Dienstag, 31. August 2010

Die Einführungswoche in Tansania

So heute gibt es das erste Mal einen richtigen Eintrag von Mir aus Tansania, der ohne Zeitlimit und abstürzende Computer verfasst wird, denn jetzt habe ich Internetzugriff mit meinem Laptop.  Deshalb gibts den Eintrag auch endlich wieder als E-Mail. Die letzten Einträge waren ja mal echt schrecklich, ich konnte heute das erste Mal Korrektur lesen und habe die Einträge dann auch gleich ein wenig redaktionell überarbeitet. Heute bin ich schon 11 Tage in Tansania, genauer gesagt in Dar es Salaam, wenn auch nicht die Hauptstadt, ist Dar der Dreh- und Angelpunkt Tansanias und gleichzeitig auch die größte Stadt mit schätzungsweise über 3 Mio. Einwohnern. Außerdem ist Dar auch der Sitz der meisten Regierungsgebäude. Warum ich immer noch hier bin und noch nicht in meiner Einsatzstelle erkläre ich gleich noch genauer. Außerdem gibt’s heute auch endlich die versprochenen Fotos!

Jetzt grade sitze ich im Mwenge-Haus. Mwenge, weil es im Stadtteil Mwenge in Dar liegt. Hier sind die beiden DTP-Freiwilligen Carlotta und Lenny untergebracht, die bei TAREA in Dar es Salaam arbeiten. TAREA ist ganz grob gesagt die tansanische Seite der DTP und fördert hier das Voranschreiten von erneuerbaren Energien. Das Haus ist relativ groß und hier gehen komischerweise täglich Leute ein und aus. Rapha und ich leben jetzt hier jetzt bis zum 17. September für die Zeit des Seminars. Wir sind praktisch im Wohnzimmer untergebracht, was nicht gerade viel Ruhe mit sich bringt, aber viel länger könnte man auch in den anderen Zimmern nicht schlafen. Außerdem habe ich Oropax dabei. Hier habe ich auch einen guten Internetanschluss, der schon recht ordentliche Übertragungsraten zulässt, weshalb ich auch die Bilder hochladen konnte.

Welches Seminar und warum? Das 17-tägige Seminar vom 1. September an soll uns alles vermitteln, was im Zusammenhang mit dem Bau von Windrädern zusammenhängt. Vom Bau selber, über Berechnungen, bishin zur Vermarktung. Das Seminar wird geleitet von Roland einem Holländer. Vorgestern sind dafür auch Nyambulapi und Kisukuli aus Mafinga angereist, die mit uns zusammen daran teilnehmen werden. Nyambulapi ist als Handwerker und frischgebackener Chef des renewable Energy Departments in Mafinga quasi mein Vorgesetzter nach den Institutsleiter Maseleka. Deshalb ist das Seminar auch eine gute Gelegenheit schon mal Kontakt zu knüpfen. Die beiden wohnen nämlich zurzeit auch im Mwenge-Haus. Das Seminar wurde uns übrigens über unsere Vorgänger vermittelt. Die Organisation für die beiden Techniker aus Mafinga ist aber noch sehr verbesserungsbedürftig. Die beiden sind jetzt zwar nach einer 10 h Reise hier, wissen aber noch nicht genau, wo das Geld herkommen soll etc. An diese Art der Spontanität müssen wir uns wohl erst noch gewöhnen.

Ansonsten haben wir den Sonntag genutzt um uns ein wenig von der ersten Woche zu erholen und haben zu viert einen Strandtag eingelegt. Die restlichen Freiwilligen sind mittlerweile auch  über Tansania verteilt in ihren Einsatzstellen. Vom Strandtag gibt’s natürlich auch ein paar Fotos zum neidisch machen. Ein bisschen erschrocken habe ich mich, als ich mich in den Schatten unter einen Baum gelegt habe und über mir auf einmal eine riesige über handtellergroße Spinne entdeckt habe. Ob sie gefährlich ist weiß ich zwar nicht. Vorsichtshalber habe ich mich aber mal wo anders hingelegt und ein Foto gemacht.

