Mittwoch, 22. September 2010

Ende gut, alles gut...

…das jetzt schon nach meinem ersten Monat in Tansania. Ja, zumindest im Bezug auf meine Busreise nach Mafinga. Nachdem wir den ersten Monat nun in Dar es Salaam verbracht haben und den Bau der Hugh-Piggott Turbine verstanden und praktiziert haben ging es nämlich am letzten Samstag endlich raus aus Dar es Salaam, der Stadt in der ich auf Dauer wohl lieber nicht wohnen würde. Am Ende des Seminars waren noch Presse und hochranginge Mitglieder von Regierungsbehörden zugegen. Außerdem wurden wir alle mit einem Zertifikat ausgezeichnet und haben unser 2. Windrad offiziell gestartet. Das dritte Windrad ist leider nicht mehr fertig geworden.

Aber nun erst mal zur Busreise. Ich hätte mir vorher nicht vorstellen können, dass an einem Tag so viele Dinge schief gehen können, aber es geht! Am Morgen wollten wir früh aufstehen und um spätestens 6 Uhr beim Überlandbusstand in Ubungo sein. Raphael und ich haben den Abend vorher noch mit anderen Seminarteilnehmern genutzt um das Seminarende zu zelebrieren, nichtsdestotrotz waren wir nach nächtlicher Packaktion pünktlich abfahrbereit. Aber das bestellte Taxi kam nicht und auch Nyambulapi und Kisukuli waren irgendwie nicht um die versprochene Uhrzeit da. Die beiden hatten nämlich verschlafen, was für die beiden absolut ungewöhnlich ist, da sie uns beim Seminar immer angetrieben haben. Zudem hatte das Taxi einen Unfall, weshalb wir uns dann ein anderes organisieren mussten. Wir kamen also erst um kurz nach 7 Uhr los und verabschiedeten uns von Carlotta und Lenny, die uns den ganzen Monat in ihrem Haus ausgehalten haben. Nach einem kleinen Stau kamen wir dann auch noch kurz vor 8 Uhr am Busstand an. Wir haben dann Nyambulapi die Organisation eines Busses überlassen. Nach ein wenig hin und zurück mit dem ganzen Gepäck hatten wir dann auch einen Bus mit der vielversprechenden Aufschrift „Mafinga Express“ gefunden. Pure Ironie, wenn man auf die Fahrt schaut, aber auch der Bus war im Vergleich zu den anderen Bussen auf jeden Fall einer der am wenigsten vertrauenswürdigen. Nachdem wir Nyambu darauf hingewiesen haben meinte er um diese Uhrzeit gäbe es kaum noch Auswahl. Na gut, los gings. Wir verließen Dar es Salaam und freuten uns nachdem die Häuser um uns rar wurden. In Morongoro, dem nächsten größeren Ort war dann aber Zwangspause angesagt. Über eine Stunde standen wir rum, während am Bus rumgeschraubt wurde. Dann ging es weiter, aber nicht lange. Nach 500m standen wir erneut, nun länger. Es wurde geschraubt, beraten und Köpfe geschüttelt, bestimmt 5 Stück, so groß war nämlich die Busbesatzung. Als wir es schon gar nicht mehr für möglich hielten ging es weiter. Diesmal auch ein ganzes Stück, es war aber auch schon Nachmittag und wir hatten noch gut 2/3 der 600 Km langen Reise vor uns. Es ging durch den Mikumi Nationalpark, in dem Rapha und ich unsere Augen ganz besonders aufgesperrt haben und waren wirklich erstaunt, wie viele Tiere wir zu Gesicht bekamen: Giraffen, Gnus, Gazellen, Zebras und eine Menge Affen direkt an der Straße. Die Tiere waren alle sehr nah an der Straße und gut zu sehen, auch wenn wir mit dem Bus immer schnell dran vorbei gefahren sind. Unser Sitznachbar hat uns dann auch immer erklärt, wie die Tiere heißen und einige Infos gegeben. Also nochmal ein echtes Highlight, der die Fahrt verträglicher gestaltet hat. Wir glaubten auch schon daran anzukommen, als in Iringa, 75 Km vor Mafinga der Bus bei einem Anstieg wieder einmal versagt hat. So kurz vorm Ziel hieß es auch von der Besatzung hier ist Schluss für heute, wir kümmern uns um einen Ersatzbus. Nach kurzen Tüfteleien ging es dann aber immerhin noch bis zum Busstand in Iringa. Noch waren wir aber im Ungewissen, doch tatsächlich kam noch ein anderer Bus und es hieß umsteigen. Dieser brachte uns dann auch wie versprochen bis nach Mafinga, aber insgesamt keine Spur von Express. Etwas ermüdet wurden wir auch schon von Mr. Maseleka dem Direktor des MLVTC empfangen. Im Schuljeep ging es Richtung Schule, die nicht mehr weit entfernt ist. Aber wie es an so einem Tag ist, streikt natürlich auch noch das Auto beim Schlussanstieg zur Schule. Es ging also rückwärts wieder runter. Der Motor wurde nochmal angeschmissen und mit Vollgas klappte der zweite Versuch und wir erreichten unser Haus um 11 Uhr, ca. 7 Std. später als ursprünglich geplant, aber immerhin waren wir hier, was ich zwischenzeitlich schon nicht mehr für möglich gehalten habe. Bei Nyambulapi bekamen wir noch etwas Zuessen und anschließend schliefen Rapha und ich das erste Mal nach drei Wochen wieder in getrennten Betten, in getrennten Zimmern mit eigener Tür.

