Dienstag, 14. September 2010

Hugh Piggott Windgeneratorenseminar

Jetzt ist mein letzter Eintrag schon wieder viel zu lange her. Ich fange jetzt schon an zu schludern mit meiner Informationspolitik. So soll es aber nicht bleiben. Mit 3 bis 4 Einträgen pro Monat möchte ich euch schon versorgen. Zu Schreiben gibt es schließlich genug. Zumindest für den Moment. Mittlerweile geht unser Seminar schon dem Ende entgegen und ich habe noch gar nicht davon berichtet.  Außerdem haben wir unsere beiden freien Sonntage gut genutzt und interessante Seiten von Dar es Salaam kennengelernt, der Stadt in der wir hier immer noch festsitzen. Davin berichte ich aber im nächsten Eintrag, der aber schon fertig geschrieben heir liegt. Sonst würde es absolut zu viel werden. Bilder gibt es jetzt aber schon auf meienr Blogseite, swowohl vom Seminar als auch vom letzten Sonntagsausflug.

Aber nun zum Seminar. Mittlerweile sind wir in der 2. Woche, wobei wir nur die Sonntage frei hatten. Selbst vorm Zuckerfest wurde nicht halt gemacht und so mussten wir arbeiten, während Lennard und Carlotta einen Ausflug nach Sansibar gemacht haben. Aber ich kann mich eigentlich gar nicht beklagen. Das Seminar ist sehr gut und es werden uns alle Grundlagen vermittelt, die wir benötigen um eine Hugh Piggott Turbine (So heißt der Erfinder) zu bauen. Außerdem lernen wir auch eine Menge über die theoretischen Hintergründe, sowie Wirtschaftlichkeit u.v.m. Ich denke die Vorbereitung ist absolut ausreichend um den Fähigkeit zu haben in Mafinga voll einsteigen zu können.

Die praktische Arbeit findet im Moment in Kleingruppen statt. Ziel ist es drei Turbinen zu errichten, von denen die Erste jetzt steht und die Zweite, größere wohl morgen folgt. Jede Gruppe arbeitet abwechselnd mit Holz, heißt z.B. Rotorblätter bauen, mit Metall, also die Rahmenkonstruktion, oder kümmert sich um die Elektronikteile. In der Zusammenarbeit mit den Tansaniern haben Raphael und ich gleich am Anfang erst mal feststellen müssen, dass viel von uns erwartet wird. Stillschweigend waren wir plötzlich jeweils die Führer unserer Gruppen, wobei wir natürlich als frische Abiturienten kaum handwerkliche Erfahrung mitbringen. Diese Aufgabe wollte ich meinem Verständnis nach auch nicht tragen, was die Arbeit gerade am Anfang sehr schleppend gemacht hat, da immer auf eine Ansage gewartet wurde. Das gemeinsame Durchdenken der Dinge ging dadurch meist viel langsamer vonstatten, als wenn ich einfach eine Richtung vorgegeben hätte. Außerdem fehlte am Anfang gelegentlich der Überblick, was angesichts der vielen Teile aber auch verständlich war. Für mich war es dadurch aber oft sehr ermüdend. Mittlerweile ist die Zusammenarbeit aber immer besser geworden, auch wenn mein Wort jetzt immer noch mehr zu zählen scheint als das eines erfahrenen und studierten Tansaniers. Deshalb versuche ich mich oft sehr stark zurückzunehmen, oder mich auch von der Gruppe zeitweise abzuspalten. Außerdem werde ich auch einfach sehr oft gefragt, wie einzelne Dinge zusammengehören oder gelöst werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich mich blöd stelle wird einfach die nächst „höhere“ Instanz zu Rate gezogen, heißt einer von den Seminarleitern. Deshalb versuche ich dann oft die Frage gemeinsam durch Gegenfragen zu lösen. Das klappt meistens auch, aber es ist oft sehr anstrengend und sorgt teilweise auch für Unmut, da eine Lösung erwartet wird.  So habe ich also doch noch eine, wenn auch verdeckte Führungsaufgabe, von der aber so glaube ich beide Seiten profitieren. Seitdem die erste Turbine fertiggestellt ist haben aber die meisten auch einen guten Überblick und wissen was zu tun ist. Handwerklich sind die meisten ohne Frage top drauf und so habe ich hier auch schon einiges gelernt. Wenn ich frage, ob man mir z.B. mal das Schweißen zeigen kann, wird mir gerne geholfen und so gibt es auch schon die ersten Schweißnähte von mir an der Turbine, die aber noch ausgelassen belächelt wurden. Keine Sorge es handelt sich dabei nicht um tragende Teile.

Von Seminar Hugh Piggott Windturbine
Aerodynamikunterricht von Roland

Außerdem gibt es morgens immer eine Theorieeinheit, bei der jeden Tag uns Seminarteilnehmer ein anderer Punkt näher gebracht wird. Seien es Hintergrundinformationen über die Funktionsweise des Generators  oder Punkte der Wirtschaftlichkeit und Vergleiche mit anderen Energiequellen bishin zu Windmessungen und Analysen. Alles in allem sehr interessante und wichtige Informationen im Bezug auf den Betrieb und Vertrieb einer Windturbine. Ein wenig schade ist nur, dass die Einheiten aufgrund mangelnder Kiswahilkenntnisse der Leiter nur auf Englisch abgehalten werden. Ich denke dadurch fällt es vielen schwer den Inhalten zu folgen. Außerdem ist die Seminarsprache praktisch Englisch, wodurch ich mittlerweile absolut fließend Englisch spreche, aber leider nicht so schnell ins Kiswahili komme, wie ich mir durch das Seminar erhofft habe.



Aber wer sind eigentlich die Seminarleiter? Der Initiator ist Roland, ein studierter Physiker aus den Niederlanden, der zusammen mit Arthur, der gerade seinen Master der Physik macht, und Chaim, ein studierter Elektroingenieur das Seminarteam bildet. Alle drei machen das Seminar unentgeltlich, wobei Roland mittlerweile eine gute Geschäftsidee dahinter vermutet und in Zukunft versuchen will den Windturbinenmarkt in Tansania mitaufzubauen. Ich glaube ebenfalls, dass durchaus Potential vorhanden ist, da es viele Regionen gibt, in denen Windenergie günstiger als Solarenergie ist und keine Anschluss ans nationale Netz besteht. Schwierig nur eine gute Umsetzung. Ich finde das Thema Windenergie und Windturbinenbau auch sehr interessant und kann mit dem akademischen Triple auch immer Fragen klären und Diskussionen führen. Außerdem haben wir oft Besucher, oft aus den Niederlanden und auch das tansanische Fernsehen will noch kommen. Einzig und allein Kikwete der tansanische Präsident fehlt noch. Man kann also schon sagen es ist auch eine gute Werbekampagne für Windenergie, die bisher eben noch kaum verbreitet ist, weshalb man sich in Mafinga auch als Vorreiter schimpfen darf.

Ansonsten bin ich beim Seminar auch in das erste kleine Fettnäpfchen getreten. Generell wird offensichtlich viel Wert auf die Begrüßung gelegt. Jeder wird einzeln begrüßt und keiner sollte vergessen werden. Die ersten Tage habe ich dabei keine großen Unterschiede gemacht, wie ich jemanden begrüße. Bis mir dann irgendwann Arthur ein älterer studierter Elektoingenieur gesagt hat er wäre ein „Mzee“, ein alter Mann. Erst wusste ich nicht so richtig worauf er hinaus wollte. Nach kurzer Rücksprache mit seinem Sohn Anthon, mit dem ich und Rapha (noch mehr) uns gut verstehen, wurde dann klar, dass wir den Fehler gemacht haben nicht die Grußformel „Shikamoo“ zu benutzen, die die eigene Untergebenheit unterstreicht. Darauf wird sehr viel Wert gelegt und Anthon hat uns erklärt, dass er ältere Menschen niemals anders Grüßen würde. Für gewöhnlich wird sogar der eigene ältere Bruder so gegrüßt. In Wirklichkeit ist es aber so, dass die meisten keinen so großen Wert darauf legen und sowieso eine sehr spaßige Atmosphäre herrscht. Am nächsten Tag habe ich dann aber auch bei den Leuten, die ich noch nicht so gut kenne, oder die sich offensichtlich für was besseres halten, ja diese Leute gibt es auch hier, die neue Grußformel genutzt und habe auch gesehen, dass dies mit Wohlwollen gesehen wurde. Übersetzt heißt „Shikamoo“ aber so viel wie „Ich küsse euch die Füße“, was mir so ein wenig komisch vorkommt und ich mir jedes Mal auch ein kleines Lächeln verkneifen muss. Außerdem fällt es mir auch schwer manchen Personen nur aufgrund ihres Alters so einen Respekt zu zollen oder gewisse Hirarchiegebilde zu akzeptieren, die nach meinen Maßstäben nicht passen. Ich denke hier bin ich auf ein gutes Stück Kultur gestoßen. Generell sollte man die Floskel aber auch nicht zu hoch stellen, schließlich ist es keine besondere Art der Ehrerbietung o.Ä

Nyambulapi bei der Arbeit
Außerdem haben wir beim Semianr schon Nyambulapi und Kisukuli kennengelernt, mit denen wir zusammen in Mafinga arbeiten werden. Nyambulapi ist zwar faktishc sowas wie unser Chef, macht aber überhaupt nciht den Eindruck. Er ist sehr zu Späßen aufgelegt und gibt sich jede Mühe uns Kiswahili näher zu bringen. Kisukuli kann praktisch fast nur Kiswahili, weshalb die Kommunikation noch auf einfache Dinge beschränkt ist, aber auch er freut sich über jedes Kiswahili Wort von uns und so macht das Lernen und Reden auch viel Spaß. 
Das Lernen neben dem Seminar bleibt mittlerweile zwar komplett auf der Strecke, das ist aber angesichts unserer 10 Stunden Tage im Moment auch verständlich wie ich finde. Trotzdem sind wir schon gar nicht so schlecht und lernen durch Unterhaltungen mit den anderen Seminarteilnehmern und werden dafür auch immer wieder gelobt, auch wie schnell wir Fortschritte machen. In Mafinga bleibt uns dann nur noch Kiswahili, da kaum Englisch gesprochen wird. Spätestens dann können wir uns bestimmt noch merh auf die Sprache fokussieren.

So nun aber Schluß. Ich hoffe ihr habt einen guten Eindruck von unserem Seminar bekommen. Ansonsten kann man auch einfach viel auf den Bildern sehen. Da kommen die nächsten Tage auch noch ein paar dazu. Außerdem veröffentliche ich auch noch spätestens übermorgen einen Bericht zu unseren freien Sonntagen. Wie gesagt, geschrieben ists schon. badaaye

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