Dienstag, 31. August 2010

Die Einführungswoche in Tansania

So heute gibt es das erste Mal einen richtigen Eintrag von Mir aus Tansania, der ohne Zeitlimit und abstürzende Computer verfasst wird, denn jetzt habe ich Internetzugriff mit meinem Laptop.  Deshalb gibts den Eintrag auch endlich wieder als E-Mail. Die letzten Einträge waren ja mal echt schrecklich, ich konnte heute das erste Mal Korrektur lesen und habe die Einträge dann auch gleich ein wenig redaktionell überarbeitet. Heute bin ich schon 11 Tage in Tansania, genauer gesagt in Dar es Salaam, wenn auch nicht die Hauptstadt, ist Dar der Dreh- und Angelpunkt Tansanias und gleichzeitig auch die größte Stadt mit schätzungsweise über 3 Mio. Einwohnern. Außerdem ist Dar auch der Sitz der meisten Regierungsgebäude. Warum ich immer noch hier bin und noch nicht in meiner Einsatzstelle erkläre ich gleich noch genauer. Außerdem gibt’s heute auch endlich die versprochenen Fotos!

Jetzt grade sitze ich im Mwenge-Haus. Mwenge, weil es im Stadtteil Mwenge in Dar liegt. Hier sind die beiden DTP-Freiwilligen Carlotta und Lenny untergebracht, die bei TAREA in Dar es Salaam arbeiten. TAREA ist ganz grob gesagt die tansanische Seite der DTP und fördert hier das Voranschreiten von erneuerbaren Energien. Das Haus ist relativ groß und hier gehen komischerweise täglich Leute ein und aus. Rapha und ich leben jetzt hier jetzt bis zum 17. September für die Zeit des Seminars. Wir sind praktisch im Wohnzimmer untergebracht, was nicht gerade viel Ruhe mit sich bringt, aber viel länger könnte man auch in den anderen Zimmern nicht schlafen. Außerdem habe ich Oropax dabei. Hier habe ich auch einen guten Internetanschluss, der schon recht ordentliche Übertragungsraten zulässt, weshalb ich auch die Bilder hochladen konnte.

Welches Seminar und warum? Das 17-tägige Seminar vom 1. September an soll uns alles vermitteln, was im Zusammenhang mit dem Bau von Windrädern zusammenhängt. Vom Bau selber, über Berechnungen, bishin zur Vermarktung. Das Seminar wird geleitet von Roland einem Holländer. Vorgestern sind dafür auch Nyambulapi und Kisukuli aus Mafinga angereist, die mit uns zusammen daran teilnehmen werden. Nyambulapi ist als Handwerker und frischgebackener Chef des renewable Energy Departments in Mafinga quasi mein Vorgesetzter nach den Institutsleiter Maseleka. Deshalb ist das Seminar auch eine gute Gelegenheit schon mal Kontakt zu knüpfen. Die beiden wohnen nämlich zurzeit auch im Mwenge-Haus. Das Seminar wurde uns übrigens über unsere Vorgänger vermittelt. Die Organisation für die beiden Techniker aus Mafinga ist aber noch sehr verbesserungsbedürftig. Die beiden sind jetzt zwar nach einer 10 h Reise hier, wissen aber noch nicht genau, wo das Geld herkommen soll etc. An diese Art der Spontanität müssen wir uns wohl erst noch gewöhnen.

Ansonsten haben wir den Sonntag genutzt um uns ein wenig von der ersten Woche zu erholen und haben zu viert einen Strandtag eingelegt. Die restlichen Freiwilligen sind mittlerweile auch  über Tansania verteilt in ihren Einsatzstellen. Vom Strandtag gibt’s natürlich auch ein paar Fotos zum neidisch machen. Ein bisschen erschrocken habe ich mich, als ich mich in den Schatten unter einen Baum gelegt habe und über mir auf einmal eine riesige über handtellergroße Spinne entdeckt habe. Ob sie gefährlich ist weiß ich zwar nicht. Vorsichtshalber habe ich mich aber mal wo anders hingelegt und ein Foto gemacht.