Zu Mafinga: Auf der Fahrt in dem klapprigen Bus ist uns schon aufgefallen, dass es immer kälter wurde, je näher wir Mafinga kamen und tatsächlich ist es hier Nachts richtig kalt im Vergleich zu Dar, da wir hier sehr hoch liegen. Ich schätze Nachts erreichen wir die 10 °C Marke und dementsprechend haben wir bei der Anreise auch gefroren. Tagsüber ist die Sonne aber gefühlt noch intensiver und es wird angenehm warm. Unser Haus ist der pure Luxus und hat einen komplett neuen Anstrich bekommen. 4 Schlafzimmer, Küche, zwei Badezimmer/Toiletten, Abstellraum, ein riesen Wohnzimmer mit Kamin (siehe Bild), Terrasse, draußen Ställe für Tiere, eine kleine Werkstatt und genug Platz um sich gärtnertechnisch auszulassen. Ein echter kleiner Bauernhof. Unser Haus steht auf dem großen Schulgelände in der „Lehrersiedlung“ und hebt sich von allen anderen Häusern ab. Nyambulapi, der direkt neben uns wohnt, wohnt im Vergleich schon sehr bescheiden. Ich finde es schade, dass wir uns so offensichtlich hier noch mehr abheben, als wir es ohnehin schon tun, aber es ist natürlich auch schön so viel Platz zu haben. Das Haus ist natürlich auch komplett möbliert. Wir wollen ähnlich wie unsere Vorgänger die Möglichkeiten hier nutzen und unsere kleine Farm eröffnen. Die ersten Samen sind schon in kleine Töpfe gewandert und wir hoffen auf Erfolg. Tiere sollen auch bald folgen. Fotos habe ich bisher noch nicht gemacht, folgen aber in den nächsten Tagen und werden dann hochgeladen, falls das langsame Internet hier den Transfer zulässt.