Gestern waren wir zusammen mit Nyambulapi und Kisukuli in Dar unterwegs und haben ein paar Einkäufe getätigt, bzw. wollten es. So richtig viel wurde aber nicht gekauft, da es wohl kaum Geld gibt.  Bin mal gespannt, wie sich so der Windradbau gestaltet. Insgesamt ist die Situation, wie sie sich mir derzeit darstellt etwas kontraproduktiv. Aber genaueres will ich nicht sagen, bevor ich mir nicht in Mafinga einen genaueren Eindruck machen kann. Meiner Meinung nach wäre es auch falsch von uns zu probieren hier grundlegende Änderungen anzustreben. Ich sehe mein Aufgabe eher als unterstützend an. Es soll eine Zusammenarbeit und keine einseitige Hilfe sein.                                    

Außerdem waren wir gestern Abend noch zum Essen bei Theodori, einem Freund von Nyambulapi eingeladen mit dem wir auch die ganzen Einkäufe in Dar erledigt haben, da er hier lebt und sich gut auskennt. Er hat uns aus dem Dalla-Dalla(Hauptverkerhsmittel) auch eine kleine Stadtführung gegeben und mit viel Geduld Kiswahili mit uns gesprochen. Als ich ihm erklärt habe, dass mein Papa auch Theodor heißt hat er sich gar nicht mehr einbekommen und ist ab jetzt mein tansanischer Vater. Er war auch sehr interessiert an der Bedeutung des Namens und war als sehr gläubiger Christ auch sehr erfreut als ich ihn aufgeklärt habe. Bevor wir dann gestern Abend in sein Haus gingen, nahmen wir dann auch noch an einer Art Chorprobe + Beten teil. Das war wirklich unglaublich cool. Bei ihm Zuhause war dann auch die gesamte Familie versammelt. Der Begriff Familie ist hier ein anderer als in Deutschland. Es gehört einfach jeder dazu, der über drei Ecken mit einem verwandt ist. Gegessen haben wir dann aber nur zu fünft. Der Rest der Familie saß teilweise auf dem Boden nur dabei. Ein kleiner Fernseher lief während unserer Anwesenheit ununterbrochen, teilweise sehr laut. Ein Fernseher scheint hier eine Art Statussymbol zu sein. Genau wie das Handy. Die Handykultur ist hier ebenfalls eine ganz andere. Theodori hat während unserer Anwesenheit bestimmt drei Mal telefoniert und auch viele andere Familienmitglieder hatten den Großteil der Zeit ihre Handys in der Hand. Bei dem Treffen ging es auch nicht so richtig weit über Floskeln und Vorstellen der ganzen Familie hinaus. Ob das der normale Umgang ist weiß ich nicht. Komplett kann ich die Situation aber gar nicht schildern. Für mich war es schon seltsam als mir vor dem Essen die Hände gewaschen wurden. Aber ich möchte trotzdem diese Teileindrücke mit euch teilen. Insgesamt war die Einladung auf jeden Fall sehr interessant für Rapha und mich, aber wir wissen noch nicht genau, wie wir viele Dinge deuten sollen.

Ach und zu dem Empfang in dem großen Hochhaus, von dem ich schon ganz kurz berichtet habe, möchte ich noch was sagen. Meiner Einschätzung nach reflektiert die Begegnung hier schon ein wenig. Wir waren also zu Gast im Mawasiliano Tower (Kommunikations Turm). Wir wurden im Konferenzraum, im 12. Stockwerk (höchsten) empfangen. Das „Briefing“ konnte erst beginnen, als alle Vertreter von REA, der staatlichen Rural Energy Association anwesend waren, die aber kurz nach Beginn des Vortrags auch wieder gingen. Wir haben dann einen für

