvollerweise größtenteils über Nyambulapi läuft, erfahren wir wenn überhaupt immer erst mit Verzögerung von Neuerungen und bis eine E-Mail beantwortet ist dauert es dann schonmal einige Tage. Trotzdem geht das ganze langsam seinen Weg. Wie realistisch das Endziel dabei bleibt ist mir aber im Moment unklar. Dafür gibt es noch zu viele offene Fragen und die finanzielle Situation lässt ebenfalls nicht den kleinsten Sprung zu. Im Moment zum Beispiel können wir in der Werkstatt nicht richtig arbeiten, weil keine Schweißelektroden mehr vorhanden sind, ohne die der Bau der Heater unmöglich ist. Unser Department hat kein Geld dafür. Nyambulapi hat jetzt bei der Schulverwaltung nach Geld gefragt. Bisher gibt es noch keine Antwort...

Rapha und ich uns eine Auszeit gegönnt und sind runtergefahren an den Lake Nyasa (Malawi See sollte man nicht sagen). Donnerstag war nämlich nationaler Feiertag und Freitag haben wir uns frei genommen. Wieder eine unvergesslich schöne Erfahrung. Wir haben uns in Kyela mit den beiden anderen Freiwilligen des südlichen Tansanias getroffen und sind gemeinsam in das verschlafene Örtchen Matema gefahren. Dort haben wir mal richtig entspannt und die Möglichkeit genutzt ausgiebig Doppelkopf zu spielen. Das aufregendste an dem Wochenende waren wohl die Fahrten inkl. neuem Dalla-Rekord: 19 Erwachsene in einem 9-Sitzer. Viele Fotos sind nicht entstanden. Hier ein kleiner Vorgeschmack. Für mehr möchte ich auf den Blog von Jan (obwohl Herforder) verweisen. (http://jankristen.blogspot.com/2010/10/matema-zum-zweiten.html) Generell eine gute Idee sich mal die Blogs von meinen Mitfreiwilligen anzuschauen. Zuweilen mindestens genauso interessant wie meiner.

So dann Feierabend für heute. Heute waren wir mit dem Chor in einer anderen Kirche an der anderen Seite der Stadt. Ganz schön viel Lauferei, aber wie jeder Schritt hier wieder mal lohnenswert. Auch wenn ich ehrlichgesagt nicht so aktiv im Chor bin. Wahrscheinlich ist das auch besser so. Rapha ist dafür umso regelmäßiger dabei. Ich ziehe da lieber den Fußball vor, wo dieses Wochenende die Saison begonnen hat. Aber mit der Hand heißt es erstmal wieder warten, das lernt man aber auch schnell. Ihr sollt aber nicht wieder so lange warten und hört bald wieder was von mir... Grüßt mir die erste Heimat!

Dienstag, 12. Oktober 2010

Kuzima Moto - Die Feuerprobe

zu Deutsch: Feuer löschen. Witziger weise habe ich diese Vokabel noch gestern Nachmittag in unserer täglichen Kiswahili Einheit gelernt. Sie war auf einer der vielen Vokabellisten, die wir mitgebracht haben und die jetzt so langsam alle ins Gedächtnis überwandern sollen. Ich dachte noch diese Vokabel ist bestimmt einer der weniger wichtigen Vokabeln. Getäuscht!


Gestern Abend sitzen Raphael und ich nichtsahnend draußen auf unser Dach, ein Platz den unsere Vorgänger uns als After-Work Platz empfohlen haben, um dort unsere unregelmäßige "aktuelle Stunde" abzuhalten, die wir dafür nutzen unsere Gedanken zu teilen und offen Kritik und Verbesserungsvorschläge zu äußern. Es ist so gegen 9 Uhr und wir schauen in den schönsten Sternenhimmel, ich habe sogar meine Kamera mit hochgenommen, um den ein oder anderen schönen Schnappschuss zu machen. Doch in eine Richtung war es komischerweise noch nicht dunkel. Ein kurzes Grübeln über die Himmelsrichtungen zeigt, dass es schon ungefähr Westen oder Nordwesten sein könnte, aber dass man die Reste des Sonnenlichtes noch um diese Zeit sieht schien uns sehr unwahrscheinlich. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass Rauch hochsteigt und durch die Bäume sind sogar Flammen zu sehen. Es brennt! Schon fast nichts Besonderes mehr. Andauernd läuft man hier an schwarzen Landstücken vorbei und sowieso sind wir an den Geruch von Feuer mittlerweile gewöhnt, schließlich wird Feuer täglich zum Kochen oder zur Müllentsorgen auf tansanische Art genutzt. Aber diesmal ist es wirklich nah, vielleicht 200-300m Luftlinie und so klein scheint es auch nicht zu sein. Ehe der Entschluss steht sich das mal näher anzuschauen läutete auch schon die Kirchenglocke der Schule. Gottesdienst um diese Zeit ist eher ungewöhnlich und so ist gleich klar es war der Feueralarm. Schnell ist helle Aufregung auf dem Schulgelände und die Schüler marschierten in Richtung Feuer und wir sitzen auf unserem Dach, als Zuschauer. Noch.