Gestern waren wir zusammen mit Nyambulapi und Kisukuli in Dar unterwegs und haben ein paar Einkäufe getätigt, bzw. wollten es. So richtig viel wurde aber nicht gekauft, da es wohl kaum Geld gibt.  Bin mal gespannt, wie sich so der Windradbau gestaltet. Insgesamt ist die Situation, wie sie sich mir derzeit darstellt etwas kontraproduktiv. Aber genaueres will ich nicht sagen, bevor ich mir nicht in Mafinga einen genaueren Eindruck machen kann. Meiner Meinung nach wäre es auch falsch von uns zu probieren hier grundlegende Änderungen anzustreben. Ich sehe mein Aufgabe eher als unterstützend an. Es soll eine Zusammenarbeit und keine einseitige Hilfe sein.                                    

Außerdem waren wir gestern Abend noch zum Essen bei Theodori, einem Freund von Nyambulapi eingeladen mit dem wir auch die ganzen Einkäufe in Dar erledigt haben, da er hier lebt und sich gut auskennt. Er hat uns aus dem Dalla-Dalla(Hauptverkerhsmittel) auch eine kleine Stadtführung gegeben und mit viel Geduld Kiswahili mit uns gesprochen. Als ich ihm erklärt habe, dass mein Papa auch Theodor heißt hat er sich gar nicht mehr einbekommen und ist ab jetzt mein tansanischer Vater. Er war auch sehr interessiert an der Bedeutung des Namens und war als sehr gläubiger Christ auch sehr erfreut als ich ihn aufgeklärt habe. Bevor wir dann gestern Abend in sein Haus gingen, nahmen wir dann auch noch an einer Art Chorprobe + Beten teil. Das war wirklich unglaublich cool. Bei ihm Zuhause war dann auch die gesamte Familie versammelt. Der Begriff Familie ist hier ein anderer als in Deutschland. Es gehört einfach jeder dazu, der über drei Ecken mit einem verwandt ist. Gegessen haben wir dann aber nur zu fünft. Der Rest der Familie saß teilweise auf dem Boden nur dabei. Ein kleiner Fernseher lief während unserer Anwesenheit ununterbrochen, teilweise sehr laut. Ein Fernseher scheint hier eine Art Statussymbol zu sein. Genau wie das Handy. Die Handykultur ist hier ebenfalls eine ganz andere. Theodori hat während unserer Anwesenheit bestimmt drei Mal telefoniert und auch viele andere Familienmitglieder hatten den Großteil der Zeit ihre Handys in der Hand. Bei dem Treffen ging es auch nicht so richtig weit über Floskeln und Vorstellen der ganzen Familie hinaus. Ob das der normale Umgang ist weiß ich nicht. Komplett kann ich die Situation aber gar nicht schildern. Für mich war es schon seltsam als mir vor dem Essen die Hände gewaschen wurden. Aber ich möchte trotzdem diese Teileindrücke mit euch teilen. Insgesamt war die Einladung auf jeden Fall sehr interessant für Rapha und mich, aber wir wissen noch nicht genau, wie wir viele Dinge deuten sollen.

Ach und zu dem Empfang in dem großen Hochhaus, von dem ich schon ganz kurz berichtet habe, möchte ich noch was sagen. Meiner Einschätzung nach reflektiert die Begegnung hier schon ein wenig. Wir waren also zu Gast im Mawasiliano Tower (Kommunikations Turm). Wir wurden im Konferenzraum, im 12. Stockwerk (höchsten) empfangen. Das „Briefing“ konnte erst beginnen, als alle Vertreter von REA, der staatlichen Rural Energy Association anwesend waren, die aber kurz nach Beginn des Vortrags auch wieder gingen. Wir haben dann einen für