Zur Arbeit: Heute war unser dritter richtiger Arbeitstag. Am ersten Tag hat uns Nyambulapi erst mal ein wenig herumgeführt und die Schule gezeigt, die Schüler in verschiedenen handwerklichen Berufen ausbildet. Ansonsten sind wir im Moment hauptsächlich dabei das Schweißen zu erlernen und haben auch schon große Kunstwerke damit vollbracht (siehe rechts, wer errät was es ist hat gewonnen). Auf diesem Wege lernen wir auch schon mal ein wenig die Abläufe in der kleinen Werkstatt kennen, die eher mit einer
chaotischen Hobbywerkstatt zu vergleichen ist. Die Schüler sind im Moment in den Ferien, weshalb wir genug Platz haben und Nyambulapi und Kisukuli arbeiten an 7 Solarheatern, die schon verkauft sind. Sobald unsere Schweißfähigkeiten ausreichend sind, dürfen wir mithelfen und ich denke mittlerweile sind wir schon gar nicht schlecht. Aber eigentlich ist dies natürlich nicht das was ich hauptsächlich hier tun will, schließlich sind dies Aufgaben, die genauso gut von Tansaniern erledigt werden können. Ich sehe das im Moment als Einarbeitszeit. Außerdem ist Mr. Maseleka am Morgen nach unserer Anreise geschäftlich nach Dar gereist. Sobald er zurück ist, möchten wir mit ihm mal ein ausführliches Gespräch über unser Jahr hier führen. Darüber, wie seine Pläne sind, wie unsere Gedanken sind und was alles notwendig ist, damit eine gute Zusammenarbeit folgen kann. Denn wir haben jetzt das Wissen um die Windräder zu bauen, jetzt fehlt aber noch die organisatorische Seite, um Material zu finanzieren, Standorte zu bestimmen und Windräder zu vermarkten. Trotzdem ist bei alledem eine große Portion Fingerspitzengefühl gefragt, um keine Türen zu verschließen. Außerdem habe ich das Thema Chargecontroller ein wenig zu meinem Thema gemacht. Der Chargecontroller ist ein wichtiger Bestandteil des gesamten Systems, der dafür verantwortlich ist, dass die Batterie nicht durch Überladung, oder zu starker Entladung zu Schaden kommt. Leider gibt es dafür bisher noch keine kosteneffiziente und funktionierende Lösung trotz bisheriger Anstrengungen. Ich denke, dass es sich dabei noch um einen Knackpunkt zum Thema Nachhaltigkeit handelt, da die Batterien im Budget für das gesamte System einen sehr großen Anteil ausmachen und deshalb geschützt werden müssen. Im Moment bin ich dabei Informationen zum Bau zu sammeln und habe auch einen kompetenten Ansprechpartner vom Seminar, der mir seine Hilfe angeboten hat. Außerdem möchte ich mich noch mit Nyambulapi dazu auseinander setzen, der bei einer ersten Anfrage aber noch nicht so begeistert geklungen hat. Ihr seht also unsere Arbeit hier muss sich erst noch finden, bzw. wir müssen sie finden. Vielleicht gibt es im Gespräch mit Maseleka noch etwas mehr Klarheit, der auch schon angedeutet hat, dass wir einige Villagepresentations zum Thema Solar durchführen sollen. Tendenziell gibt es also genug Ziele, die dieses Jahr erreicht werden sollen. Wir sind auf jeden Fall motiviert, auch wenn im Moment noch in unserer Eingewöhnungsphase.

Heute waren wir das zweite Mal in der Stadt, die etwa 45 min. Fußmarsch von unserem Haus entfernt ist. In der Stadt gibt es eigentlich alles, was man zum guten Leben braucht. Außerdem gehen wir im Moment jeden Morgen in die Kirche der Schule, was mir bisher auch noch Spaß bereitet. Es ist eine gute Übung für unser Kiswahili, eine gute Möglichkeit wach zu werden und über den Tag nachzudenken und zu zeigen, dass wir am Leben teilnehmen wollen. Ob wir das so strikt weiterführen weiß ich aber jetzt noch nicht. Übertreiben sollte man es aber auch nicht. Am Montag haben wir auch unsere Haushälterin Hepi kennengelernt, die noch einen sehr schüchternen Eindruck macht. Ich habe auch das Gefühl, dass sie mit uns zwei gar nicht genug Arbeit für ihre Arbeitszeit hat, aber gerne ihre Zeit in unserem Haus verbringt.

Also wie ihr seht, Ende gut, alles gut. Die lange Busfahrt hat sich gelohnt. Mafinga und Umgebung sind wunderschön, vor allem ruhig und die Luft ist klar und riecht gut. Wir müssen uns zwar im Moment noch einfinden, aber ich denke es gibt auf jeden Fall genug Baustellen, die man angehen kann. Morgen ist erst mal mein Geburtstag, den wir dann mit unseren ersten Bekanntschaften mit einer Soda in unserem Haus feiern werden. Das nächste mal gibt’s ein paar Fotos mehr, außerdem habe ich die Seminarfotos geupdatet. Am Wochenende geht es nach Iringa.