Das Feuer noch von Weitem
Eine 500m lange Feuerwand
Natürlich ist jetzt unsere Neugierde geweckt. Ein bisschen bedenken habe ich schon, schließlich können wir das Feuer von unserem Dach aus sehen. Wir kraxeln vom Dach schnappen schnell noch zwei Taschenlampen und folgen dem Pulk. Wir müssen nicht weit gehen um die Ausmaße zu sehen. Eine Feuerwand von bestimmt 500m frießt sich durch das trockene Grasland und hat auch schon ein großes Stück an Land in schwarze Ebene verwandelt. Die Schüler bewaffnen sich mit ausgeriessenen kleinen Bäumen oder Stöckern und fangen an auf das Feuer einzuschlagen. Die Lehrer koordinieren und sogar Mr. Maseleka ist mit einem Baum ausgestattet ganz vorne mit dabei. Da ich ja auch noch die Kamera dabei habe kann ich auch schnell noch ein paar Bilder machen, bevor ich mich dann selber mit einem großen Stock bewaffne. Der Wind treibt das Feuer glücklicherweise von unserer Schule weg. Nichtsdestotrotz macht er uns teils echt zu schaffen. So lange er bläst können wir nur den Rückzug vom Feuer antreten. Sobald aber mal eine kleine Flaute ist rennen wir mit vielleicht 30 Leuten gleichzeitig unter Schlachtrufen auf das Feuer los und preschten so schnell drauf ein, wie wir nur können, um schnell wieder zu weichen, wenn der Wind wieder auffrischt. Dadurch verkürzen wir die Feuerwand immer weiter, bis wir das Feuer am Ende besiegen. Um ca. 1:00 ist die Löschaktion beendet. Eine Fläche von schätzungsweise über einem Quadratkilometer ist eingeebnet. Trotzdem hatten wir paradoxer Weise Spaß an der Löschaktion und auch die Schüler haben sich teilweise gefreut, andere versteckten sich im Gras um sich zu drücken oder sind gar nicht erst gekommen. Ich war noch skeptisch, ob das Feuer denn jetzt wirklich endgültig ausblieb, aber auch froh von der kräftezehrenden Aktion ins Bett zu kommen, zumal ich zuvor schon am Training teilgenommen habe, dessen Tempo ich noch nicht ganz teilen kann. Aber bis zum nächsten Morgen haben wir nichts mehr gehört.


Heute Morgen kämpften wir uns dann aus dem Bett und frühstückten. Die Kirche haben wir heute ausnahmsweise sausen lassen. Wir wollten schon zur Arbeit gehen, da erklang wieder die Glocke. Wieder stampften wir alle zusammen zum Feuer, heute aber wirklich alle. Das Feuer hatte sich doch nochmal wieder entfacht. Diesmal aber lange nicht so groß wie gestern. Und es war echt witzig zu sehen, wie vielleicht 70 Leute gleichzeitig auf die kleine Feuerwand eindreschen. In Nullkommanix war das Feuer aus. Wir schritten nochmal die gesamte Fläche ab um sicher zu gehen und haben seitdem nichts mehr vom Feuer gehört. Darüber hinaus ist heute dann aber auch nicht mehr viel passiert. Der Schulbetrieb war weitgehend lahmgelegt und es wurde sich erholt. So haben wir heute Morgen zusammen mit Nyambulapi noch E-Mails bearbeitet, heute Nachmittag bin ich dann beim Vokabeln lernen eingeschlafen, beim dem Part des Tages, wo ich gestern das erste Mal in Kontakt mit "kuzima moto - Feuer löschen" gekommen bin. Eine Vokabel, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde.