deutsche Verhältnisse sehr langweiligen, aber auch kurzen Vortrag gehört. REA ist eine tansanische Behörde, die für die rurale Energieversorgung eintritt und dafür auch oftmals regenerative Energien unterstützt, da zentrale Lösungen wegen mangelnden Stromnetzen kaum möglich sind. Am Ende des Vortrags haben wir dann noch die Visitenkarten aller Anwesenden bekommen und durften gehen. Das Highlight für mich war dann die europäische Toilette MIT Ausblick über Dar. Aber nun, was ich mir zu diesem Programmpunkt denke: In dem Fall war es weniger wichtig Informationen zu sammeln, sondern es ging vielmehr darum Networking zu betreiben. Kontakte scheinen in Tansania noch mehr als bei uns alles zu sein. In der kurzen Zeit hier habe kann ich meine neue Handynummer schon in und auswendig, weil ich so oft nach ihr gefragt wurde. Dabei geht es meistens gar nicht so sehr darum einen Kontakt zu haben, den man anrufen kann, sondern oft einfach darum jemanden zu kennen, so mein Gefühl. So hat mir Wilson, ein Student für water supply engineering an der Uni in Dar zu dem ich einen guten Kontakt geknüpft habe, gezeigt welche Weißen er schon mal getroffen hat. Er hat sie nämlich alle inklusive Telefonnummer und Anschrift fein säuberlich in einem Block notiert. Diese Art von Networking findet man auch generell im erneuerbare Energien Sektor hier wieder: Jeder kennt irgendwie jeden. Und da war es auch selbstverständlich, dass wir als Freiwillige erst mal  wieder jedem vorgestellt wurden. So kommt es, dass mein kleines Notizbuch jetzt schon voll ist mit zahlreichen E-Mailadressen, Handynummer und Namen. Dazu kommen noch einige Einladungen etc. Aber auch hier nochmal der Hinweis: Dies ist mein erster Eindruck, wie alle anderen Aussagen, die ich hier treffe auch.

So jetzt habe ich eine ganze Menge geschrieben und ich könnte noch ewig so weiter schreiben. Heute legen Rapha und ich noch mal eine entspannten Tag ein, bevor dann morgen unser Seminar beginnt, dass jeden Tag außer Sonntag von 7:30 bis 18:00 geht. Mein Kiswahili wird Tag für Tag besser und mittlerweile bekomme ich auch ein paar vernünftige Sätze aneinander. Von Mückenstichen bin leider nicht ganz verschont geblieben, was anlässlich der Vielzahl an Mücken hier auch nicht verwunderlich ist. Angeblich träg jede 7. Malaria. Aber halb so wild, ich bin medikamentös gut vorbereitet und in Europa wird da auch mehr Panik verbreitet, als teilweise wirklich nötig ist. Ansonsten fällt mir beim Überfliegen des Eintrags aus, in wie viele Dinge ich schon etwas hineingedeutet habe. Dabei kann ich nach der kurzen Zeit natürlich komplett falsch liegen und muss für mich selber auch weiterhin auf Offenheit achten. In dem Sinne bis demnächst. Übrigens, mir geht’s gut und ich freue mich über Rückmeldungen! Mehr Fotos auch aus Dubai gibt es in der rechten Spalte auf tansaniablogger.de

P.S.: Bisher hatten wir nur Sonnenschein, aber jetzt grade erlebe ich die Regenfälle meines Lebens, dabei kommt die richtige Regensaison erst noch. An alle Fleigerkollegen: Die letzten Tage gab es Cumulanten wo man nur hingesehen hat...

Donnerstag, 26. August 2010

Nun bin ich schon eine ganze Woche unterwegs, die mir viel länger vorkommt. In der kurzen Zeit ist schon so viel passiert, dass ich mich schon anstrengen muss an Vorgestern zu denken. Auch heute schreibe ich wieder aus einem kleinen Internetcafé in Dar es Salaam. Die Tastatur klemmt und ist natuerlich eine englische Anfertigung, heisst keine Umlaute. Aber die Verbindung ist gut.