Donnerstag, 16. September 2010

Die letzten Sonntagsausflüge

So nach meinem letzten langen Eintrag zu meiner Arbeit, nun aber noch zu meiner Freizeit. Schließlich hatte ich in den letzten 2 Wochen auch zwei freie Tage, die Raphael und ich jeweils völlig ausgekostet haben. Vor zwei Wochen haben wir Alexander, einen anderen Seminarteilnehmer besucht, der in den Pugu Hills wohnt, ein wenig auswärts von Dar es Salaam. Er hatte uns eingeladen und die Möglichkeit aus der Stadt rauszukommen haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen und uns am besagten Sonntag in ein dalla gesetzt.  Aber gar nciht so einfach da hin zu kommen wo man hin will. Durch viel herum fragen mit verschiedensten Antworten haben wir dann aber die richtigen zusammengefügt und waren letztendlich auf dem richtigen Weg. Wir haben dann dem Dallamann noch gesagt wo wir aussteigen wollen und er hat uns dann irgendwo in einem kleinen Dorf nach geschätzten drei Stunden Gesamtfahrzeit rausgelassen. Sofort haben wir für Aufsehen gesorgt, denn in dem Dorf, das an der Hauptstraße zwischen Dar und Dodoma liegt kommen wohl nicht so oft Weiße vorbei. Wir wurden auch schnell von einem der Verkäufer angesprochen, ob wir zu Alex wollten und wir wurden dann zu seinem Haus geführt. Alex hat uns freudig entfangen und uns gerne sein bescheidenes Zuhause gezeigt, dass er sich mit seiner halben Familie teilt. Rundherum stehen Kokosnusspalmen und verschiedene andere Pflanzen, von denen er teilweise lebt. Er wollte uns auch zeigen, wie er auf die Palmen klettert und kurzerhand 2 Kokosnüsse für uns gepflückt, die wir dann frisch verspeist haben.
Anschließend hat er uns ein wenig die Hills gezeigt,  von denen man einen wunderschönen Ausblick auf die Umgebung hat. Zudem ist es super ruhig und keine Menschenseele war zu sehen, was uns sehr entgegenkam. Leider konnten wir die Hills aber nicht richtig besteigen, da sie im Moment von der Regierung geschlossen sind, da in letzter Zeit wohl zu viele Bäume Opfer von illegaler Abholzung geworden sind. Bei unserem ausgedehnten "Spaziergang sind wir noch auf wilde Affen gestoßen sind, die aber auch blitzschnell durch die Bäume abgehauen sind. Anschließend hat er uns noch den größten Kuhmarkt Tansanias gezeigt, der sogar auf einem Sonntag gut belebt war. Dort kamen wir dann auch noch in Kontakt mit einigen reichen „Cowboys“, die als sie gehört haben, dass wir mit erneuerbaren Energien zu tun haben nach Biogasanlagen gefragt haben und sehr interessiert waren. Wie ich finde vom Grundsatz her echt eine coole Idee bei großen Viehbesitzern so etwas aufzubauen. Ob die Idee wirklich gut ist, sollten wir zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht nochmal checken. Zudem haben wir ja nun auch noch nicht so die Ahnung von Biogasanlagen, aber gewiss genug Ansprechpartner mit denen wir so etwas klären könnten. Also alles in allem ein sehr gelungener freier Tag, wennauch ein wenig anstrengend, eine Erholung von der Stadt.