deutsche Verhältnisse sehr langweiligen, aber auch kurzen Vortrag gehört. REA ist eine tansanische Behörde, die für die rurale Energieversorgung eintritt und dafür auch oftmals regenerative Energien unterstützt, da zentrale Lösungen wegen mangelnden Stromnetzen kaum möglich sind. Am Ende des Vortrags haben wir dann noch die Visitenkarten aller Anwesenden bekommen und durften gehen. Das Highlight für mich war dann die europäische Toilette MIT Ausblick über Dar. Aber nun, was ich mir zu diesem Programmpunkt denke: In dem Fall war es weniger wichtig Informationen zu sammeln, sondern es ging vielmehr darum Networking zu betreiben. Kontakte scheinen in Tansania noch mehr als bei uns alles zu sein. In der kurzen Zeit hier habe kann ich meine neue Handynummer schon in und auswendig, weil ich so oft nach ihr gefragt wurde. Dabei geht es meistens gar nicht so sehr darum einen Kontakt zu haben, den man anrufen kann, sondern oft einfach darum jemanden zu kennen, so mein Gefühl. So hat mir Wilson, ein Student für water supply engineering an der Uni in Dar zu dem ich einen guten Kontakt geknüpft habe, gezeigt welche Weißen er schon mal getroffen hat. Er hat sie nämlich alle inklusive Telefonnummer und Anschrift fein säuberlich in einem Block notiert. Diese Art von Networking findet man auch generell im erneuerbare Energien Sektor hier wieder: Jeder kennt irgendwie jeden. Und da war es auch selbstverständlich, dass wir als Freiwillige erst mal  wieder jedem vorgestellt wurden. So kommt es, dass mein kleines Notizbuch jetzt schon voll ist mit zahlreichen E-Mailadressen, Handynummer und Namen. Dazu kommen noch einige Einladungen etc. Aber auch hier nochmal der Hinweis: Dies ist mein erster Eindruck, wie alle anderen Aussagen, die ich hier treffe auch.

So jetzt habe ich eine ganze Menge geschrieben und ich könnte noch ewig so weiter schreiben. Heute legen Rapha und ich noch mal eine entspannten Tag ein, bevor dann morgen unser Seminar beginnt, dass jeden Tag außer Sonntag von 7:30 bis 18:00 geht. Mein Kiswahili wird Tag für Tag besser und mittlerweile bekomme ich auch ein paar vernünftige Sätze aneinander. Von Mückenstichen bin leider nicht ganz verschont geblieben, was anlässlich der Vielzahl an Mücken hier auch nicht verwunderlich ist. Angeblich träg jede 7. Malaria. Aber halb so wild, ich bin medikamentös gut vorbereitet und in Europa wird da auch mehr Panik verbreitet, als teilweise wirklich nötig ist. Ansonsten fällt mir beim Überfliegen des Eintrags aus, in wie viele Dinge ich schon etwas hineingedeutet habe. Dabei kann ich nach der kurzen Zeit natürlich komplett falsch liegen und muss für mich selber auch weiterhin auf Offenheit achten. In dem Sinne bis demnächst. Übrigens, mir geht’s gut und ich freue mich über Rückmeldungen! Mehr Fotos auch aus Dubai gibt es in der rechten Spalte auf tansaniablogger.de

P.S.: Bisher hatten wir nur Sonnenschein, aber jetzt grade erlebe ich die Regenfälle meines Lebens, dabei kommt die richtige Regensaison erst noch. An alle Fleigerkollegen: Die letzten Tage gab es Cumulanten wo man nur hingesehen hat...

Kommentare:

  1. Hallo Bastian, vielen Dank für diese vielen und so interessanten Artikel zu Deiner Reise und Arbeit. Ich finde es toll, wie Du beobachtest und kommentierst und Dir auch die Offenheit für alles, was Du erlebst so wichtig ist. Weiter viel Freude und Erfolg bei allen Aktivitäten!

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  2. Hallo Bastian, wir finden es toll, wie du reflektierst und dir so viele, wichtige Gedanken machst. Mach weiter so! Aber du musst wirklich aufpassen, was du so hineininterpretierst, hörst du?
    Viele Grüße aus A-Town

    Ps.: Das mit der 7. Mücke war nur ein Gerücht aus Schwaben

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