Die letzten Tage haben wir noch ein wenig Dar es Salaam erkundet und einige Treffen mit Vertretern verschiedene Firmen und Behörden gehabt. Vorgestern waren wir in der deutschen Botschaft und haben mit der zuständigen Referentin für Entwicklungszusammenarbeit unser Jahr in Tansania besprochen. Eine sehr interessante Frau, wobei das meiste Gesagte für uns schon bekannt war. Etwas unwirklich wirkte nur die Botschaft in Mitten von Tansania. Man glaubte sich in Deutschland aufzuhalten. Ein kleiner Palast. Witzig wirkte deshalb der Kommentar, dass wir uns in Tansania bewusst sein sollten, wie Könige zu leben im Vergleich zu Tansaniern, wobei viele von uns in Gastfamilien gehen. Das war wohl eher auf sich selbst bezogen.

Heute waren wir dann noch in der tansanischen Behörde für Rural Energy. Untergebracht im 12. und damit höchsten Stockwerk eines Hochhausen um das rundherum eigentlich nichts ist, wurde uns dann erzählt was die Behörde so bewirkt. Wir gingen dann wieder ausgestattet mit einer Vielzahl an Visitenkarten. Es ist seltsam zu sehen, dass man hier doch sehr "hoch" empfangen wird, obwohl wir doch alle nur Abitur gemacht haben. Uns wird eine Menge zugetraut von tansanischer Seite. Ich hoffe wir koenen das einhalten.

Außerdem wurden wir auch besucht von Vertretern von Solar Now! Ein Projekt, dass Versucht einen Solarmarkt in Tansania aufzubauen und auch schon einige Erfolge verzeichnet hat. Der Besuch war sehr interessant und hat einige neue Ideen gegeben.

Zudem ist noch viel mehr passiert, aber dazu habe ich hier leider kaum Zeit. Heute haben wir am eigenen Leib ein wenig über die Hierarchiestrukturen erfahren. Wie bereits berichtet, haben Rapha und ich ab dem 1. September ein Seminar zum Thema Windmuehlenbau. Wir hatten ueberlegt nach der Einfuehrungswoche, die Samstag endet noch nach Mafinga zu fahren und uns unsere Einsatzstelle anzuschauen. Die Idee ist aber gar nicht gut angekommen und hat inklusive einiger Missverstaendnisse schon zu ein wenig Aufruhr gesorgt. Morgen treffen wir unsere Chef das erste Mal. Dann bin ich gespannt, was sich ergibt. Klar ist, bis zum 17. September bleiben wir in Dar es Salaam und leben erstmal aus dem Koffer. Trotzdem freue ich mich auf das Seminar. So Zeit ist mal wieder um. Fotos etc. kann ich am Wochenende schicken. Dann komme ich auch wieder an meinen Laptop ran und kann den Email Verteiler wieder nutzen und vielleicht mal etwas detaillierter berichten. Bis dann...

Sonntag, 22. August 2010

Tag 3 in Tansania

Ich sitze jetzt hier in Dar es Salaam in einem kleinen Internetcafé an der Uni und schreibe meinen ersten Eintrag aus Tansania. Das Internet ist extrem langsam, aber für meine Zwecke reicht es. Wir bezahlen 500 Shiligi für eine halbe Stunde, umgerechnet ca. 25ct.

In diesen drei ersten Tage haben mich schon so viele Eindrücke erreicht und teilweise auch noch nicht erreicht, dass ich sie hier gar nicht alle erwähnen kann. Bisher habe ich ein rundum gutes Bild von Tansania bekommen. Ich bin sofort mit mehreren Einheimischen in den Kontakt gekommen und von überall hört man nur "mzungu", was soviel heißt wie Weißer, woran man sich erstmal gewöhnen muss.

Aber erstmal dazu, wie ich hier hingekommen bin. Mein erster Flug ging ab Hamburg nach Dubai, wo wir 10 Stunden Aufenthalt hatten. Dubai ist eine Stadt der Superlativen, leider kann ich von hier aus gerade keine Bilder liefern, aber die kommen gewiss nach. Wir haben uns in der Nacht mehrere Taxis genommen und uns alle Sehenswürdigkeiten angesehen, von dem höchsten Hochhaus der Welt bishin zur Palme und dem teuersten Hotel der Welt. Auf mich wirkte alles sehr künstlich und kalt. Keine Stadt in der ich gerne wohnen würde. Anschließend haben wir unserem Taxifahrer gebeten uns in der "Altstadt" rauszulassen. Wir waren also nachts um 3 Uhr Ortszeit in der neuen "Altstadt" Dubais und auf der Suche nach etwas Essbaren. Da gerade Ramadhan ist, hatten auch noch viele einheimische Restaurants auf. Doch exakt um 3 wurde kein Essen mehr ausgegeben. Ein Emirati hatte Mitleid mit uns und hat uns zum nächsten 24 Std. Markt begleitet, wo wir uns dann eine Kleinigkeit gekauft haben und hinter vorgehaltener Hand gegessen haben. Anschließend gings wieder zum Flughafen, und mit der nächsten EMIRATES Maschine nach Tansania.