Jetzt am letzten Sonntag haben wir uns mal ganz tourilike mit einem Boot auf eine kleine vorgelagerte Insel von Dar verschiffen lassen und den ganzen Tag unsere Seele baumeln lassen. Die Insel war wunderschön. Es gab nur einen ganz kleinen Sandstrand mit zwei Hand voll Leuten und der Rest der Insel war komplett grün. Wir haben uns dann Schnorchelbedarf geliehen und sind ausgedehnt umhergepaddelt. Dabei sind wir auf Korallen, Anemonen und  Fische mit den Farben des kompletten Regenbogenfarbspek-trums. Dafür musste man auch gar nicht weit schwimmen. Das war wie im Aquarium und bei „Findet Nemo“ zusammen. Schade nur, dass wir keine Unterwasserkamera haben. Ein paar Touribilder von der Insel findet ihr  hier aber trotzdem. Zudem haben wir nämlich auch noch einen kleinen Spaziergang auf der Insel gemacht, bei dem wir noch mehr schöne Ecken entdeckt haben.  Gefahren in Form von Schlangen und tiefen Löcher gab es auch, denen wir aber immer gut ausgewichen sind. Solche Ausflüge möchte ich auch gerne weiterhin machen. Mir ist nur aufgefallen, dass ich mich auf keinen Fall mit den richtigen Touristen identifizieren will, die teilweise sehr unfair mit den Einheimischen umgehen. Ich möchte also gerne auch diese Seiten Tansanias kennenlernen, da es sich dabei meist um sehr schöne Seiten handelt, muss mich und die Tansanier deshalb aber nicht so krass abgrenzen.

Morgen ist mein letzter Seminartag. Die zweite Turbine mit einem 3m Durchmesser ist heute fertig geworden und sieht echt beeindruckend  aus und produziert auch beeindruckend viel Energie. Wer will kann sich die Fotos gerne mal anschauen. Gibt es alles hier... Ich weiß nicht, ob ich mich vor meiner Abreise nochmal melde und auch in Mafinga muss ich dann erstmal schauen, wie ich wieder ans Internet komme. Bis dahin also. Ich freue mich endlich in meine Einsatzstelle zu kommen!

Dienstag, 14. September 2010

Hugh Piggott Windgeneratorenseminar

Jetzt ist mein letzter Eintrag schon wieder viel zu lange her. Ich fange jetzt schon an zu schludern mit meiner Informationspolitik. So soll es aber nicht bleiben. Mit 3 bis 4 Einträgen pro Monat möchte ich euch schon versorgen. Zu Schreiben gibt es schließlich genug. Zumindest für den Moment. Mittlerweile geht unser Seminar schon dem Ende entgegen und ich habe noch gar nicht davon berichtet.  Außerdem haben wir unsere beiden freien Sonntage gut genutzt und interessante Seiten von Dar es Salaam kennengelernt, der Stadt in der wir hier immer noch festsitzen. Davin berichte ich aber im nächsten Eintrag, der aber schon fertig geschrieben heir liegt. Sonst würde es absolut zu viel werden. Bilder gibt es jetzt aber schon auf meienr Blogseite, swowohl vom Seminar als auch vom letzten Sonntagsausflug.

Aber nun zum Seminar. Mittlerweile sind wir in der 2. Woche, wobei wir nur die Sonntage frei hatten. Selbst vorm Zuckerfest wurde nicht halt gemacht und so mussten wir arbeiten, während Lennard und Carlotta einen Ausflug nach Sansibar gemacht haben. Aber ich kann mich eigentlich gar nicht beklagen. Das Seminar ist sehr gut und es werden uns alle Grundlagen vermittelt, die wir benötigen um eine Hugh Piggott Turbine (So heißt der Erfinder) zu bauen. Außerdem lernen wir auch eine Menge über die theoretischen Hintergründe, sowie Wirtschaftlichkeit u.v.m. Ich denke die Vorbereitung ist absolut ausreichend um den Fähigkeit zu haben in Mafinga voll einsteigen zu können.

Die praktische Arbeit findet im Moment in Kleingruppen statt. Ziel ist es drei Turbinen zu errichten, von denen die Erste jetzt steht und die Zweite, größere wohl morgen folgt. Jede Gruppe arbeitet abwechselnd mit Holz, heißt z.B. Rotorblätter bauen, mit Metall, also die Rahmenkonstruktion, oder kümmert sich um die Elektronikteile. In der Zusammenarbeit mit den Tansaniern haben Raphael und ich gleich am Anfang erst mal feststellen müssen, dass viel von uns erwartet wird. Stillschweigend waren wir plötzlich jeweils die Führer unserer Gruppen, wobei wir natürlich als frische Abiturienten kaum handwerkliche Erfahrung mitbringen. Diese Aufgabe wollte ich meinem Verständnis nach auch nicht tragen, was die Arbeit gerade am Anfang sehr schleppend gemacht hat, da immer auf eine Ansage gewartet wurde. Das gemeinsame Durchdenken der Dinge ging dadurch meist viel langsamer vonstatten, als wenn ich einfach eine Richtung vorgegeben hätte. Außerdem fehlte am Anfang gelegentlich der Überblick, was angesichts der vielen Teile aber auch verständlich war. Für mich war es dadurch aber oft sehr ermüdend. Mittlerweile ist die Zusammenarbeit aber immer besser geworden, auch wenn mein Wort jetzt immer noch mehr zu zählen scheint als das eines erfahrenen und studierten Tansaniers. Deshalb versuche ich mich oft sehr stark zurückzunehmen, oder mich auch von der Gruppe zeitweise abzuspalten. Außerdem werde ich auch einfach sehr oft gefragt, wie einzelne Dinge zusammengehören oder gelöst werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich mich blöd stelle wird einfach die nächst „höhere“ Instanz zu Rate gezogen, heißt einer von den Seminarleitern. Deshalb versuche ich dann oft die Frage gemeinsam durch Gegenfragen zu lösen. Das klappt meistens auch, aber es ist oft sehr anstrengend und sorgt teilweise auch für Unmut, da eine Lösung erwartet wird.  So habe ich also doch noch eine, wenn auch verdeckte Führungsaufgabe, von der aber so glaube ich beide Seiten profitieren. Seitdem die erste Turbine fertiggestellt ist haben aber die meisten auch einen guten Überblick und wissen was zu tun ist. Handwerklich sind die meisten ohne Frage top drauf und so habe ich hier auch schon einiges gelernt. Wenn ich frage, ob man mir z.B. mal das Schweißen zeigen kann, wird mir gerne geholfen und so gibt es auch schon die ersten Schweißnähte von mir an der Turbine, die aber noch ausgelassen belächelt wurden. Keine Sorge es handelt sich dabei nicht um tragende Teile.

Von Seminar Hugh Piggott Windturbine
Aerodynamikunterricht von Roland

Außerdem gibt es morgens immer eine Theorieeinheit, bei der jeden Tag uns Seminarteilnehmer ein anderer Punkt näher gebracht wird. Seien es Hintergrundinformationen über die Funktionsweise des Generators  oder Punkte der Wirtschaftlichkeit und Vergleiche mit anderen Energiequellen bishin zu Windmessungen und Analysen. Alles in allem sehr interessante und wichtige Informationen im Bezug auf den Betrieb und Vertrieb einer Windturbine. Ein wenig schade ist nur, dass die Einheiten aufgrund mangelnder Kiswahilkenntnisse der Leiter nur auf Englisch abgehalten werden. Ich denke dadurch fällt es vielen schwer den Inhalten zu folgen. Außerdem ist die Seminarsprache praktisch Englisch, wodurch ich mittlerweile absolut fließend Englisch spreche, aber leider nicht so schnell ins Kiswahili komme, wie ich mir durch das Seminar erhofft habe.



Aber wer sind eigentlich die Seminarleiter? Der Initiator ist Roland, ein studierter Physiker aus den Niederlanden, der zusammen mit Arthur, der gerade seinen Master der Physik macht, und Chaim, ein studierter Elektroingenieur das Seminarteam bildet. Alle drei machen das Seminar unentgeltlich, wobei Roland mittlerweile eine gute Geschäftsidee dahinter vermutet und in Zukunft versuchen will den Windturbinenmarkt in Tansania mitaufzubauen. Ich glaube ebenfalls, dass durchaus Potential vorhanden ist, da es viele Regionen gibt, in denen Windenergie günstiger als Solarenergie ist und keine Anschluss ans nationale Netz besteht. Schwierig nur eine gute Umsetzung. Ich finde das Thema Windenergie und Windturbinenbau auch sehr interessant und kann mit dem akademischen Triple auch immer Fragen klären und Diskussionen führen. Außerdem haben wir oft Besucher, oft aus den Niederlanden und auch das tansanische Fernsehen will noch kommen. Einzig und allein Kikwete der tansanische Präsident fehlt noch. Man kann also schon sagen es ist auch eine gute Werbekampagne für Windenergie, die bisher eben noch kaum verbreitet ist, weshalb man sich in Mafinga auch als Vorreiter schimpfen darf.