Es heißt nächste Woche kommt der Regen. "Der Regen wird regnen", so die Ausdrucksweise. Dann hat sich das mit den Bränden erst mal wieder erledigt. Als ich heute Abend nochmal alleine über das schwarze Feld gelaufen bin und auch nochmal ein Foto geschossen habe war die Atmosphäre schon echt beeindruckend. Auf dem Rückweg habe ich schon das nächste kleinere Feuer gesehen. Diesmal aber nicht auf dem Schulgelände, zumindest hoffe ich das, denn jetzt bin ich erst mal müde und möchte heute früh ins Bett gehen. Es hat wohl auch nicht mehr viel gefehlt und die Armee von einer nahen Kaserne wäre ausgerückt um uns ebenfalls mit Stöckern bewaffnet bei den Löscharbeiten zu unterstützen. Das hätte ich doch ganz gerne gesehen. Im Nachhinein mache ich mir aber jetzt nicht so große Sorgen, dass uns hier was passieren kann, denn das Feuer hat nur das Grasland niedergebrannt. Die Bäume sind stehen geblieben. Und da das Schulgelände von vielen Bäumen umrandet ist, die allesamt noch schön grün sind und zwischen denen kein Gras steht kommt das Feuer wohl so schnell nicht zu uns.

Den Sternenhimmel habe ich auch noch versucht einzufangen. In seiner vollen Schönheit ist dies aber wohl unmöglich. Außerdem gibt's ein paar neue Fotos in meinem Mafinga-Fotoalbum.


Mittwoch, 6. Oktober 2010

Der Weiße rennt…


 vorweg: heute gibt es viel zu meiner Arbeit, wen das nicht so interessiert, der kann einfach drumherum lesen. Der Teil ist makiert.

…warum? So oder so ähnlich könnten die Gedanken einiger Tansanier lauten, wenn Raphael und ich mal wieder nach getaner Arbeit unsere Turnschuhe schnüren und uns wieder eine andere Himmelsrichtung aussuchen, die wir laufend erkunden wollen. Die fragenden Gesichter zeigen Verwunderung und die Blicke folgen uns meistens noch viele Meter. Witzig wird es, wenn sich eine Horde Kinder kurzerhand lachend und neugierig den beiden Weißen bei ihrer Freizeitbeschäftigung anschließt, ernüchternd, wenn wir realisieren, dass auch nach mehreren hundert Metern die Kinder noch quietsch fiedel neben uns her laufen, wo wir schon schnaufen und schwitzen. Die einzige Ausrede ist für unser Ego die Höhe mit ca. 1800m MSL, die uns zwar die lästigen Mücken vom Leib hält, aber bei sportlichen Aktivitäten ungewohnt ist. Trotz der Anstrengung überwiegt aber die Faszination, die von unserem Umfeld ausgeht. Wir laufen durch ein kleines Dorf. Hier gibt es keinen Stromanschluss mehr. Die Lehmhäuser werden weniger und um uns herum erstrecken sich leichte Gebirgszüge. Ein „Wazungu“-Ruf schallt von einem der kleinen Felder, wo immer Leute fleißig sind. Die Umgebung ist trocken, aber trotzdem geht von ihr eine gewaltige Faszination aus. Es stehen immer wieder grüne riesige Bäume in der Landschaft, die auf eine Jahrhunderte lange Geschichte zurückblicken lassen und zum Klettern einladen. Ob sie wohl schon mal einen Weißen gesehen haben? Doch irgendwann ist der Punkt gekommen. Die Sonne steht tief und wir müssen wieder zurück, denn ist sie erst mal untergegangen haben wir nur noch den unglaublichen Sternenhimmel. Keine Ahnung wo wir sind, also bleibt uns nur den gleichen Weg zurückzulaufen. Die Orientierung ist schwer in einer Umgebung in der für uns alles so gleich und doch so anders aussieht, wo wir doch an Häuser und Straßen gewöhnt sind. Wieder Zuhause angekommen kommt der Atem langsam wieder. Noch etwas Essen, vielleicht ein wenig Vokabeln lernen und noch einen gemeinsamen Film zum Ausklang des Abends, dann kommt auch schon das Bett. Ein letzter Gedanke an den Tag zeigt: Hier bin ich gerne!



Nachwuchs
Mittlerweile sind wir schon in unserer dritten Woche in Mafinga. In unserem Haus haben wir uns schon eingerichtet und unsere kleine Farm nimmt Konturen an. Denn seit meinem Geburtstag sind wir Besitzer zweier kleiner Schweine. Zwei kleine Eber namens Mr. M und Mr. L (Die Namen sind aus personenschutzrechtlichen Gründen zensiert).  Allein schon das Besorgen des Futters für die beiden wäre ein Geschichte wert. Die Geschichte erspare ich euch aber heute. Außerdem sind wir letzte Woche auch Eltern von 8 Küken geworden. Selbst der Basilikum und die Tomaten, die wir in aufgeschnittene Wasserflaschen gesät haben keimen schon. Sobald die Regenzeit kommt sollen dann auch unsere Felder, die um unser Haus herum liegen, bearbeitet werden. Gestern hat mir Matthew die Unterkunft der Schüler gezeigt. Er wohnt in einem Zimmer mit 3 anderen Schülern. Das ist schon ein echter Luxus hier. Die meisten anderen Schüler schlafen in einem großen Schlafsaal. Es bedarf auch keiner Schränke, da das gesamte Hab und Gut in einer kleinen Tasche neben dem Bett ist.
Das hat mir mal wieder gezeigt, wie sehr wir uns in unserem Haus von den Schülern abheben. Das ist schon ein wenig schade, dass wir das Vorurteil des reichen Weißen ohne Einschränkungen bestätigen, aber es entspricht einfach der Wahrheit, wir isnd extrem reich und können uns hier mit unseren 150€, die wir monatlich zu Verfügung haben einfach ein ganz anderes Leben leisten.

-HIER KOMMT DER LANGE TEIL ZU MEINER AKTUELLEN ARBEIT, WER KEINE LUST HAT EINFACH SKIPPEN UND UNTEN WEITERLESEN-

Außerdem kehrt jetzt auch so langsam wieder Leben in die Schule ein. Seit Montag letzter Woche sind die Ferien beendet und jeden Tag kehren mehr und mehr Schüler zurück. Es heißt jetzt ist ca. ein Drittel der Schüler zurück. Der Rest kratzt noch das Geld für die Schulgebühren zusammen. Die letzte Woche haben wir damit verbracht in der Werkstatt des Renewable Energy Departments zu arbeiten und die Abläufe dort kennenzulernen. Am Ende der Woche waren wir dann auch so weit, dass wir beim Schweißen der Solarheater mithelfen konnten. Unsere Schweißnähte gewinnen zwar noch keinen Schönheitswettbewerb, aber sie erfüllen ihren Zweck. Außerdem ist es für Kisukuli immer ein Spaß seine Schweißnähte mit unseren zu vergleichen. So ganz glücklich sind wir aber mit unserer Arbeit noch nicht. So sind wir die meiste Zeit leider doch noch unfreiwillige Zuschauer, da es an Werkzeug, Material und auch noch am Know-How mangelt um richtig arbeiten zu können. Außerdem sind wir ja auch nicht gekommen um in funktionierende Abläufe einzusteigen, sondern da anzufassen, wo die Dinge noch nicht so gut laufen. So haben wir mit Nyambulapi auch vereinbart, dass wir die Nachmittage dafür nutzen Kiswahili zu lernen. Und mittlerweile spielt sich hier auch schon eine Routine ein und es gibt jeden Tag mehr zu tun. Im Moment arbeiten wir eigenständig an unserem ersten Solartankheater.

Mr. Maseleka war auch zurück und so hatten wir am Montag letzter Woche direkt morgens ein Gespräch zur Arbeit des RE-Departments. Dazu haben wir uns dann mit Nyambulapi und Kisukuli bei Mr. Maseleka im Büro getroffen. Die Besprechung war zwar komplett auf Kiswahili und deshalb für uns noch nicht bis ins letzte Detail verständlich, aber die Hauptaufgaben haben wir schon verstanden und im Nachhinein auch nochmals mit Nyambulapi besprochen, um uns wirklich sicher sein zu können. Es gibt viele Aufgaben für das RE Department, bei denen wir prinzipiell mithelfen können. Das Hauptziel für dieses Jahr ist es nun endlich nach 3 Jahren Durststrecke die Produktion der Windgeneratoren voranzutreiben und 10 Windräder zu bauen und aufzustellen. Nach alledem was ich davon bisher gehört hatte war ich schon sehr skeptisch, als ich das erste Mal noch in Dar von diesem Ziel gehört habe und bin auch immer noch nicht komplett überzeugt. Aber trotzdem war ich überrascht über die Initiative, die Mr. Maseleka jetzt ergriffen hat, ohne den hier kein Projekt zu verwirklichen ist. Er hat die Kommunikation mit der DTP aufgebaut und um einen Kredit gebeten, von dem Magneten für die Windgeneratoren gekauft werden sollen. Nach allen Erfahrungen mit der Schule hat die DTP einige Auflagen gestellt, die helfen sollen, dass das Geld auch sinnvoll genutzt wird und innerhalb von einem Jahr den Weg zurück zur DTP findet. Dazu gehört eine genaue Kostenkalkulation der gesamten Windgeneratoren, ein Arbeitsplan, der zeigt, wann was von wem gebaut wird und nicht zuletzt eine Kopie der Bestellung mit den exakten Angaben zu den Magneten, da in den vergangen Jahren auch schon mal ein riesen Paket mit den falschen Magneten gekommen ist.

Mr. Maseleka hat Nyambulapi die Aufgabe gegeben die Auflagen schnellstmöglich zu erfüllen und diesen Vorbereitungen höchste Priorität eingeräumt, sodass Nyambulapi noch am Montag mit uns beiden angefangen hat eine genaue Kostenkalkulation aufzustellen. Nach dem Seminar war es für uns kein Problem mehr eine genaue Kostenaufstellung zu machen, die am Ende sehr detailliert  wurde und schon einen kleinen Businessplan beinhaltet. Am Dienstagabend noch hat Mr. Maseleka dann die Kostenkalkulation zur DTP geschickt. Seitdem gab es leider ein wenig Leerlauf, bevor wir dann vorgestern Abend noch bis spät zusammen mit Kisukuli und Nyambulapi am Arbeitsplan gearbeitet haben.  Noch ist er nicht fertig. Aber die Zusammenarbeit dazu ist sehr konstruktiv und ideenreich, wobei es viele Probleme zu lösen und zu berücksichtigen gibt. Ich sehe kein Problem 10 Generatoren in einem Jahr zu bauen, wenn (!) das Material vorhanden ist, denn das Knowhow und das handwerklich Geschick sind vorhanden. Vielmehr die Organisation rund um den Bau bedarf genauer Planung. So haben wir uns vorgestern einige Wege einfallen lassen, wie wir das Material für die ersten Turbinen auftreiben können, damit wir nicht immer nur von der Hand in den Mund leben, denn Material für ein Generator ist wohl größtenteils an der Schule vorhanden. Aber um wirklich 10 Generatoren in einem Jahr produzieren zu können ist es nicht möglich nach der Fertigstellung der ersten Turbine auf die Installation und die Bezahlung zu warten, bevor wir Material für den zweiten Generator kaufen können um mit dem Bau zu beginnen. Dadurch würde zu viel Leerlauf entstehen und der Zeitplan könnte nicht eingehalten werden. Ein großes Problem ist deshalb die aktuelle finanzielle Lage der Schule, die nachdem sie jetzt einen Kredit von 2007 zurückzahlen musste weder Lehrkräfte bezahlen kann, noch Geld für die Departments hat, von dem wir Material vorstrecken könnten. Eine unvorstellbare Lage, dass die Lehrer im Moment alle hier unbezahlt arbeiten und das ist nicht das erste Mal. Deshalb versucht die Schule im Moment Bäume zu verkaufen, um wieder an finanzielle Mittel zu gelangen. Außerdem müssen natürlich auch noch die Installation der Anlagen und der Bau der dazugehörigen Elektronik mit in unsere Arbeitsplanung einbezogen werden.

Und dies alles sind Auflagen, die wir für den Magnetenkredit erfüllen müssen. Aber warum eigentlich dieses Aufhebens um die Magneten? Das Problem ist, dass die Magneten in Tansania nicht erhältlich sind und zudem relativ teuer sind. Deshalb haperte es in den letzten drei Jahren meist an der Verfügbarkeit der Magneten, weshalb keine neuen Generatoren mehr gebaut werden konnten. Die aktuelle Bestellung soll ein Volumen von ca. 2500€ betragen. Die Summe ist für die Verhältnisse hier unglaublich hoch, ist aber durchaus sinnvoll, da die Transportkosten hoch sind und zudem so für den Bau einiger Generatoren gesorgt werden kann. Alle anderen Bauteile sind in Tansania und meist auch in der näheren Umgebung auch in kleinsten Mengen erhältlich, denn der Trend hier geht nicht zur großen Lagerhaltung, da meist keine großen Geldbeträge auf einmal vorhanden sind. Trotzdem wäre es im Bezug auf die Magneten für die letzten Jahrgänge ein kleines gewesen die Magneten beispielsweise aus Deutschland zu besorgen. Dieses wurde aber mit Absicht nicht gemacht, da die Eigenverantwortung der Schule gestärkt werden soll. Deshalb ist es umso toller, dass sich nach dem ganzen Leerlauf jetzt endlich selbstständig um die Magneten gekümmert wird.

Und auch die Auflagen sind wirklich sinnvoll. Ich habe das Gefühl, dass vorher noch nie eine Art Arbeitsplan erstellt wurde und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass kein so detaillierter Plan erstellt worden wäre ohne Druck der DTP. So sehen wir aber genau, was organisatorisch alles notwendig ist um diesen ambitionierten Plan durchzuführen und auch Nyambulapi und Kisukuli finden Gefallen an einer gewissen Ordnung in der Arbeit, zumal die beiden selber durch das lahme Management der Schule müde sind und sich offensichtlich freuen, dass was passiert.

So jetzt habe ich aber eine Menge zur aktuellen Arbeitslage geschrieben. Wie es genau weitergeht mag ich jetzt aber noch nicht einschätzen. Ich denke mir es könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht. Hier ist es einfach viel schwieriger viele Dinge zu verwirklichen. Es gibt einfach so viele erschwerende Faktoren, die die Arbeit so sehr verlängern können. Manchmal ist es ein Bohrer M10, der einfach nicht auffindbar oder verfügbar ist, aber unbedingt gebraucht wird. Dann bin ich aber auch oftmals wieder erstaunt, wie gut improvisiert werden kann und wie viele Ideen dafür da sind, wie man Dinge günstiger lösen kann, als wir es z.B. beim Seminar gemacht haben. Ich denke ich muss euch schnell mal ein paar Bilder von unserer aktuellen Werkstatt schicken, damit ihr mal sehen könnt, wo wir arbeiten. Auch schon mal generell ein Versprechen dafür, dass ich mich jetzt mal dran mache ein paar Bilder von der bezaubernden Umgebung hier zu schießen.

-ENDE DES ARBEITSTEILS-

Ansonsten komme ich im Moment auch kaum dazu mich mal an meinen Laptop zu setzen um einen Blogeintrag zu verfassen. Auch viele der Mails die ich fast jeden Tag bekomme brauchen ihre Zeit, bis sie eine Antwort bekommen. Ich hoffe ihr habt Verständnis dafür. Wir sind jetzt auch angefangen hier Fußball zu spielen. Es macht auf jeden Fall riesen Spaß sich hier unter die Leute zu mischen.  Und auch für die meisten Schüler hier ist es ein Spaß mit uns zu spielen. Wenn man mal über den Ball haut gibt es gleich was zu lachen für alle. Das macht menschlich und mit ein wenig Selbstironie haben alle ihren Spaß. Gestern waren wir auch das erste Mal bei einer Chorprobe. Wer mich kennt, weiß über meine Sangeskünste Bescheid, trotzdem wurde mir versichert ich werde es bald können. Ich bin noch skeptisch. Trotzdem ist auch das ein Spaß und beeindruckend schön, solange ich meinen Mund zu lasse.

Ach ja vorletztes Wochenende waren wir noch in Iringa, der nächstgrößeren Stadt und haben einen geschichtsträchtigen Felsen erklommen, von dem aus wir einen tollen Ausblick über die Stadt hatten. Hier mal einfach ein Foto dazu.  Die Geschichte besagt, dass das Oberhaupt der Hehe hier viel meditiert hat. Die meisten Menschen hier gehören zum Stamm der Hehe. Die Stämme spielen immer noch eine Rolle und jeder Stamm hat noch seine eigene Sprache, wobei Kiswahili von jedem gesprochen wird. Es gibt sehr viele Stämme in Tansania. Über 50, wenn ich mich richtig erinnere. Auch ich wurde schon Mal nach meinem Stamm gefragt. Und da ich irgendeinem Stamm angehören musste war ich in einem Fall einfach ein Ostwestfale.  Auf die Frage wie Kioswestfälisch geht, also die Sprache der Ostwestfalen konnte ich nur mit "Wat?" antworten. Iringa wurde übrigens von den Deutschen aufgebaut, während die Hehe einen Aufstand versucht haben, um von hier aus agieren zu können. Heute haben die Hehe die Stadt aber doch eingenommen. Außerdem habe ich auf meiner Blogseite noch ein paar Fotos von unserem Haus und ein paar schöne Eindrücke sogar von Dar hochgeladen.

So jetzt habt ihr es geschafft. Ich habe jetzt schon ein paar Hinweise mehr bekommen, meine Einträge seien zu lang und das sehe ich ja auch ein. Aber im Moment passiert einfach so viel und ich möchte einfach so viel teilen wie ich kann.