Ausgestiegen aus dem Flugzeug sahen wir den größtem Flughafen Tansanias. Mit genau einem großen Flugzeug, unserem. Das Problem war, wir hatten unsere Aufenthaltsgenehmigungen noch nicht, die hatte  Olivia, die auf der anderen Seite der Sicherheitsbeamten auf uns wartete. Also ging Isabell zu einem der Beamten, der sie dann auch mit nach draußen begleitete um die Papiere zu holen. So kamen wir dann auch alle heile und legal in Tansania an, wo wir auch schon mit einem Kleinbus erwartet wurden. Wir fuhren eine Stunde entlang einer der Hauptstrassen zur Uni, wo wir jetzt wohnen. Überall um die Straße war Highlife. Riesig bepackte Fahrräder (Bilder folgen) und Menschen in der verschiedensten Farben. Angekommen waren wir aber auch alle sehr müde und haben schnell unsere Zweierzimmer im Studentenheim bezogen und sind unter unseren Moskitonetzen in den Schlaf gefallen.

Die 7 Tage, die wir hier sind, bekommen wir jeden morgen Unterricht in Kiswahili und Kultur von Mohammed, einem sehr guten Lehrer. Nachmittags stehen dann immer andere Dinge auf dem Plan. Gestern ging es auf den Markt. Sehr voll und in unseren Augen durcheinander. Wir haben uns eine Handykarte geholt und unser erstes Geld vom Automaten. Meine neue Handynummer +255 766 969 088.
Und gestern Abend gab es für mich dann noch ein persönliches Highlight. Wir saßen zu viert noch etwas länger an der Studentenkantine und hörten die ganze Zeit laute Musik. Wir haben uns dann entschieden dem auf den Grund zu gehen und befanden uns plötzlich in Mitten einer tansanischen Hochzeit wieder. Wir wurden sofort eingeladen und uns wurde Essen und Getränke angeboten. Wir wurden zum Mittanzen aufgefordert und haben dadurch für Erheiterung gesorgt. Um 23:00 war leider schon Schluss, aber es war sehr interessant.

Jetzt muss ich leider Schluss machen. Während diesen Beitrags ist der Computer zwei mal abgestürzt. Und entschuldigt meine Fehler in der Kürze der Zeit. Ich melde mich bald wieder...

Donnerstag, 19. August 2010

5 Stunden bis Abflug

In 5 Stunden geht es los. Genauer um 15:25 mit Emirates ab Hamburg. Das Gepäck ist gepackt und ich hoffe, dass es nicht zu schwer ist. 30 Kg darf ich mitnehmen. Eigentlich schon eine gute Menge im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften, aber für ein Jahr ist es dann doch nicht so viel. Die Nervosität ist in den letzten Stunden dann doch noch gestiegen. Ich lasse doch sehr viel zurück für das Jahr und hinzu kommt das "Neue" zum Teil faszinierende, zum Teil aber auch angsteinflößende, von dem ich euch berichten will.


Der Flug geht über Dubai nach Dar es Salaam. In Dubai trifft sich die ganze Gruppe und wir haben 10 Stunden Aufenthalt, den wir nutzen wollen um nachts die Stadt im schnelldurchlauf zu sehen. Den Flughafen können wir ohne weiteres verlassen und unser Gepäck bekommen wir auch nicht wieder, also können wir uns frei bewegen. Uns wurde empfohlen ein Taxi zu nehmen, das relativ günstig sein soll. Schließlich ist Öl fast umsonst.


