Mittwoch, 22. September 2010

Ende gut, alles gut...

…das jetzt schon nach meinem ersten Monat in Tansania. Ja, zumindest im Bezug auf meine Busreise nach Mafinga. Nachdem wir den ersten Monat nun in Dar es Salaam verbracht haben und den Bau der Hugh-Piggott Turbine verstanden und praktiziert haben ging es nämlich am letzten Samstag endlich raus aus Dar es Salaam, der Stadt in der ich auf Dauer wohl lieber nicht wohnen würde. Am Ende des Seminars waren noch Presse und hochranginge Mitglieder von Regierungsbehörden zugegen. Außerdem wurden wir alle mit einem Zertifikat ausgezeichnet und haben unser 2. Windrad offiziell gestartet. Das dritte Windrad ist leider nicht mehr fertig geworden.

Aber nun erst mal zur Busreise. Ich hätte mir vorher nicht vorstellen können, dass an einem Tag so viele Dinge schief gehen können, aber es geht! Am Morgen wollten wir früh aufstehen und um spätestens 6 Uhr beim Überlandbusstand in Ubungo sein. Raphael und ich haben den Abend vorher noch mit anderen Seminarteilnehmern genutzt um das Seminarende zu zelebrieren, nichtsdestotrotz waren wir nach nächtlicher Packaktion pünktlich abfahrbereit. Aber das bestellte Taxi kam nicht und auch Nyambulapi und Kisukuli waren irgendwie nicht um die versprochene Uhrzeit da. Die beiden hatten nämlich verschlafen, was für die beiden absolut ungewöhnlich ist, da sie uns beim Seminar immer angetrieben haben. Zudem hatte das Taxi einen Unfall, weshalb wir uns dann ein anderes organisieren mussten. Wir kamen also erst um kurz nach 7 Uhr los und verabschiedeten uns von Carlotta und Lenny, die uns den ganzen Monat in ihrem Haus ausgehalten haben. Nach einem kleinen Stau kamen wir dann auch noch kurz vor 8 Uhr am Busstand an. Wir haben dann Nyambulapi die Organisation eines Busses überlassen. Nach ein wenig hin und zurück mit dem ganzen Gepäck hatten wir dann auch einen Bus mit der vielversprechenden Aufschrift „Mafinga Express“ gefunden. Pure Ironie, wenn man auf die Fahrt schaut, aber auch der Bus war im Vergleich zu den anderen Bussen auf jeden Fall einer der am wenigsten vertrauenswürdigen. Nachdem wir Nyambu darauf hingewiesen haben meinte er um diese Uhrzeit gäbe es kaum noch Auswahl. Na gut, los gings. Wir verließen Dar es Salaam und freuten uns nachdem die Häuser um uns rar wurden. In Morongoro, dem nächsten größeren Ort war dann aber Zwangspause angesagt. Über eine Stunde standen wir rum, während am Bus rumgeschraubt wurde. Dann ging es weiter, aber nicht lange. Nach 500m standen wir erneut, nun länger. Es wurde geschraubt, beraten und Köpfe geschüttelt, bestimmt 5 Stück, so groß war nämlich die Busbesatzung. Als wir es schon gar nicht mehr für möglich hielten ging es weiter. Diesmal auch ein ganzes Stück, es war aber auch schon Nachmittag und wir hatten noch gut 2/3 der 600 Km langen Reise vor uns. Es ging durch den Mikumi Nationalpark, in dem Rapha und ich unsere Augen ganz besonders aufgesperrt haben und waren wirklich erstaunt, wie viele Tiere wir zu Gesicht bekamen: Giraffen, Gnus, Gazellen, Zebras und eine Menge Affen direkt an der Straße. Die Tiere waren alle sehr nah an der Straße und gut zu sehen, auch wenn wir mit dem Bus immer schnell dran vorbei gefahren sind. Unser Sitznachbar hat uns dann auch immer erklärt, wie die Tiere heißen und einige Infos gegeben. Also nochmal ein echtes Highlight, der die Fahrt verträglicher gestaltet hat. Wir glaubten auch schon daran anzukommen, als in Iringa, 75 Km vor Mafinga der Bus bei einem Anstieg wieder einmal versagt hat. So kurz vorm Ziel hieß es auch von der Besatzung hier ist Schluss für heute, wir kümmern uns um einen Ersatzbus. Nach kurzen Tüfteleien ging es dann aber immerhin noch bis zum Busstand in Iringa. Noch waren wir aber im Ungewissen, doch tatsächlich kam noch ein anderer Bus und es hieß umsteigen. Dieser brachte uns dann auch wie versprochen bis nach Mafinga, aber insgesamt keine Spur von Express. Etwas ermüdet wurden wir auch schon von Mr. Maseleka dem Direktor des MLVTC empfangen. Im Schuljeep ging es Richtung Schule, die nicht mehr weit entfernt ist. Aber wie es an so einem Tag ist, streikt natürlich auch noch das Auto beim Schlussanstieg zur Schule. Es ging also rückwärts wieder runter. Der Motor wurde nochmal angeschmissen und mit Vollgas klappte der zweite Versuch und wir erreichten unser Haus um 11 Uhr, ca. 7 Std. später als ursprünglich geplant, aber immerhin waren wir hier, was ich zwischenzeitlich schon nicht mehr für möglich gehalten habe. Bei Nyambulapi bekamen wir noch etwas Zuessen und anschließend schliefen Rapha und ich das erste Mal nach drei Wochen wieder in getrennten Betten, in getrennten Zimmern mit eigener Tür.

Zu Mafinga: Auf der Fahrt in dem klapprigen Bus ist uns schon aufgefallen, dass es immer kälter wurde, je näher wir Mafinga kamen und tatsächlich ist es hier Nachts richtig kalt im Vergleich zu Dar, da wir hier sehr hoch liegen. Ich schätze Nachts erreichen wir die 10 °C Marke und dementsprechend haben wir bei der Anreise auch gefroren. Tagsüber ist die Sonne aber gefühlt noch intensiver und es wird angenehm warm. Unser Haus ist der pure Luxus und hat einen komplett neuen Anstrich bekommen. 4 Schlafzimmer, Küche, zwei Badezimmer/Toiletten, Abstellraum, ein riesen Wohnzimmer mit Kamin (siehe Bild), Terrasse, draußen Ställe für Tiere, eine kleine Werkstatt und genug Platz um sich gärtnertechnisch auszulassen. Ein echter kleiner Bauernhof. Unser Haus steht auf dem großen Schulgelände in der „Lehrersiedlung“ und hebt sich von allen anderen Häusern ab. Nyambulapi, der direkt neben uns wohnt, wohnt im Vergleich schon sehr bescheiden. Ich finde es schade, dass wir uns so offensichtlich hier noch mehr abheben, als wir es ohnehin schon tun, aber es ist natürlich auch schön so viel Platz zu haben. Das Haus ist natürlich auch komplett möbliert. Wir wollen ähnlich wie unsere Vorgänger die Möglichkeiten hier nutzen und unsere kleine Farm eröffnen. Die ersten Samen sind schon in kleine Töpfe gewandert und wir hoffen auf Erfolg. Tiere sollen auch bald folgen. Fotos habe ich bisher noch nicht gemacht, folgen aber in den nächsten Tagen und werden dann hochgeladen, falls das langsame Internet hier den Transfer zulässt.

Zur Arbeit: Heute war unser dritter richtiger Arbeitstag. Am ersten Tag hat uns Nyambulapi erst mal ein wenig herumgeführt und die Schule gezeigt, die Schüler in verschiedenen handwerklichen Berufen ausbildet. Ansonsten sind wir im Moment hauptsächlich dabei das Schweißen zu erlernen und haben auch schon große Kunstwerke damit vollbracht (siehe rechts, wer errät was es ist hat gewonnen). Auf diesem Wege lernen wir auch schon mal ein wenig die Abläufe in der kleinen Werkstatt kennen, die eher mit einer
chaotischen Hobbywerkstatt zu vergleichen ist. Die Schüler sind im Moment in den Ferien, weshalb wir genug Platz haben und Nyambulapi und Kisukuli arbeiten an 7 Solarheatern, die schon verkauft sind. Sobald unsere Schweißfähigkeiten ausreichend sind, dürfen wir mithelfen und ich denke mittlerweile sind wir schon gar nicht schlecht. Aber eigentlich ist dies natürlich nicht das was ich hauptsächlich hier tun will, schließlich sind dies Aufgaben, die genauso gut von Tansaniern erledigt werden können. Ich sehe das im Moment als Einarbeitszeit. Außerdem ist Mr. Maseleka am Morgen nach unserer Anreise geschäftlich nach Dar gereist. Sobald er zurück ist, möchten wir mit ihm mal ein ausführliches Gespräch über unser Jahr hier führen. Darüber, wie seine Pläne sind, wie unsere Gedanken sind und was alles notwendig ist, damit eine gute Zusammenarbeit folgen kann. Denn wir haben jetzt das Wissen um die Windräder zu bauen, jetzt fehlt aber noch die organisatorische Seite, um Material zu finanzieren, Standorte zu bestimmen und Windräder zu vermarkten. Trotzdem ist bei alledem eine große Portion Fingerspitzengefühl gefragt, um keine Türen zu verschließen. Außerdem habe ich das Thema Chargecontroller ein wenig zu meinem Thema gemacht. Der Chargecontroller ist ein wichtiger Bestandteil des gesamten Systems, der dafür verantwortlich ist, dass die Batterie nicht durch Überladung, oder zu starker Entladung zu Schaden kommt. Leider gibt es dafür bisher noch keine kosteneffiziente und funktionierende Lösung trotz bisheriger Anstrengungen. Ich denke, dass es sich dabei noch um einen Knackpunkt zum Thema Nachhaltigkeit handelt, da die Batterien im Budget für das gesamte System einen sehr großen Anteil ausmachen und deshalb geschützt werden müssen. Im Moment bin ich dabei Informationen zum Bau zu sammeln und habe auch einen kompetenten Ansprechpartner vom Seminar, der mir seine Hilfe angeboten hat. Außerdem möchte ich mich noch mit Nyambulapi dazu auseinander setzen, der bei einer ersten Anfrage aber noch nicht so begeistert geklungen hat. Ihr seht also unsere Arbeit hier muss sich erst noch finden, bzw. wir müssen sie finden. Vielleicht gibt es im Gespräch mit Maseleka noch etwas mehr Klarheit, der auch schon angedeutet hat, dass wir einige Villagepresentations zum Thema Solar durchführen sollen. Tendenziell gibt es also genug Ziele, die dieses Jahr erreicht werden sollen. Wir sind auf jeden Fall motiviert, auch wenn im Moment noch in unserer Eingewöhnungsphase.

Heute waren wir das zweite Mal in der Stadt, die etwa 45 min. Fußmarsch von unserem Haus entfernt ist. In der Stadt gibt es eigentlich alles, was man zum guten Leben braucht. Außerdem gehen wir im Moment jeden Morgen in die Kirche der Schule, was mir bisher auch noch Spaß bereitet. Es ist eine gute Übung für unser Kiswahili, eine gute Möglichkeit wach zu werden und über den Tag nachzudenken und zu zeigen, dass wir am Leben teilnehmen wollen. Ob wir das so strikt weiterführen weiß ich aber jetzt noch nicht. Übertreiben sollte man es aber auch nicht. Am Montag haben wir auch unsere Haushälterin Hepi kennengelernt, die noch einen sehr schüchternen Eindruck macht. Ich habe auch das Gefühl, dass sie mit uns zwei gar nicht genug Arbeit für ihre Arbeitszeit hat, aber gerne ihre Zeit in unserem Haus verbringt.

Also wie ihr seht, Ende gut, alles gut. Die lange Busfahrt hat sich gelohnt. Mafinga und Umgebung sind wunderschön, vor allem ruhig und die Luft ist klar und riecht gut. Wir müssen uns zwar im Moment noch einfinden, aber ich denke es gibt auf jeden Fall genug Baustellen, die man angehen kann. Morgen ist erst mal mein Geburtstag, den wir dann mit unseren ersten Bekanntschaften mit einer Soda in unserem Haus feiern werden. Das nächste mal gibt’s ein paar Fotos mehr, außerdem habe ich die Seminarfotos geupdatet. Am Wochenende geht es nach Iringa.

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