Ansonsten bin ich beim Seminar auch in das erste kleine Fettnäpfchen getreten. Generell wird offensichtlich viel Wert auf die Begrüßung gelegt. Jeder wird einzeln begrüßt und keiner sollte vergessen werden. Die ersten Tage habe ich dabei keine großen Unterschiede gemacht, wie ich jemanden begrüße. Bis mir dann irgendwann Arthur ein älterer studierter Elektoingenieur gesagt hat er wäre ein „Mzee“, ein alter Mann. Erst wusste ich nicht so richtig worauf er hinaus wollte. Nach kurzer Rücksprache mit seinem Sohn Anthon, mit dem ich und Rapha (noch mehr) uns gut verstehen, wurde dann klar, dass wir den Fehler gemacht haben nicht die Grußformel „Shikamoo“ zu benutzen, die die eigene Untergebenheit unterstreicht. Darauf wird sehr viel Wert gelegt und Anthon hat uns erklärt, dass er ältere Menschen niemals anders Grüßen würde. Für gewöhnlich wird sogar der eigene ältere Bruder so gegrüßt. In Wirklichkeit ist es aber so, dass die meisten keinen so großen Wert darauf legen und sowieso eine sehr spaßige Atmosphäre herrscht. Am nächsten Tag habe ich dann aber auch bei den Leuten, die ich noch nicht so gut kenne, oder die sich offensichtlich für was besseres halten, ja diese Leute gibt es auch hier, die neue Grußformel genutzt und habe auch gesehen, dass dies mit Wohlwollen gesehen wurde. Übersetzt heißt „Shikamoo“ aber so viel wie „Ich küsse euch die Füße“, was mir so ein wenig komisch vorkommt und ich mir jedes Mal auch ein kleines Lächeln verkneifen muss. Außerdem fällt es mir auch schwer manchen Personen nur aufgrund ihres Alters so einen Respekt zu zollen oder gewisse Hirarchiegebilde zu akzeptieren, die nach meinen Maßstäben nicht passen. Ich denke hier bin ich auf ein gutes Stück Kultur gestoßen. Generell sollte man die Floskel aber auch nicht zu hoch stellen, schließlich ist es keine besondere Art der Ehrerbietung o.Ä

Nyambulapi bei der Arbeit
Außerdem haben wir beim Semianr schon Nyambulapi und Kisukuli kennengelernt, mit denen wir zusammen in Mafinga arbeiten werden. Nyambulapi ist zwar faktishc sowas wie unser Chef, macht aber überhaupt nciht den Eindruck. Er ist sehr zu Späßen aufgelegt und gibt sich jede Mühe uns Kiswahili näher zu bringen. Kisukuli kann praktisch fast nur Kiswahili, weshalb die Kommunikation noch auf einfache Dinge beschränkt ist, aber auch er freut sich über jedes Kiswahili Wort von uns und so macht das Lernen und Reden auch viel Spaß. 
Das Lernen neben dem Seminar bleibt mittlerweile zwar komplett auf der Strecke, das ist aber angesichts unserer 10 Stunden Tage im Moment auch verständlich wie ich finde. Trotzdem sind wir schon gar nicht so schlecht und lernen durch Unterhaltungen mit den anderen Seminarteilnehmern und werden dafür auch immer wieder gelobt, auch wie schnell wir Fortschritte machen. In Mafinga bleibt uns dann nur noch Kiswahili, da kaum Englisch gesprochen wird. Spätestens dann können wir uns bestimmt noch merh auf die Sprache fokussieren.

So nun aber Schluß. Ich hoffe ihr habt einen guten Eindruck von unserem Seminar bekommen. Ansonsten kann man auch einfach viel auf den Bildern sehen. Da kommen die nächsten Tage auch noch ein paar dazu. Außerdem veröffentliche ich auch noch spätestens übermorgen einen Bericht zu unseren freien Sonntagen. Wie gesagt, geschrieben ists schon. badaaye