Morgen gegen Mittag bin ich dann auf tansanischen Boden. Erstmal müssen wir vor Ort noch  unsere resident permit ausgehändigt bekommen um einreisen zu dürfen. Ich hoffe das stellt kein Problem dar. Dann verbringen wir die erste Woche erstmal gemeinsam in Dar es Salaam und werden nochmal auf Alltagsituationen, wie dem Einkauf auf dem Markt vorbereitet. Außerdem gibt es noch einen kleinen Sprachkurs. Anschließend war eigentlich gedacht, dass wir alle in unsere Einsatzstellen fahren.


Doch für Raphael und mich haben sich da in den letzten Tagen noch einige Neuerungen ergeben. Philipp und Robert, unsere Vorgänger in Mafinga sind nämlich auf einen Anfang September stattfindenden Kurs zu Kleinwindrädern in Dar es Salaam gestoßen. In Mafinga hat der Kurs großen Anklang gefunden und zwei fundhi (Handwerker) kommen extra nach Dar um diesen 17 tägigen Kurs auch besuchen zu können. Der Kurs ist umsonst und wird von einem Holländer gegeben. Die restlichen Kosten teilen sich DTP und die Schule aus Mafinga für uns vier. Raphael und mir wurde es offen gehalten, ob wir den Kurs besuchen wollen und ich wusste erst nicht, ob ich nicht irgendwann ach einfach mal ankommen möchte. Letztendlich haben wir uns aber dafür entschieden. Es ist eine gute Chance unsere Mitarbeiter schon mal kennenzulernen. Außerdem ist Nyambulapi, einer der fundhis, unserer erster Ansprechpartner in Mafinga. Unsere Kenntnisse über die Windkraftanlage können wir in der Zeit mit Sicherheit auch noch gut vertiefen. Also insgesamt eine tolle Sache und wir werden von Anfang an gut eingebunden.


So nun muss ich aber los. Wann ich mich das nächste mal melden kann weiß ich noch nicht. Es kommt darauf an, wie schnell ich mich einrichten kann und wie die Gegebenheiten vor Ort sind. Gerade, was das Internet betrifft. Ich halte euch aber auf den Laufenden und freue mich jetzt, dass es endlich los geht.

Mittwoch, 18. August 2010

Die Kulturbrille

Das Hauptziel des Vorbereitungsseminars war es uns auf die fremde Kultur vorzubereiten, weshalb ich dem Thema nochmal einen gesonderten Beitrag widmen möchte. Zwar dachte ich vor dem Seminar sehr offen zu sein und gut in die fremde Kultur eintauchen zu können, doch im Seminar haben wir unsere Grenzen erfahren. Anhand von kleinen Spielen ist uns deutlich geworden, wie schnell wir doch auf die deutsche Denkschiene geraten und Situationen völlig missverstehen können. Wir haben gemerkt, dass tief in uns verwurzelt Normen und Werte sind, denen wir nur schwer entfliehen können. Eine Art Kulturbrille, die uns Situationen unterbewusst bewerten lässt und die Realität verzerren kann.

Ich möchte dies an der fiktiven Kultur der Einwohner von Insel Albatros deutlich machen. Wir stellen uns vor zusammen mit einigen anderen Urlaub auf Albatros zu machen und sitzen mit anderen Urlaubern in einem Kreis. Es kommen zwei Einheimische hinzu. Vorne geht der Mann, hinter ihm die Frau. Beide summen und gehen drei Runden um den Sitzkreis herum. Bei jedem der seine Beine überkreuzt hat, geben sie Zischlaute von sich und stellen die Beine auseinander. Anschließend setzen sie sich hinzu. Der Mann auf einen Stuhl, die Frau auf den Boden. Der Mann trägt Schuhe, die Frau ist barfuß. Der Mann nimmt sich einen Teller Erdnüsse und isst eine, dann gibt er den Teller der Frau, die nach ihm isst. Wenn die Frau fertig gegessen hat, legt der Mann seine Hand in den Nacken der Frau, führt den Kopf zu Boden und verharrt einige Zeit so. Die Einheimischen gehen wieder und lassen uns ratlos zurück.


Wie würden wir spontan diesen Ablauf bewerten? Wie ist z.B. die Stellung zwischen Mann und Frau? Uns wurde dieser Ablauf vorgespielt und ähnlich Fragen an uns gerichtet. Es kamen Antworten, wie "die Frau ist dem Mann ganz klar untergeordnet". Und so geht es den Meisten, denn eine solche Handlungsweise in unserem Kulturraum würde genau dies bedeuten. In der Auflösung gab es für jede Handlungsweise eine Begründung: Der Mann geht vorweg, um die Frau vor Gefahren zu schützen. Außerdem wird der Gott der Erde verehrt, weshalb es eine Ehre ist mit bloßen Füßen zu laufen, die nur Frauen zuteilwird und weshalb es nicht gestattet ist die Beine zu überkreuzen und den Kontakt zu verlieren. Außerdem muss der Mann das Essen Vorkosten, um seine Frau vor Gefahren zu schützen.

Klar, dies ist eine fiktive Situation, aber mir hat sie gezeigt, dass ich noch um einiges sensibler sein muss, um die fremde Kultur zu verstehen. Ich muss in meinen Bewertungen sehr vorsichtig sein. Es ist praktisch kaum möglich die Kultur komplett zu verstehen, da die Grundwerte schon in so früher Kindheit gelegt wurden, dass man ihnen kaum noch entfliehen kann. Dies ist auch der Grund dafür, dass viele freiwillige Helfer in Drittweltländern als Rassisten zurückkommen. Sie verstehen die fremde Kultur falsch und bauen Frust auf, den sie dann in Vorurteilen abladen. Zudem gibt es natürlich auch individuelle Unterschiede, die auf keinen Fall verallgemeinert werden dürfen. Es ist auch wichtig, dass ihr meine Berichte aus Tansania immer als subjektive Berichte wahrnehmt, wobei es meine Intention ist, so reflektiert und genau wie möglich zu schreiben.

Lange Rede kurzer Sinn: Mir ist klar geworden, dass ich gar nicht so frei und offen bin und sein kann, wie ich mir das wünsche. Deshalb muss ich umso vorsichtiger und genauer auf meine Umwelt achten. Ich muss akzeptieren die tansanische Kultur aufgrund meiner kulturellen Prägung nicht vollständig durchdringen zu können.


Außerdem wurde heute ein zweiter Zeitungsartikel zu meinem Jahr in Tansania veröffentlicht. Ein Interview, das ich gestern mit dem NW-Journalisten Felix Eisele geführt habe. Gerne nutze ich die Möglichkeit mit der Zeitung um weltwärts und Entwicklungszusammenarbeit populärer zu machen, schließlich sehe ich dies als eine Art Repräsentant auch als meine Aufgabe. Trotzdem  muss wie bei allen anderen Veröffentlichungen, wie auch hier auf dem Blog immer mit Vorsicht vorgegangen werden. Aussagen können von der Leserschaft, die oftmals vorher wenige Berührpunkte mit so einem Projekt hatten, schnell falsch verstanden werden und mein Ziel Vorbehalte abzubauen kann verfehlt werden. Mit dem Artikel heute, wie auch mit dem Letzten bin ich in der Summe sehr zufrieden:
http://www.nw-news.de/lokale_news/buende/buende/?em_cnt=3706031&em_cnt_page=1


Morgen gehts für mich los. Ich probier mich morgen nochmal zu melden und einen kleinen Blick in die nähere Zukunft zu geben. Bis dann...

Montag, 16. August 2010

Das Vorbereitungsseminar

12 Tage Vorbereitung vom 30.07. bis zum 10.08 bei artefact in Glücksburg liegen hinter mir. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt über Kultur, erneuerbare Energien, Gesundheit u.v.m. 12 Tage voller Erlernten und Eindrücken in einen Eintrag zu packen ist eine ganze Menge, weshalb ich hier leider nur eine Bruchteil mit euch teilen kann: